Leser skeptisch, Einzelhändler bangen um Parkraum und Stadt hält sich bedeckt zu Plänen in Mennighüffen
Löhne. Das geplante Fachmarktzentrum in Mennighüffen spaltet: Bei einer Umfrage der Neuen Westfälischen, an der sich 578 Leser beteiligt haben, sprachen sich 48,5 Prozent für den Bau des Marktes aus, 51,5 Prozent sind dagegen. Knapper geht’s nicht. Wir sprachen mit Anliegern, den Planern und der Verwaltung darüber.
KOMMENTAR
Fachmarktzentrum
Genau abwägen
RALF MISCHER
Schneller, höher, weiter. Getreu dieser Devise ist jetzt auch in Mennighüffen die Moderne ausgebrochen. Das geplante Fachmarktzentrum soll das Konsumglück perfekt machen. Sprichwörtlich auf der Strecke könnten dabei aber die Einzelhändler in der Lübbecker Straße bleiben. Sie fürchten, dass die Parkplätze knapp werden und dass Kunden lieber nebenan einkaufen könnten. Ganz von der Hand zu weisen sind diese Befürchtungen aber nicht. Menninghüffen kann eigentlich stolz darauf sein, dass es viele Einzelhändler hat, die eine lange Tradition im Ort haben. Deshalb muss die Politik gerade diese Verkehrsprobleme genau und gründlich abwägen.
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Natürlich ist die Umfrage mit 578 Stimmen nicht repräsentativ. Aber für ein Thema, das nur einen einzelnen Ortsteil betrifft, ist die Beteiligung beachtlich hoch. Mennighüffen ist gespalten.
"Am Ende kommt es darauf an, wie es umgesetzt wird", sagt Ewa Kröger (30), Inhaberin des Blumenhandels an der Lübbecker Straße. Sie findet, dass Mennighüffen schon jetzt gut ist. "Es muss nicht immer ein Einkaufskomplex gebaut werden". Das größte Problem beim Neubau ist für sie die Parkplatzsituation: Kröger fürchtet, dass der Verkehr dichter wird. Das hätte zur Folge, dass womöglich eine Linksabbiegerspur eingeplant werden müsste. Dafür bräuchten die Planer zusätzlichen Platz. Der wäre zwar da – aber ausgerechnet auf dem Randstreifen. Den wollen die Händler behalten. "Die Stellplätze für Kunden direkt vor dem Laden müssen auf jeden Fall bleiben", sagt Eva Kröger.
Karl-Friedrich Koblenz (66) steht dem Fachmarkt zwar grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings hegt auch er die "große Sorge, dass sich der Neubau negativ auf die Parkplatzsituation an der Lübbecker Straße auswirken" wird .
Rosemarie Czunski (70), Inhaberin einer Änderungsschneiderei an der Lübbecker Straße, sieht das genauso. "Meine Kunden beklagen sich schon jetzt oft, dass sie keine Parkplätze finden", sagt sie – und fürchtet, dass sich die Situation durch den wegfallenden Randstreifen noch verschärfen würde.
Das sieht auch Annegret Kritemeyer so. "Wenn der Randstreifen nicht da wäre? Unvorstellbar" , sagt die Inhaberin einer Textilreinigung. Den geplanten Bau eines großen Parkplatzes auf dem jetzigen Edeka-Gelände würde sie zwar begrüßen. Aber nur dann, wenn die Randstreifen bestehen bleiben.
Für die Ängste der Anlieger haben die Planer der Stadtverwaltung noch wenig Gehör. "Letztlich entscheidet der Stadtrat, wie die Sache umgesetzt wird", sagt Baudezernent Wolfgang Helten. Derzeitiger Stand ist, dass der Planungsausschuss die Verwaltung beauftragt hat, einen so genannten "vorhabenbezogenen Bebauungsplan" aufzustellen. Wann die Planungen dafür abgeschlossen sein werden – und wann es die ebenfalls von Ausschuss beschlossene Bürgerversammlung geben wird, dazu kann Helten derzeit noch keine Stellung nehmen. Die Frage, ob es eine Linksabbiegerspur geben wird, ist offenbar auch noch ungeklärt. Noch nicht ausgestaltet ist bis dato auch ein Zeitplan oder sind konkrete Einzelheiten des geplanten Projekts. Der Bebauungsplan werde von einem externen Planungsbüro erarbeitet.
Sven Johanning, Sprecher von Straßen.NRW wird da schon konkreter. Dem Landesbetrieb obliegt die Oberhoheit für Planungen von Landstraßen. "Offiziell liegt uns von der Stadt zwar noch kein Antrag vor", räumt Johanning ein. Außer Frage steht für ihn jedoch, dass die Lübbecker Straße in der Höhe des Edeka eine Linksabbiegerspur braucht, wenn sich die Verkehrsdichte erhöht. "Die Flüssigkeit des Verkehrs und die Sicherheit der Autofahrer müssen gewährt bleiben", so der Verkehrsexperte. Außer Frage steht, dass die Planer für die Linksabbiegerspur Platz brauchen. Platz, den es nur auf den Randstreifen gibt.
Eine mögliche Lösung könnte sein, dass Parkplätze beim Fachmarktzentrum für Schnellparker frei gehalten werden. Mit einer Querungshilfe könnten sie rasch zu den Geschäften an der Lübbecker Straße gelangen.
Zu solchen Fragen möchte sich Hans-Karl Otto nicht äußern. Er ist einer der Bauherrn. Ihm war nur zu entlocken, dass er hofft, "dass der neue Edeka-Neukauf-Markt Ostern 2014 eröffnet wird".