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24.11.2012
Löhne
"China als starken Partner wünschen"
Am Dienstag, 27. November, stellt Manfred Lahnstein, ehemaliger Minister und Manager sein neues Buch vor

Asienkenner | FOTO: NW

Löhne. Asiatische Staaten wie China werden in nächsten Jahren die Entwicklung der Weltwirtschaft dominieren. Ein Kenner Asiens und Chinas ist Professor Manfred Lahnstein. Der ehemalige Finanzminister im Kabinett von Helmut Schmidt stellt am Dienstag, 27. November, 20 Uhr, auf Einladung der VHS sein neues Buch "Die asiatische Herausforderung" vor. Im Interview mit NW-Redakteur Dirk Windmöller äußert sich Lahnstein zu den Herausforderungen, denen sich Deutschland und Europa stellen müssen.

Info

Zur Person

     
Manfred Lahnstein, 1937 geboren, ist seit 1959 Mitglied der SPD.

Ende 1980 wurde er Chef des Bundeskanzleramtes und 1982 Bundesminister für Finanzen in der Regierung Helmut Schmidt.

Nach der politischen Karriere arbeitete er in Führungspositionen bei Bertelsmann.

Seit 1996 ist er Kuratoriumsvorsitzender der ZEIT-Stiftung. (indi)

Welche Fehler machen wir Europäer, wenn es um die Beurteilung von China geht?

MANFRED LAHNSTEIN: Asien ist viel mehr als China. Das übersehen wir manchmal. Und unser Urteil zu China ist häufig durch positive oder negative Vorurteile geprägt


Sehen Sie in China mit seiner wachsenden Wirtschaftsmacht eher eine Bedrohung oder eine Chance für die europäische und deutsche Wirtschaft?

LAHNSTEIN: Ein wirtschaftlich starkes China ist ganz eindeutig eine Chance für uns. Wir sollten uns starke und nicht schwache Partner wünschen.

Darf man mit China trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen und Demokratiedefiziten Geschäfte machen?

LAHNSTEIN: Ja, man darf - denn sonst dürften wir mit der halben Welt keine Geschäfte mehr machen. Allerdings sollten Unternehmen die Gesetze beachten, sollte die Politik mit Geduld und Takt auf veränderte Verhältnisse hinwirken

Machen es sich deutsche Kritiker zu einfach, wenn sie China mit deutschen und Europäischen Maßstäben messen wollen? Experten sagen, dass die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft etwa vergleichbar mit der in Europa um das Jahr 1850 ist.

LAHNSTEIN: Das sind eher theoretische Spielereien. Wir sollten China vielmehr dabei helfen, neben einer starken Wirtschaft auch zu einer offeneren Gesellschaft zu kommen.

Was können wir von China und Asien lernen?

LAHNSTEIN: Wir können uns in Asien an alte deutsche Tugenden besinnen: Lernwillen, Fleiß, Sparsamkeit, Neugierde, Optimismus. Das sind die Waffen Asiens, nicht irgendwelche Wundermittel.

Was fasziniert Sie am meisten an Asien?

LAHNSTEIN: Neben den gerade beschriebenen Tugenden die ungeheure kulturelle und mentale Vielfalt.

Sie schreiben, wir müssen die Asiaten sehen, wie es die Asiaten tun. Wie sehen die Asiaten die Asiaten?

LAHNSTEIN: Die Asiaten sehen sich als Beteiligte an einem Prozess, der den gesamten Kontinent und auch sie selber nach vorne bringt. Darauf müssen wir uns einstellen, wollen wir nicht an den Rand des Weltgeschehens gedrückt werden.



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