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28.11.2012
Höxter
Brandschutz ohne Garantie
Nach der Feuerkatastrophe von Titisee machen sich heimische Behinderten-Einrichtungen Gedanken
VON FELIX EISELE

Verstärkte Maßnahmen | ARCHIVFOTO: SILKE RIETHMÜLLER

Höxter. Nach der verheerenden Brandkatastrophe im badischen Titisee am Montag sitzt der Schock tief. Die Anteilnahme für die 14 Opfer der Explosion in einer Behindertenwerkstatt ist überwältigend. Während aber die Brand-Ursachen noch immer ungeklärt sind, machen sich die Behinderten-Einrichtungen in Höxter derweil ihre eigenen Gedanken zum Unglück und zu geeigneten Brandschutzmaßnahmen.

Im Integrationsbetrieb für Behinderte (Integ) in Bad Driburg herrscht Betroffenheit. "Fürchterlich" ist das Wort, das Bettina Giese-Walhöfer als Erstes über die Lippen kommt, wenn sie an die Brandkatastrophe in Baden-Württemberg denkt.

Vielen Menschen dürfte die Marketing-Verantwortliche der Integ GmbH damit aus der Seele sprechen. Dass es sich bei den Opfern der Tragödie um Menschen handelt, die in der Regel wehrlos und auf Hilfe angewiesen sind, verstärkt die öffentliche Trauer spürbar.

Ob Menschen mit Behinderung aber spezieller Maßnahmen in Sachen Brandschutz bedürfen, ist fraglich. Bei Integ jedenfalls hat man vorgesorgt. "Unsere Gebäudestrukturen haben kaum verwinkelte oder unübersichtliche Räume", sagt Bettina Giese-Walhöfer. "Zudem befindet sich die überwiegende Anzahl der Arbeitsplätze in eingeschossigen Gebäuden mit ausreichend Fluchtmöglichkeiten."

Rauchabzugsanlagen in allen dafür erforderlichen Gebäudeteilen verstärken darüber hinaus den Brandschutz, auch die Sicherheitstechnik steht in permanenter Betrachtung des Firmeneigenen Brandschutzbeauftragten. Dennoch habe man im Zuge des Neubaus noch einmal nachgerüstet. "Es wurde eine weitere Brandmeldeanlage installiert sowie ein explosionsgeschütztes Gefahrstofflager errichtet", sagt Giese-Walhöfer.

Die Hilflosigkeit mancher Menschen mit Behinderung aber haben auch diese Maßnahmen nicht im Blick. In Zukunft will man die Vorkehrungen bei Integ daher erweitern: "Ein deutlich höheres Augenmerk wird man auf Evakuierungs- und Notfallübungen legen müssen."

Bestürzt zeigt man sich auch in den Werkstätten Am Grünenberg. Es falle schwer, ob der schrecklichen Tragödie klare Worte zu finden, heißt es aus der Einrichtung der Lebenshilfe: "Es fühlt sich an, als habe es einen Familienangehörigen getroffen." Die Vorstellung von orientierungslosen Menschen in einer Feuersbrunst mache schwer betroffen. "Vor so einer Situation möchte niemand stehen."

Wie es zu dem Verlust so vieler Menschenleben kommen konnte, darüber zerbricht man sich auch bei der Lebenshilfe den Kopf. Schließlich sei das Gebäude erst wenige Jahre alt und entspreche aktuellen Brandschutzbestimmungen – ebenso, wie die heimische Werkstatt. "Wir unterliegen dem Arbeitsschutz", sagt Werkstattleiter Matthias Daniel. Vierteljährlich werde eine Betriebsbegehung durchgeführt, bei der auch der Brandschutz überprüft werde.

Und der fällt durchaus umfangreich aus. Für die verschiedenen Bereiche etwa gebe es Brandschutzpläne, sagt Daniel. Wenn beispielsweise in einem Bereich ein Feuer ausbricht, wird dafür Sorge getragen, dass es sich nicht ausbreitet. Des Weiteren habe man Evakuierungspläne. "Dadurch soll vermieden werden, dass alle kopflos durch die Gegend rennen und die Löscharbeiten behindern", erklärt der Werkstattleiter. Zusätzlich hat die Lebenshilfe eigene Brandschutzhelfer ausgebildet. "Bei allen Vorkehrungen gilt der Grundsatz, dass die Menschenrettung oberste Priorität hat", so Matthias Daniel.

In diese Maxime passen auch die jährlichen Feuerschutzübungen. Schon allein wegen der sich ändernden Belegschaft in den Werkstätten seien diese zwingend notwendig, sagt Daniel mit Blick auf die jährlich wechselnden Freiwilligen Helfer.

Und dennoch: Vollständig auszuschließen ist eine Brandkatastrophe wie in Titisee nicht – allen Maßnahmen und Vorkehrungen zum Trotz. Denkbar, so heißt es bei der Lebenshilfe, sei der Ausbruch eines Feuers schließlich überall. "Wichtig ist nun die Klärung der Brandursache", sagt Matthias Daniel.


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