11.04.2012
LÖHNE
Der Abschied vom Analog-Fernsehen
Löhner Händler erwarten Kundenansturm nach Umstellung auf Digital-TV
VON PATRICK MENZEL
Eröffnet dem Zuschauer neue Möglichkeiten | FOTOS: PATRICK MENZEL
Löhne. Die Zeit läuft: Noch 19 Tage, dann ist Schluss mit antiquierten Fernsehsignalen aus dem Orbit. Ab dem 30. April 2012 sind nur noch digitale Satellitenprogramme empfangbar. Die Radio- und Fernsehtechniker in Löhne spüren, dass ihre Kunden durch das nahende Datum langsam nervös werden. Einen Grund zur Sorge sehen sie jedoch nicht.
Die Verunsicherung bei den Kunden sei derzeit noch groß, sind sich die von der NW befragten Händler einig. Wer auf Nummer sicher gehen und feststellen möchte, ob seine Schüssel digitale Signale empfängt, kann dies unter anderem bei ARD, ZDF, ProSieben, RTL und Sat.1 auf der Videotext-Seite 198 tun. Wenn dort die Information "Sie empfangen bereits digital" erscheint, besteht kein Handlungsbedarf. "Außerdem blenden analoge Transponder eine Laufschrift ein, die auf das Ende des analogen Fernsehens hinweist", sagt Achim Fritsch, Mitarbeiter der TV- und Fernsehabteilung bei Expert Döring. Haushalte mit Kabelanschluss seien in der Regel nicht betroffen. Aufgrund der teilweisen analogen Einspeisung zu den Kabelnetzen über Satellit könnte allerdings in dem einen oder anderen Haushalt der Hinweis auf analogen Empfang erscheinen.
Digital aufnehmen
Beim Umstieg auf Digital-TV sollte man sich von seinem VHS-Videorekorder verabschieden. Videorekordern fehlt der digitale Tuner, so dass diese Geräte nur noch stumpf das mitschneiden, was gerade über den Bildschirm flimmert. Digitale Programme nimmt man daher am besten auf Festplatte auf.
Hatten im Jahr 2010 noch 65 Prozent der Zuschauer analog geschaut, waren es 2011 nur noch 35 Prozent. Ein Trend, den auch Fritsch deutlich spürt: "Schon seit einigen Wochen bemerken wir einen vermehrten Absatz von Digital-Empfängern", sagt der Fernsehfachmann. Pro Tag seien es etwa 20 bis 30 Kunden, die sich nach digitalem Fernsehempfang erkundigten, so Fritsch. Er rechnet damit, dass der ganz große Ansturm aber noch bevorsteht.
"Wenn am 30. April um 3 Uhr auf Digitalempfang umgestellt wird und in einigen Haushalten am Vormittag die Bildschirme schwarz bleiben, dürften hier die Telefone wohl nicht mehr still stehen", sagt er. Bei Expert Döring rüstet man sich deshalb bereits für Sonderschichten. "Urlaub nimmt an den Tagen nach der Umstellung jedenfalls kein Fernsehtechniker. Um allen Kundenwünschen gerecht zu werden, fangen wir dann morgens früher an und hören abends später auf", sagt Fritsch.
Kleines Gerät, große Wirkung | FOTO: PATRICK MENZEL
Wer noch kein digitales Fernsehen bezieht, muss umrüsten: In die Satellitenschüssel muss ein digitales Empfangsteil, ein sogenannter Low Voice Block Converter (LNB), eingesetzt werden. Zudem braucht man einen digitalen Sat-Receiver. Neuere Fernsehgeräte haben einen solchen Receiver schon eingebaut.
Über horrende Preise müssen sich Umrüster keine Gedanken machen: "Digitale Receiver gibt es ab zirka 40 Euro, ein einfaches LNB ab zehn Euro", sagt Wolfgang Wundrak vom gleichnamigen Elektronikgeschäft am Kattwinkel.
Noch seien genügend Geräte auf Lager, heißt es von den Händlern. Falls die Kunden allerdings erst am 30. April merken, dass der Bildschirm dunkel bleibt und die Fachhändler informieren, seien Engpässe ab dem 1. Mai wohl unvermeidbar.
Im Vergleich zu analogem Fernsehen bietet der digitale Nachfolger erhebliche Vorteile: "Die Übertragungsrate ist eine viel höhere", sagt Wundrak. "Mehr Signale bedeuten eine bessere Bildqualität und eine größere Senderanzahl", so der Techniker. "Außerdem war analoges Fernsehen viel anfälliger gegenüber der Witterung", sagt Achim Fritsch. Stört ein Unwetter den Empfang, gibt es ein verrieseltes Bild - wie Schnee auf der Mattscheibe. Digitales TV funktioniert entweder oder es funktioniert gar nicht. Grauzonen gibt es nicht. Statt Schneegestöber im Bild fällt beim digitalen Empfang das Bild gleich komplett aus. "Das muss dann aber schon ein heftiges Gewitter sein", sagt Fritsch.
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