Musiker der Philharmonie informieren in Herford Passanten über ihre Arbeit und sammeln Unterschriften
Herford. Jeans und Sneakers statt Frack und Lackschuhe, auf dem Haupte ein Käppie mit NWD-Logo drauf – die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie zeigten sich von ihrer lockeren Seite, als sie gestern am Linnenbauerplatz über ihre Arbeit und das Ausmaß ihrer Not informierten und Unterschriften für den Erhalt ihres Orchesters sammelten.
Hartmut Frick, Pauker, geht einen Schritt auf eine Passantin zu: "Wir sind die NWD, kennen Sie uns?" fragt er freundlich. Annegret Niehaus-Bergmann bleibt nur zu gerne stehen. Sie hatte in der Zeitung von der Aktion gelesen und ist extra aus Bünde hergekommen.
Dabei ist die 50-Jährige gar keine Konzertgängerin. "Ich bin hier aus Liebe zur Musik. Das ist ein Stück Kultur, das erhalten werden muss", erklärt sie energisch.
Doch so abwegig ist die Ansprache Fricks gar nicht. "Es gibt auch Leute, die kennen uns gar nicht. Die sagen ,Was? Wir haben ein Orchester?!’", beschreibt Flötist Johannes Heckmair seine Wahrnehmung. Auch deswegen stehen die Musiker hier: Um über ihre Arbeit zu informieren und zu erklären, dass sie mehr machen als nur ein Sinfoniekonzert im Monat. Für sie ist es gar nicht so leicht, die Passanten anzusprechen. Heckmair gesteht: "Es kostet ein bisschen Überwindung."
Philharmonie für Herford unersetzlich
Nach dem Eintrag in die Liste bleiben viele noch einen Moment stehen, um der Musik zuzuhören. Eine von ihnen ist Maria Koch. Die 60-Jährige erinnert sich, wie sie als Kind Konzerte der NWD in der Markthalle gehört hat. "Die Philharmonie ist für Herford unersetzlich. Für jeden Scheiß hat diese Stadt Geld!", bricht es wütend aus ihr hervor.
Klaus Vietor verteilt Infozettel. "Es ist nicht schön für uns, so eine ungewisse Zukunft zu haben. Natürlich denken wir beim Musikmachen nicht darüber nach, aber es ist belastend", sagt der Cellist. Pauker Hartmut Frick beschreibt die derzeitige Stimmung im Orchester dennoch als "verhalten positiv". Die Musiker schöpfen Hoffnung aus der Tatsache, dass alle Politiker den Willen signalisiert haben, das Orchester zu erhalten. "Dennoch wollen wir hier zeigen, dass wir unseren Bildungsauftrag sehr gut erfüllen."
Online-Petition zum Erhalt der Nordwestdeutschen Philharmonie: www.nwd-petition.de
nw-news.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Am heutigen Samstag stehen die Musiker von 10 bis 14 Uhr auf dem Alten Markt. In der nächsten Zeit möchten sie auch in die anderen Städte des Trägervereins gehen – soweit es der Dienstplan zulässt.
"Wollbrink: "Herford ist zwar der Standort, aber die NWD ist
kein Orchester der Stadt Herford." Fast fünf Millionen Euro jährlich müssten vom Steuerzahler für
den Betrieb der NWD aufgebracht werden, davon 2,5 Millionen vom Land NRW, 300000 Euro vom
Landschaftsverband und weitere zwei Millionen von den beteiligten Kommunen. Mit 600000 Euro
liege die Stadt Herford dabei einsam an der Spitze. Ziel sei es, die Beteiligung der Stadt um 300000
Euro zu reduzieren. Die Pläne für die Bildung einer neuen Mitglieder- und Beitragsstruktur
beinhalten außerdem die Umwandlung der Nordwestdeutschen Philharmonie mit ihren etwa 80
Arbeitsplätzen vom eingetragenen Verein in eine gGmbH."
Ich hoffe das Hilft ihnen weiter Frau Müller.
Und ich hoffe das das NWD einen Sponsor findet.