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17.11.2012
Bad Driburg
Vielschichtiges Legenden-Porträt
Landestheater Detmold führt Theaterstück "Marlene" auf

Der Showstar | FOTO: MAIK PIEPER

Bad Driburg (mp). Mit ihrer Rolle als Sängerin Lola im Film "Der blaue Engel" gelang Marlene Dietrich 1930 der Durchbruch. Mit rauchig-erotischer Stimme, glamouröser Aura und großem Perfektionismus eroberte sie als Schauspielerin und Sängerin die Bühnen der Welt.

Doch die im heutigen Berliner Ortsteil Schöneberg geborene Künstlerin hatte auch eine andere Seite. Immer wieder prägten auch Momente der Unsicherheit und Verletzbarkeit ihr Leben. Die englische Autorin Pam Gems hat diesen reizvollen Kontrast im Stück "Marlene" aufgegriffen. Am Donnerstag wurde es vom Landestheater Detmold unter der Regie von Manfred Ohnoutka im Städtischen Gymnasium Bad Driburg aufgeführt.
Marlene Dietrich, gespielt von Gaby Blum, geboren in Hamburg und seit 1998 Ensemble-Mitglied, gibt eines ihrer letzten Konzerte in Paris. Im Theater empfängt sie ihre Assistentin Vivian Hoffmann (Lydia Vogt), eine junge Schriftstellerin und Freundin. Im Gespräch in der Garderobe lässt Dietrich ihr Leben Revue passieren. Mit Ironie und Wehmut erinnert sie sich an Erfolge, Enttäuschungen, vergangenes Glück und verflossene Liebhaber.


Daneben probt die Künstlerin fleißig für ihren späteren Auftritt. Das anschließende Konzert wird zu einem einzigen Triumph. Marlene Dietrich singt überzeugend, liefert eine perfekt choreographierte Show ab und zieht das Publikum vollständig in ihren Bann.
Mit dem Stück "Marlene" gelang dem Landestheater Detmold der überzeugende Spagat zwischen Hommage und Psychogramm. Mit Songs wie "Illusions" oder "Bitte geh nicht fort" und einer dem Original ebenbürtigen Bühnenpräsenz hauchte Hauptdarstellerin Gaby Blum dem Mythos Marlene Dietrich neues Leben ein. Wenn sie sich in der Garderobe an große Auftritte und die Zusammentreffen mit Prominenten erinnerte, geriet sie ins Schwärmen. Mit Ernest Hemingway verbrachte sie eine "tolle Zeit" und lief mit ihm den Champs-Élysées in Paris entlang. In diesen Momenten kamen Dankbarkeit und Lebensfreude zum Ausdruck.

Innerhalb weniger Sekunden konnte Marlene Dietrich jedoch zur launischen und aufbrausenden Diva werden. Als sie von Vivian auf einen Auftritt in Ostberlin angesprochen wurde, verwüstete sie ihren Schminktisch. Wegen ihres politischen Engagements gegen das NS-Regime als "Vaterlandverräterin" diffamiert, hinterließ das schwierige Verhältnis zu ihrem Heimatland offenbar tiefe Verbitterung.
Energisch verlangte sie nach Bier oder Champagner. Angewidert von den "dreckigen, syphilitischen Garderoben" griff sie selbst zum Putzlappen. Als sie bei der Probe eines Songs ganze Textpassagen vergaß, brach sie verzweifelt zusammen. Diese Aussetzer im Zusammenspiel mit qualvollen Beinschmerzen zeigten eine zutiefst verunsicherte Künstlerin.

Mehrfach äußerte sie den Satz "Ich gehe da nicht raus". Beim Blick in den Spiegel fragte sie sich selbst "Wer bist du denn?". Der Mensch Dietrich schien phasenweise unter der Last der perfekten Kunstfigur zu zerbrechen. Die wahren Gefühle wurden den Gespielten untergeordnet. Marlene Dietrichs Perfektionismus verlangte ein Leben lang seinen Tribut.lässt nichts dem Zufall und übt jede Geste bis zur Perfektion ein.



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