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23.11.2012
Bad Driburg/Bielefeld
Schön sein stärkt die Selbstheilungskräfte
Krebskranke Mädchen können sich in der Klinik von einer Kosmetikerin schminken lassen

Theresa aus Bad Driburg | FOTOS: REINHARD ELBRACHT

Bad Driburg/Bielefeld (nw). Theresa wird geschminkt. Würde der Termin nicht auf der Krebsstation der Kinderklinik Bethel stattfinden, könnte die junge Frau auch ein Model bei einem Fotoshooting sein. Denn Theresa ist hübsch – auch ohne Haare. Das Schöne in ihrem Gesicht noch stärker zu unterstreichen, das ist die Aufgabe von Nuran Erdem. "Eigentlich müsstest du nach dem Schminken ausgehen, damit Dich alle sehen", rät die Kosmetikerin und zwinkert der 16-jährigen Bad Driburgerin freundschaftlich zu.

Das Aussehen ist Theresa wichtig. "Als sie in die Klinik kam, sah sie ein bisschen aus wie ein Punk. Die Haare waren rosa mit hellblond gefärbt", erinnert sich Oberarzt Dr. Norbert Jorch mit einem Schmunzeln. Danach habe es eine grüne Phase gegeben – und dann waren die Haare weg. Sie fallen während der Krebsbehandlung aus. "Es ist erwiesen, dass Faktoren wie die Befindlichkeit Auswirkungen auf die Therapie haben. Wenn wir merken, dass das Aussehen ein heikler Punkt ist, bieten wir den jungen Frauen einen Schminkkurs an", erläutert Dr. Jorch.

Positive Gefühle sorgen für ein besseres Selbstwertgefühl und stärken die Selbstheilungskräfte. Davon ist auch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) überzeugt. Seit 1995 schenkt sie Frauen mit Krebs Schminkseminare. Als die Musiktherapeutin der Kinderklinik, Anna Bergemann-Siegmund, davon hörte, fand sie die Idee großartig. "Das brauchen wir auch für unsere Jugendlichen." Sie organisierte Unterstützer und machte sie sich auf die Suche nach einer Kosmetikerin, die Spaß an dem Projekt haben könnte.

"Jemanden zu finden ist nicht so einfach", sagt Anna Bergemann-Siegmund. "Die Jugendlichen sind sehr krank. Ob es ihnen zum verabredeten Termin gut genug für den Schminkkurs geht, ist nie vorauszusehen. Manchmal müssen wir kurzfristig absagen", so die Musiktherapeutin. Darauf müsse sich erst einmal jemand einlassen. Die Kosmetikerin Nuran Erdem hat es getan und findet die Aufgabe in der Kinder- und Jugendklinik Bethel sinnvoll.

"Auch für mich eine wunderbare Sache"

Nuran Erdem hat ein eigenes Kosmetikstudio in Bielefeld. Sie hat Erfahrung im Umgang mit krebskranken Frauen. Viele Betroffene kommen zu ihr, bevor sie in die Klinik gehen. Sie lassen sich unter anderem die Augenbrauen durch ein Permanent-Make-Up nachziehen. Das hält ein paar Jahre und sieht natürlich aus.

Die Jugendlichen in der Bethel-Klinik bekommen kein Permanent-Make-Up, sondern werden herkömmlich mit Cremes und Puder geschminkt. "Wenn sie toll aussehen und sich darüber freuen, dann ist das auch für mich eine wunderbare Sache", sagt die 37-jährige Fachfrau.

Damit Theresa das Schminken genießen kann, wurde ihr Bett vom Krankenzimmer in die Ergotherapie geschoben. Dort ist es bunt, gemütlich und wenig "klinisch". Während sie sich von Nuran Erdem verwöhnen lässt, stellt sie viele Fragen. Es geht um Eyeliner, Kajal, Puder, Rouge und Lippenstift. Die Make-up-Expertin gibt Tipps, und Theresa ist begeistert. "Ich trage dir jetzt etwas Lidschatten auf. Die helle Farbe kommt auf das bewegliche Augenlid. Da wo es aufhört, ziehe ich einen Strich, wie eine Banane." Theresa blinzelt mit einem Auge, um sich alles im Handspiegel genau anzuschauen.

Gegenüber der Ergotherapie in der Elternküche haben sich vier Menschen eingefunden, um sich das Schminkergebnis anzuschauen: Theresas Mutter, der Oberarzt, die Musiktherapeutin und Andreas Tilly von der Elterninitiative krebskranker Kinder "Hand an Hand".

Die Elterninitiative unterstützt das Projekt, zum Teil auch finanziell. "Uns ist wichtig, den Mädels zu zeigen, ihr seid schön – auch ohne Haare." Theresa fühlt sich gut, und ihre Augen leuchten. "Das Schminkprojekt ist großartig", ist Andreas Tilly überzeugt. "Darum geht es doch, um ein strahlendes Gesicht."



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