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10.11.2012
Höxter
Im CDU-Kreisverband Höxter tobt eine Schlammschlacht
Harte Bandagen vor der Abstimmung über den künftige Bundestagskandidaten
VON HUBERTUS GÄRTNER

Das Dokument

Höxter. Politik, so heißt es oft, sei ein schmutziges Geschäft. Im Kreis Höxter, einer Hochburg der CDU, wird in diesen Tagen der Beweis für die These angetreten. Hier herrscht Hauen und Stechen.

Der Unternehmer Christian Fachin (37) aus Brakel im Kreis Höxter ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Selbst mit den Alpha-Tieren in seiner Partei hat sich der aufstrebende Christdemokrat bereits angelegt. So schrieb Fachin im Mai nach der Niederlage der CDU bei der NRW-Landtagswahl einen geharnischten Brief an den damaligen Generalsekretär Oliver Wittke und forderte "ernsthafte personelle Konsequenzen".

Nun aber könnte das Pendel zurückschlagen. Denn im CDU-Stadtverband Höxter, wo Fachin der Schatzmeister ist, tobt eine Schlammschlacht.

Kandidat

Anlass ist die Wahl des künftigen CDU-Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Höxter/Lippe II. Sie soll am Dienstag in Nieheim über die Bühne gehen. Der Kandidat Christian Fachin hat dazu seinen Hut in den Ring geworfen. Er will nach Berlin und kandidiert gegen den Beverunger Bürgermeister Christian Haase (46) sowie die beiden lokalen CDU-Politiker Bertwin Kühlmann (52) aus Bad Driburg und Markus Bodemann (41) aus Warburg.

Nach lokalen Umfragen schien alles auf einen Zweikampf Fachin kontra Haase hinauszulaufen. Doch seit ein paar Tagen, sagt Fachin, "sieht es für mich nicht mehr so gut aus". "Parteifreunde haben mich unseriös attackiert", sagt er. Für das, was wirklich passiert ist, erscheint das wie eine Beschönigung. Denn gegen Fachin wurde am 2. November eine Strafanzeige wegen "Wählerbestechung" bei der Staatsanwaltschaft Paderborn erstattet.

Die Anzeige, die dieser Zeitung vorliegt, stammt vom Vorsitzenden der CDU-Ortsunion Bosseborn, Waldemar Tebbe – und der ist im Hauptberuf in Höxter Polizist. Tebbe wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Einem E-Mail-Verkehr ist aber zu entnehmen, dass er den Kandidaten Fachin für verdächtig hält, "Wählerstimmen gekauft" zu haben. Fachin solle zahlreiche Mitglieder neu geworben und ihnen "als Gegenleistung" den Jahresbeitrag für die CDU-Mitgliedschaft "in bar bezahlt" haben, schrieb Tebbe an die CDU-Stadtverbände Beverungen, Bad Driburg und Warburg sowie an den CDU-Kreisverband Höxter.

Fachin selbst weist den Vorwurf empört zurück. Zwar habe er in den letzten sechs Wochen 90 neue Mitglieder für die Partei geworben, aber nur dreien davon die Mitgliedsbeiträge bezahlt. Diese Personen seien finanziell bedürftig und gehörten zu seinem privaten Umfeld. Fachin spricht von einer gegen ihn gerichteten Kampagne.

Kandidat

Die Angelegenheit war schon ziemlich weit gediehen. Der Kriminalhauptkommissar (Anzeigenerstatter) Tebbe hatte sich bereits mit der Staatsanwaltschaft in Paderborn beraten. Die Staatsanwaltschaft, so schrieb Tebbe in einem Aktenvermerk vom 7. November, habe "folgende Verfahrensweise" angeordnet: Der Beschuldigte sei noch vor der Wahl "vorzuladen und zu vernehmen". Sollte er den Tatvorwurf in Abrede stellen, "sind die neugeworbenen Mitglieder zu vernehmen". "Gegebenenfalls wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung der Geschäftsstelle der CDU des Kreises Höxter vorgenommen" – mit diesen Worten endet der Vermerk. Freitagvormittag bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft die Strafanzeige. Sie sei noch ganz frisch und werde "geprüft". Nur kurze Zeit später teilte die Behörde Fachins Rechtsanwalt Wolfgang Koppi jedoch mit, von Ermittlungen sei "mangels Anfangsverdachts abgesehen" worden.

Die Angelegenheit sei "parteischädlich", sagte Fachins Hauptkonkurrent um das Bundestagsmandat, Christian Haase, auf Anfrage. Er führt nach dem Tod des Bundestagsabgeordneten Jürgen Herrmann derzeit kommissarisch den CDU-Kreisverband Höxter.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Bei diesen Rangeleien in der Region Höxter,
wünsche ich,
dass die anderen Parteien sich endlich zusammenraffen und
eine gemeinsamen - eventuell sogar Parteineutralen - als Gegenkandidat zu dem nun auserkoren CDU-Kandidaten aufstellen.


Eine kluge Wahl - bei der Erststimme - kann dann sogar im tiefschwarzen Höxter verhindern das der CDU Mann überhaupt in den Bundestag kommen kann.

Also liebe Wähler
überlegt demnächst ganz genau
wo Ihr bei der sogenannte Erststimme
Euer Kreuz setzt.

Solche Querelen verstärken doch vor allem das Misstrauen der meisten Wähler in die repräsentative Demokratie! Macht weiter so!

Das Traurige ist doch: egal, welchen Kandidaten sich die CDU zusammenkungelt ... bei der Direktwahl für den Bundestag gibt es im Wahlkreis sowieso keine Konkurrenz.

Herrlich.Gleich ist 11.11 Uhr.Dann können die Herren Politiker zusammen schunkeln...............oder ist der Bericht ernstzunehmen? ;-)

[Satire an]

Wie aus gewöhnlichen gut unterrichteten Kreisen am Sonntag (11.11.2012) bekannt wurde, wird der WDR bereits Anfang 2013 eine Ausgabe des "Tatort" in Höxter und Umgebung produzieren. Der genaue Sendetermin stehe noch nicht fest, wird aber im März/April liegen, so eine WDR-Sprecherin.

Von der Produktionsfirma "agh" (Action goes Hollywood) in Düren war zu erfahren, dass der Arbeitstitel erstmalig unverändert zum Sendetitel läuft. Auf den ersten Vorentwürfen zum endgültigen Drehbuch prangt deshalb schon jetzt in großen, fetten Buchstaben "Schlammschlacht".

Die Pressesprecherin von "agh" wollte und darf natürlich zu Einzelheiten keine genaue Auskunft geben. Ihr war lediglich eine grobe Umschreibung zu entlocken. So soll es in dem sehr aktionsgeladenen Krimi darum gehen, wie sich zwei Politiker ein und derselben Partei eine Schlammschlacht um die Gunst von Wählerstimmen leisten. Das besondere sei hierbei, so die Sprecherin, dass es keiner weiteren Partei bedarf, sondern nur dieser einen. Wohin diese Schlacht führt und welche Folgen sie hat, ließ die Sprecherin ebenso offen, wie Fragen zur personellen Besetzung der Rollen.

Alles in allem scheint "Tatort - Schlammschlacht" ein verdammt spannender Streifen zu werden. Darauf darf die Region schon jetzt gespannt sein!

[Satire aus]



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