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22.11.2012
Brakel
Mutig gegen Cyber-Mobbing
Junge Frau aus Brakel berichtet von der schweren Zeit, als sie übers Internet fertiggemacht wurde
VON HUBERTUS GÄRTNER

Hat sich gewehrt | FOTO: DREWES

Brakel. Mobbing im Internet ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Etwa ein Drittel der Jugendlichen berichtet bereits über "negative Erfahrungen". Oftmals wissen oder ahnen Eltern nicht einmal, dass ihre Kinder in sozialen Netzwerken beschimpft, beleidigt, bedroht oder sexuell bedrängt werden. Häufig schweigen die Opfer lange Zeit aus Scham, Hilflosigkeit und der diffusen Angst, dass sonst alles noch schlimmer werden könnte. Am Ende können Verzweiflung und Krankheit stehen, auch Suizide wegen "Cyber-Mobbings" hat es schon gegeben.

Info
Beratung

Etliche Initiativen halten im Internet Informationen für Eltern und Kinder zum Thema Cyber-Mobbing bereit.


Nur ganz selten hat ein junger Mensch den Mut, gegen das Mobbing vorzugehen und öffentlich über das Erlebte zu sprechen. Bianca K. ist so ein mutiger Mensch. Anlässlich eines Aktionstages zum Thema "Sicheres Netz" an der Geschwister-Scholl-Hauptschule in Brakel (Kreis Höxter) hat die 17-Jährige vor großem Publikum in beeindruckender Weise über ihren Fall berichtet und dafür viel Anerkennung und Applaus bekommen.

"Ich kann anderen betroffenen Schülern helfen. Ich will Stärke zeigen und ihnen dadurch Mut machen. Es gibt Mittel und Wege, aus einer solchen Mobbing-Situation wieder herauszukommen", sagt Bianca K., die heute ihr Selbstbewusstsein zurückgewonnen hat und kurz vor dem Fachabitur steht.

Ausgeliefert | FOTO: DPA

Vor zwei Jahren ging es ihr viel schlechter. Damals besuchte sie eine Gesamtschule in der Nähe von Frankfurt. Wie sich später herausstellte, richtete eine Klassenkameradin, die offensichtlich wegen eines Jungen eifersüchtig war, in den Sommerferien auf Bianca K.s Namen einen Account beim Netzwerk Schüler-VZ ein. Anschließend wurden dort über das junge Mädchen massenhaft übelste Nachrichten und Verleumdungen verbreitet. "Alle wussten es, aber niemand hat etwas gesagt. Ich habe einige Wochen keine Ahnung gehabt", sagt Bianca K.

Als sie von einer Freundin schließlich doch auf die Verleumdungen aufmerksam gemacht wurde, war sie am Boden zerstört. "Eine solche Erfahrung wünsche ich niemandem. Ich fühlte mich wie ein Schauspieler, der plötzlich unfreiwillig eine Außenseiterrolle spielen muss."

"Ich hatte keinen Hunger und sah nur die Wand an"

Aber Bianca K. blieb nicht allein mit dieser Rolle, sondern suchte sich Hilfe bei ihrem Vertrauenslehrer und den Eltern. Die gingen gemeinsam mit ihr zur Polizei. Eine Strafanzeige wurde erstattet, die aber letztlich zu nichts geführt habe. Als die Anzeige an der Schule publik wurde, "reagierten einige Mitschüler weiter mit Anfeindungen", erzählt Bianca K. Der Account wurde zwar gelöscht, aber auch danach "saß ich oft in meinem Zimmer, hatte keinen Hunger und sah nur die Wand an". Bianca wechselte an der Schule die Klasse. Zusammen mit ihren Eltern kämpfte sie weiter. Gegen zwei Verursacherinnen der Mobbing-Kampagne wurde Zivilklage eingereicht. Ein Jahr später, im August 2011, habe ihr ein Richter dann eine dreistellige Schmerzensgeldsumme zugesprochen.

Der Mut von Bianca K. sei "bewundernswert", sie sei "eine Botschafterin", sagte Markus Wortmann, Kriminalbeamter und Vorstandsvorsitzender des Vereins "Sicheres Netz", der den Aktionstag an der Brakeler Hauptschule mitveranstaltet hat. Eltern, Lehrer und Erzieher müssten "fit für den Umgang mit dem Computer gemacht werden", nur dann könnten sie ihre Kinder vor Mobbingversuchen im Internet schützen, forderte Wortmann.

Der ehemalige Kriminaloberrat und Vorsitzende der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Hessen, Horst Cerny, kündigte während der Veranstaltung in Brakel eine Initiative auf Bundesebene an, um Internet-Mobbing zukünftig zu einem Straftatbestand zu machen, wie es bereits beim sogenannten Stalking geschehen ist.

Kommentare
@ me: Ich bin gerade auch etwas fassungslos über unsere Rechtsprechung. WIe wärs mal mit 100 Sozialstunden zusätzlich o.ä. Bei so einer Kuschel Rechtsprechung macht es doch schon fast Spaß, schlimme DInge zu tun

Eine "dreistellige" Schmerzensgeldsumme. Mehr nicht?


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