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28.11.2012
Bünde
Standort Ahle nicht gesichert
Bünde bekommt eine Maximalzahl an Eingangsklassen zugewiesen
VON ANNE WEBLER

Bünde. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei der Schulstandort Ahle vorerst sicher. Der Landtag NRW hat gerade beschlossen, dass in Zukunft kleinere Klassen erlaubt sind und Schulen mit weniger Schülern als bisher fortbestehen dürfen. Doch die Gesetzesänderung hat eine Achillesferse.

Die drei Kinder von Sybille Stefener gehen alle in Ahle zur Schule: Sohn Lewin geht in die vierte Klasse, die Zwillinge Ida und Marla in die zweite Klasse. Es sind die einzigen Klassen, die es momentan gibt in Ahle. Denn für dieses Schuljahr und das Schuljahr 2010 /2011 gab es so wenige Anmeldungen, dass keine erste Klasse zustande gekommen ist. Der Landtag NRW hat am 7. November beschlossen, dass ab dem nächsten Schuljahr auch schon mit 15 Schülern eine erste Klasse gebildet werden kann. Bisher waren dazu 18 Schüler nötig. Zudem braucht eine Grundschule nur noch 92 statt bisher 144 Kinder, um bestehen bleiben zu dürfen.

Für Grundschulteilstandorte wie Holsen und Ahle gilt eine Mindestschülerzahl von 46 Schülern. Was sich so vielversprechend anhört, hat einen Haken: In Zukunft wird es eine Obergrenze geben, wie viele erste Klassen in Bünde gebildet werden dürfen: "Die Schulaufsicht, im Fall der Grundschulen der Kreis Herford, schaut sich an, wie viele Kinder in Bünde angemeldet
sind für die erste Klasse", erklärt der Beigeordnete Günther Berg. "Diese Zahl teilt sie durch 23, so viele erste Klassen dürfen insgesamt gebildet werden in Bünde."

Dieses Verfahren ist neu. Bisher habe es keine Obergrenze für die Anzahl der ersten Klassen gegeben. Die Zügigkeit, also wie viele erste Klassen gebildet wurden, habe sich nach dem Raumangebot und den Anmeldezahlen gerichtet. Nun bekommt die Stadt als Schulträger eine Zahl genannt, die sie auf die Grundschulen verteilen muss. "Kleine Klassen sind da von Nachteil", sagt Berg. Man müsse sich fragen, ob es Sinn mache, eine kleine Klasse zu bilden.

Wie viele erste Klassen es in Bünde wird geben dürfen und wie viele auf die jeweilige Grundschule entfallen, ist noch nicht klar. Vergangene Woche sei erst die Anmeldefrist für das Schuljahr 2013/14 abgelaufen. "Wir bekommen die Zahl wahrscheinlich im Dezember oder Januar genannt", erwartet Berg. Nach Information des Schulausschussvorsitzenden Georg Kruthoff werden am Grundschulverbund Holsen-Ahle zwei Klassen zustande kommen, eine mit 16 und eine mit 21 Schülern.Diese Zahlen wollte Berg jedoch nicht bestätigen. Überhaupt möchte er sich zur Zukunft des Schulstandortes Ahle nicht äußern. Berg verweist auf den demografischen Wandel und die sinkenden Schülerzahlen. Die zurückgehenden Schülerzahlen müssten sich im Schulsystem abbilden. Das durchzusetzen, habe das Land jetzt auf die kommunale Ebene verlagert. "Das wird zwar unangenehm werden, aber es ist richtig", sagt Berg.

Der Schulausschussvorsitzende Georg Kruthoff würde die beiden Standorte Holsen und Ahle gerne zusammenlegen - um
Pacht- und Heizkosten zu sparen. Sybille Stefener ist Mitglied der Elternpflegschaft, sie sieht das ganz anders: "Ich finde kleine Schulen mit kleinen Klassen toll." Es gehe sehr familiär zu am Standort Ahle, alle Kinder und Eltern würden sich kennen. Es sei ein tolles Miteinander, auch jahrgangsübergreifend.

Da in Zukunft 92 Schüler reichen, damit eine Schule bestehen bleibt, bleibt die Grundschule Bustedt selbstständig. Mit diesem Status bleibt der Schule die Schulleiterstelle erhalten, die Bettina Wolff momentan kommissarisch besetzt. Die Stelle wurde bereits ausgeschrieben, in der erweiterten Schulkonferenz am 18. Dezember wird Bettina Wolff voraussichtlich zur Schulleiterin gewählt. "Die Gesetzesänderung hat uns im rechten Augenblick erreicht", sagt Bettina Wolff.
 

Elegant abgewälzt

KOMMENTAR VON GERALD DUNKEL
       Die Parallelen zum "Kanal-Tüv" sind bei der Umsetzung des Gesetzes zur Stärkung der Grundschulen nur allzu deutlich. Als sich Hauseigentümer und Kommunalverwaltungen gegen die Dichtheitsprüfung auflehnten, machte man in Düsseldorf eine Kehrtwende, ohne sich tatsächlich davon abzuwenden. Die Kommunen sollen in Teilen entscheiden, wer wann seinen Kanalanschluss zu überprüfen hat. So hat man für künftige Proteste von Hauseigentümern die Städte und Gemeinden als Adressaten geliefert. Ähnlich sieht es jetzt mit dem Gesetz zur Stärkung der Grundschulen aus.

Die Freude im Schulausschuss und bei vielen Eltern war im Frühjahr groß, als der Plan zur Gesetzesänderung in NRW bekannt wurde, auch kleinere Grundschulen selbstständig bestehen zu lassen. Jetzt gibt es eine Grenze bei der Klassenzahl und die Kommune trifft die Schuld, wenn eine kleine Schule doch geschlossen wird.
Gerald.Dunkel@ihr-kommentar.de
      



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