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29.12.2012
Löhne
Widerstand gegen Hermes-Pläne
Bürgerinitiative will Politik überzeugen und kündigt als letztes Mittel juristische Schritte an
VON DIRK WINDMÖLLER

Stößt auf Kritik: | Zeichnung: ECE

Fürchten um die Heimat | FOTOS: DIRK WINDMÖLLER

Löhne. Drei Rehe huschen über das Feld, kleine Waldstücke bieten ihnen und anderen Tieren Schutz. Eine Bürgerinitiative, die den Hermes-Bau im Gewerbegebiet Scheidkamp verhindern will, fürchtet nicht nur den Verlust dieser Idylle.

Anne Cathrin Delkeskamp, ihr Ehemann Daniel Laszig und Uwe Kleimeier sind als Anwohner am Leinkamp direkt von den Bauplänen betroffen. Sie haben die Initiative gegründet, die sich am Donnerstag zum ersten Mal getroffen hat. "Hier geht es nicht nur um uns. Vielen Löhnern ist wahrscheinlich gar nicht klar, welche Dimensionen und Auswirkungen das Bauwerk haben wird", sagt Anne Cathrin Delkeskamp. Uwe Kleimeier ergänzt: "Der Bau würde nur 300 Meter entfernt vom Rathaus entstehen, also eigentlich noch im Löhner Zentrum."


Die Initiatoren der Bürgerinitiative wollen verhindern, dass Hermes an dieser Stelle baut. Viel zu überdimensioniert seien die Pläne. Zerschnitten werde nicht nur ein wertvolles Stück Natur. "Dafür wird dann sogar zum Teil ein Landschaftsschutzgebiet in eine Gewerbefläche umgewandelt. Das ist schon ein Ding", sagt Kleimeier. Jahre hätten dort noch nicht einmal Wohnhäuser gebaut werden dürfen, um eine Frischluftschneise zu erhalten.

Darüber hinaus befürchten die Löhner große Probleme durch den Lärm. "Dort soll 24 Stunden am Tag be- und entladen werden. Bei der angekündigten Lkw-Belastung findet dann alle zwei Minuten eine Lkw-Bewegung statt", fürchtet Daniel Laszig. Und das könne besonders nachts zu Problemen führen, wenn die Lkw aufgrund von mangelndem Licht die Tore nicht auf Anhieb treffen würden. "Lärmspitzen müssen beim Lärmgutachten nicht berücksichtigt werden." Und so könne es dazu kommen, dass zwar die Grenzwerte nicht überschritten würden, viele Menschen aber nachts senkrecht im Bett sitzen, weil die Lkw mit ihren Aufliegern gegen die Kanten knallen.

"Davon sind nicht nicht nur die unmittelbaren Anwohner betroffen. Der Lärm trägt weit. Auch der Helmsberg und die Lombsiedlung werden stark beeinträchtigt", vermutet Delkeskamp.

Der Bau würde nach Überzeugung der Gegner auch für Verkehrsprobleme sorgen. "Auch wenn die B61 an das Gewerbegebiet angebunden ist, ist das Problem der unmittelbaren Zufahrtsstraßen nicht gelöst", sagt Kleimeier. Dazu komme ein möglicher Pendelverkehr zwischen dem Hermes-Standort in der Falscheide, der erhalten bleiben soll, und dem neuen Gelände. "Der kürzeste Weg würde über den Meinertsweg und die Bergstraße führen", hat Anne Cathrin Delkeskamp herausgefunden.

Info
Die Fakten

Hermes plant, verschiedene Standorte in Löhne zusammenzulegen.

Es soll eine riesige Halle gebaut werden, die 480 mal 170 Meter groß wäre.

Sie soll paralell zur Bahn verlaufen.

Das Unternehmen will nach eigenen Angaben rund 65 Millionen Euro investieren und bis zu 1.000 Arbeitsplätze in Löhne sichern.

Noch steht die endgültige Entscheidung im Rat über das Projekt aus.

Den Gründern der Bürgerinitiative ist klar, dass es sich bei Hermes um einen von Löhnes wichtigsten Arbeitgebern handelt. "Uns hat aber bisher niemand sagen können, wieviele Mitarbeiter in Löhne wohnen", sagt Uwe Kleimeier.

Jetzt wollen die Gründer der Initiative die Politik ins Boot holen. "Wir hoffen, dass wir die Parteien im Rat auf unsere Seite ziehen können", sagt Daniel Laszig. Sollte das nicht gelingen, soll der Kampf dennoch weitergehen. Auch juristische Mittel werden nicht ausgeschlossen.

Klaus Wilmsmeier, ein weiteres Mitglied der Initiative, kritisiert das Verhalten der Stadtverwaltung mit Blick auf die Information der Bürger. "Die haben die Bürgerversammlung nur organisiert, weil sie rechtlich dazu verpflichtet sind. Es hätte viel früher informiert werden müssen. Dieses Vorgehen hat mit der vielzitierten Bürgernähe nichts zu tun."

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Es ist ja schön, wenn man "ein Interessierter" ist, aber dann sollte man auch wissen, wovon man schreibt!
Wenn Sie hier pauschal behaupten, dass Objekte wie weiße Ware und Möbel nicht automatisierbar sind, dann ist das völliger Quatsch! Miele in Gütersloh kommissieoniert vollautomatisch! Und sowohl bei Miele als auch z.B. bei Nolte wird gibt es die Möglichkeit, sofern der LKW entsprechend mit walking-floor ausgestattet ist, den LKW innerhalb von 5 Minuten vollautomatisch zu beladen! Ich gebe Ihnen Recht, dass dies bei Hermes nicht praktikabel ist, aber einfach so zu behaupten "das geht nicht!" ist genau so ein oberflächliches "Argument" wie die der Gegner!

Wenn Sie hier weiter behaupten, bei den Aktivitäten von Hermes Fullfilment seien kein Paketgeschäft, dann kann ich da wieder nur drüber schmunzeln... in was wird denn die Bluse verpackt, die Lieschen Müller sich bei QVC bestellt?

@Wofür?
Also ich habe sehr gute Erfahrungen bei Spiegel-online gemacht. Nicht nur lesen viele Politiker die Kommentare, sondern sie beteiligen sich auch aktiv. Außerdem kann man dabei die Meinungsfindung/ Änderung gut beobachten. wenn sich das bei der NW auch etabliert, sehe ich für Löhne eine gute Chance, bessere Entscheidungen zu treffen.

Wofür vergeudet Ihr Euch alle hier die Zeit mit dieser sinnlosen Tipperei? Interessiert doch eh keinen. Oder glaubt Ihr etwa nur ein einziger der Entscheidungsträger würde hier was lesen? Nutzt Eure Freizeit lieber sinnvoll.

@Ein Interessierter
Im NW Artikel vom 04.12.2012 wird ebenfalls erwähnt, das die Firma Hermes "- Ein Teil der bestehenden Hallen in Löhne soll weiter für Möbel genutzt werden."
Das steht im krassen Widerspruch zu ihren Aussagen, zumal dort noch von keiner Bürgerinitative gesprochen wird und Hermes diese Aussagen getroffen hat.
In Bremen habe ich einen Betrieb gesehen die Waren, auch sperrige, vollautomatisch komissioniert. Sie haben recht, das es wohl unwirtschaftlich ist, wenn im Moment auf so viele Niedriglöhner in unserer Stadt zurückgegriffen werden kann.
Wieso soll jemand eine Unternehmensbefragung über Niedriglöhner bei anderen Firmen durchführen, wenn die Firma Hermes mit angeblich 1000 Arbeitsplätzen für seinen Bau wirbt? Wäre es nicht sinnvoller festzustellen, woraus sich diese 1000 Arbeitsplätze zusammensetzen? Es wäre doch wohl ein Witz, wenn für 8,5 Mio. ein Autobahnanschluß gebaut wird und eine(!) Firma indirekt hohe Subventionen (H4-Aufstocker) kassiert um somit 2-stellige Zuwachsraten erreicht. Es wäre eben auch schön zu erfahren, was am Ende tatsächlich übrig bleibt, für den Steuerzahler und die Stadt. Ansonsten können wir wieder einen Artikel im Schwarzbuch über uns lesen.

Eine Automatisierung ist wie schon erwähnt aufgrund der betroffenen Warengruppen, Weißware, Möbel und sperrige Güter, nicht möglich, bzw. Unwirtschaftlich. Wie bekannt ist, benötigen Roboter einheitliche und standardisierte Verpackungen oder Maße. Ebenfalls sind die genannten Waren auch nicht sorterfähig. Haben Sie schonmal eine Waschmaschine in einem Sorter gesehene. Geschweige denn, die Waschmaschine, nachdem sie vom Sorter in die Wanne der Zieldestination gefallen ist. Es ist einfach nicht machbar. Glauben Sie es oder nicht.
Bzgl. der Verteilung von gut bzw. schlechtverdienenden sollten Sie vielleicht eine Unternehmensbefragung in Löhne durchführen. Bin gespannt wieviele Firmen dazu etwas bekannt geben. Meines Wissens nach, hat sich auch noch niemand der bei Hermes in Löhne arbeitet, über schlechte Arbeitsbedingungen beschwert.
Um nochmal auf die Werksverkehre zu sprechen zu kommen. Das Lagergebäude in Löhne Ort, das aufgestockt werden soll, ist auf die Abfertigung von Kleidung, z.b. hse 24, spezialisiert. Also ein komplett anderes Sortiment, als das, was im Scheidkamp umgeschlagen werden soll. Und der Kommentar in diesem Artikel, ist nicht von der Nw, sondern ein Zitat von einem Mitglied der Bürgerinitiative. Auch diese Personen haben sicherlich nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen.



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