Nachbarin will Inge R. noch kurz vor der Tat gesehen haben
Hiddenhausen/Herford. Nach dem Tötungsdelikt am Donnerstag an der Birkenstraße in Hiddenhausen-Oetinghausen (Kreis Herford) haben die Ermittler am Freitag erste Ergebnisse geliefert. Eine Anwohnerin machte möglicherweise eine sehr interessante Beobachtung. Nachbarn haben Angst und trauern.
Das Polizeipräsidium Bielefeld hat eine 25-köpfige Ermittlungskommission zusammengestellt. Eine heiße Spur gibt es noch nicht. Immerhin steht fest, dass der Ehemann des Opfers am Morgen der Tat gegen 7 Uhr das Wohnhaus verlassen hat. Als er gegen 12.30 Uhr zurückkehrte, fand er die Leiche seiner Frau.
Ferner ist gesichert, dass auch das spätere Opfer Inge R. in der Zwischenzeit das Haus verlassen hatte. Unklar ist, wann das war. Offenbar sind während dieser Zeit einer oder mehrere Täter in das Wohnhaus eingedrungen und haben sich an einem Wandtresor zu schaffen gemacht. Zu vermuten ist laut Polizei, dass er oder sie dann durch die zurückkehrende Inge R. überrascht wurden.
Die Obduktion am Freitagmorgen ergab, dass die 72-Jährige mit einem Hammer erschlagen wurde. Für die Mordkommission ergibt sich daher ein tatrelevanter Zeitraum von 7 bis 12.30 Uhr. Für die Ermittler sind nun Antworten auf folgende Fragen sehr wichtig:
´Wer hat in besagtem Zeitraum direkt am Haus verdächtige Beobachtungen gemacht? Wichtig seien Erkenntnisse aus der Sicht der Hausfront von der Birkenstraße aus, aber auch vom rückwärtigen Bereich aus, der in Richtung Naturschutzgebiet geht. Dort halten sich in den Morgenstunden oft Jogger, Spaziergänger und Hundehalter auf, die Beobachtungen gemacht haben könnten.
´Wichtig wären für die Polizei auch weitere Beobachtungen, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten. Möglicherweise haben sich Personen zum Ausspionieren der Örtlichkeiten in dem Gebiet am Füllenbruch aufgehalten.
"Da war sie noch in ihrem Garten"
Hinweise können bei jeder Dienststelle der Polizei im Kreis Herford abgegeben werden, in der Stadt Herford unter Tel. (0 52 21) 8 88-0.
Nachbarin Maria Jürgenliemk hat möglicherweise schon einen wichtigen Hinweis geliefert: Sie will Inge R. etwa eine halbe Stunde vor der Tat noch lebend gesehen haben. Um 12 Uhr mittags war sie mit ihrem Hund am späteren Tatort entlang spaziert. "Da war sie noch in ihrem Garten", sagte Jürgenliemk gestern der NW.
40 Minuten später ging der Notruf bei der Polizei ein. "Ich weiß genau, dass es 12 Uhr war, weil die Kirchenglocken läuteten", erzählte Jürgenliemk, die zu dieser Zeit am Feldweg hinterm Haus auch "einen dunklen Geländewagen" beobachtet hat. Für die Ermittler freilich kein Grund, sich allein auf diese Beobachtungen zu stützen. "Wir müssen trotzdem allen möglichen weiteren Hinweisen nachgehen", sagte Polizeisprecher Rainer Koch.
In der Nachbarschaft des Opfers herrscht immer noch Entsetzen. "Als ich davon hörte, war ich so geschockt, dass ich nicht zur Arbeit gehen konnte", sagt Gabi Wortmann. "Ich habe mich Zuhause eingesperrt." Wortmann hat Angst, der oder die Täter könnten sich noch in der Nähe befinden.
Kerze entzündet
Andere Anwohner äußerten sich ähnlich. Bernhard Deutschkämer hat am Tatabend mit seiner Frau "noch lange auf die Wiese vorm Haus geschaut", auch Heinz Lindemann ging "mit gemischten Gefühlen ins Bett".
Manche Anwohner bringen ihre Trauer zum Ausdruck: Vor dem Hauseingang unterm Pensionsschild lagen am Freitag Blumen. Eine Kerze und ein Teelicht wurden dort ebenfalls entzündet. Die Männer von der Spurensicherung gingen nach wie vor ein und aus.