Schrift

27.11.2012
Höxter
Magische Märchenstunde
Talentierter Nachwuchs singt Schneewittchen als Musical
VON SEBASTIAN BEUG

Am Wickel | FOTO: SEBASTIAN BEUG

Höxter. Ein weißer Spiegel an einem mannshohen Schrank. Sterile Säulen. Bläuliche Bühnenbeleuchtung. Kühl. Kalt. Keinesfalls charismatisch ist jene Frau, die das berühmte "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" fragt. Sie ist Schneewittchens Stiefmutter und Königin.

Fünf junge Gesangstalente begeisterten die noch jüngeren Zuschauer am Sonntag in der Stadthalle Höxter mit dem weltbekannten Märchen - als Kindermusical. Das Nesthäkchen der Truppe ist 18, die älteste Darstellerin 30 Jahre jung. Sie lernen oder lernten auf den Schauspielschulen der Republik und sammelten bereits bundesweit Bühnenerfahrung. Mit dem Musical Schneewittchen singen sie ein verzauberndes Stück, dessen Verlauf leicht von der Grimmschen Version abweicht. Das Liberi-Theater aus Bochum veranstaltet die Musicals. "Es hat einen gewissen Anspruch", sagt Andrea Peters. "Wir wollen Kinder fordern und fördern", fügt die Produktionsassistentin hinzu.

Der Spiegel verrät, dass Schneewittchen noch lebt

Zumindest eine forderte bereits im Prolog: die böse Königin. Herrisch befiehlt sie ihren zwei Hofdamen, den Spiegel zu bringen. Zu einem leichten Samba-Rhythmus singt sie. "Ich bin noch schöner als schön." Dann richtet sich die schlanke, hochgeschlossen gekleidete Dame an das Publikum: "Setzt auf eure Schönheit, arbeitet an euch, macht euch vollkommen".

Ihre Stieftochter Schneewittchen bleibt nach dem Abtritt der Königin allein zurück. Verstört. Das Haar trägt sie - im Gegensatz zur Königin und den Hofdamen - offen. Sie spricht einen Monolog: "Schön - ich weiß nicht, warum alle da so einen Wind drum machen. Ich will einfach ich sein." Schneewittchen sucht Selbstvertrauen. Plötzlich taucht ein unbekannter Mann im grauen Dreiteiler auf. Er trägt ein Geschenk unter dem Arm. Es ist der Prinz Kai, der von "Palast zu Palast reist, um sich als heiratswilligen Thronfolger anzubieten." Schneewittchen und er nähern sich singend an. Er bemüht vergeblich Metaphern und Vergleiche, um Schneewittchens Schönheit zu beschreiben. Der Beschriebenen ist das zuwider.

Getrennt werden die beiden von der bösen Königin. Zunächst schickt sie Schneewittchen in die Wäscherei, dann zwingt sie den Prinzen zu einem Kompliment. Als dieser sie lediglich als "begeisternd" deklassiert, schmeißt die Königin ihn in einem manischen Wutanfall raus. Der Spiegel soll nun ihre Selbstsucht befriedigen. Diesmal entgegnet der Spiegel jedoch, dass Schneewittchen tausend Mal schöner ist. Die Königin veranlasst ihren Jäger, Schneewittchen im Wald zu töten. Das Bühnenbild ändert sich. Fasziniert sind die kleinen Zuschauer vom Umbau. Aus Torbogen und Säulen werden Bäume, aus dem sterilen Schloss ein wunderbarer Wald. Doch leuchtet blaues Licht. Es ist dunkel und der Jäger setzt Schneewittchen aus. Er führt den Mordplan nicht aus.

Die junge Frau erreicht das Haus der Zwerge. Sie lernt Tobi und Paul kennen. Diese werden von den Darstellerinnen der Hofdamen verkörpert. Die restlichen fünf Zwerge laufen - raffiniert vereinfacht - in einem Schattenspiel hinter dem großflächigen Hausfenster her. "Faul ist toll" - singen Tobi, Paul und Schneewittchen, die zunächst einstimmt, dann jedoch als Haushälterin der Zwerge arbeitet. Auch den beiden kleinwüchsigen Nichtsnutzen reicht sie Besen und Kehrer.

Ihr Spiegel verrät der selbstsüchtigen Königin, dass Schneewittchen noch lebt. Als alte Witwe verkleidet, sucht sie ihre Stieftochter im Wald auf und bietet ihr einen vergifteten Apfel an. Schneewittchen beißt zu, glaubend, dass die Frucht ein Wunschapfel ist. Den Prinzen Kai zu treffen, das wünscht sie, bevor sie in einen todesähnlichen Schlaf fällt.

Prinz Kai ist stets auf der Suche nach ihr. Doch die tollpatschigen Zwerge, die die Kinder begeisterten, halten den jungen Mann ungewollt auf: Sie verwickeln ihn in Sprachverwirrungen, treffen ihn versehentlich mit einem Ast am Kopf. Der Prinz verliert das Bewusstsein. Als er ins Leben zurückkehrt, küsst er auch Schneewittchen in das ihrige zurück. Diese intime Szene verschleiern die Macher als Schattenspiel. Abschließend singen die Verliebten ein Duett.

Das Schneewittchen des Liberi-Theaters ist ein Kindermusical, das die Geschichte auf die nötigsten Personen und Symbole reduziert und sich nicht in langatmiger Belehrung verliert. Diese frische Inszenierung hätte mehr als nur eine halb besetzte Stadthalle verdient gehabt.


Weitere Nachrichten aus Höxter
Kreis Höxter
Zehn Leitlinien fürs Kulturland
Kreis Höxter. Mit einer Zehn-Punkte-Agenda geht die CDU im Kreis Höxter in die heiße Phase des Wahlkampfes. Die kommunalpolitischen Leitlinien bis 2020 stehen unter der Überschrift "Gut arbeiten - gut... mehr

Stahle
Aktiver Senior mit vielen Interessen
Stahle (nw). Josef Borgolte aus Stahle vollendet an diesem Mittwoch, 23. April, sein 95. Lebensjahr. In seinem Heimatort ist er der einzige Mann in diesem Alter... mehr

Beverungen/Kreis Höxter
Karl der Große begrüßt die Weserflotte
Beverungen/Kreis Höxter (nw). "Leinen los" heißt es am Samstag, 26, April auf der Weser im Kreis Höxter. Dann eröffnet die "Flotte Weser" die neue Saison und lädt dazu ein... mehr

Höxter
Abtanzen bis zum Ostermorgen
Höxter. "Auf Go-Parc-on-Tour ist die Party immer gut", sagt Phillip Müller (16) aus Höxter. Er ist mit seinem Freund Marco Antonio (21) aus Lütmarsen auf der Feier... mehr




Anzeige

Anzeige
Fotos aus Kreis Höxter
Ferkeltransporter kippt um
Ferkeltransporter kippt um
Go-Parc-on-Tour in der Stadthalle
Go-Parc-on-Tour in der Stadthalle
Ostereiermarkt in Bödexen
Ostereiermarkt in Bödexen
TuS-Damen steigen auf
TuS-Damen steigen auf
Volksläufe in Bellersen und Kollerbeck
Volksläufe in Bellersen und Kollerbeck
Höxeraner Frühling
Höxeraner Frühling


Anzeige
Anzeige
Videos
Anzeige
Anzeige
Lokalsport Höxter
Höxter: Herford eine Nummer zu groß
Höxter. Eigentlich sollte dieses Mal alles anders laufen. Höxters Trainer Andreas Wegener war im Vorfeld des Duells mit dem SC Herford trotz einer 0:7... mehr

Stahle: FC PEL sammelt wichtige Punkte
Stahle. Einen ganz wichtigen Auswärtssieg landete der FC PEL beim Tabellenschlusslicht FC Stahle. In einer verkrampften Partie gewann PEL das... mehr

Der Etat steht erst im Sommer fest
VON JULIA RADTKE Bad Driburg. Am Sonntag gelang dem TuS Bad Driburg der größte Erfolg der Vereinsgeschichte: Das Tischtennis-Team um Spitzenspielerin... mehr

Brakeler siegen zum Saisonauftakt
Brakel. Zum Saisonauftakt der Norddeutschen Inlinehockeyliga können die Herren des TV Brakel Blitze zwei Siege verbuchen. Gegen Neuling Engelbostel... mehr

SVD sieht noch Chancen
Dringenberg. Wahre Leidenschaft, das ist das Leitthema des SV Dringenberg. Mit Leidenschaft kämpften sich die Dringenberger Spieler am Sonntag im... mehr


Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik