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22.11.2011
BAD DRIBURG
Gutachterstreit um Rennstrecke am Bilster Berg
Lärmgutachten sorgt für Ärger im Kreis Höxter
VON JOSEF KÖHNE UND JENS MÖLLER

Messbar | FOTO: ARCHIV/JOSEF KÖHNE

Bad Driburg. Mit Zweifeln an dem von der Betreibergesellschaft vorgelegten Schallgutachten hat das Verwaltungsgericht Minden den vorläufigen Betriebsstopp für die Autoteststrecke am Bilster Berg in Bad Driburg (Kreis Höxter) begründet (die NW berichtete). Zuvor hatte der vom Umweltschutzbund BUND beauftragte TÜV Nord das Gutachten des Berliner Professors Edelbert Schaffert kritisiert. Schaffert verteidigt seine Expertise. Die Bauarbeiten am 34 Millionen Euro teuren Projekt gehen indes weiter.

Das Gericht kritisierte unter anderem, dass in der Betriebsgenehmigung des Kreises für die Teststrecke zu wenig Betriebsarten stünden. Diese hätten für das Lärmaufkommen jedoch keinerlei Bedeutung, sagt Schaffert auf Anfrage der NW. "Eine solche Wertung ist in etwa so, als dürften auf einer Strecke, auf der die Geschwindigkeit auf Tempo 30 begrenzt ist, nur noch Fahrzeuge fahren, die nicht schneller als Tempo 30 fahren können", sagt Schaffert.

Kritisiert das Urteil

Mikrofone am Streckenrand würden den Lärm messen und somit in jedem Fall für die Einhaltung der Geschwindigkeit sorgen - egal bei welcher Art der Nutzung. Der Betreiber der Teststrecke müsse laut Genehmigung die Lärmemissionen permanent aufzeichnen. "Das gewährleistet einen exakten Nachweis", betont Schaffert. "Es ist vergleichbar dem Fahrtenschreiber bei einem Lkw." Halte sich der Betreiber nicht an die Auflagen, sei das nachweisbar und könne von der Ordnungsbehörde mit Bußgeldern geahndet werden, erklärt der Gutachter. Bei mehrfachen Verstößen drohe ein befristetes oder dauerndes Betriebsverbot.

Heinz Podlacha vom TÜV Nord wirft Schaffert dagegen vor, mit unrealistischen Zahlen gerechnet zu haben. Diplomingenieur Podlacha hat die Expertise des Professors im Auftrag des Umweltschutzbundes BUND einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. "Mein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass Professor Schaffert in seinen Gutachten immer von einer Worst-Case-Betrachtung spricht", sagt Podlacha.

Zweifel an hinreichender Überwachung

Den jeweils schlimmsten - also lautesten - Fall habe Schaffert aber immer so angelegt, dass die Grenzwerte für Lärm eingehalten werden. Dabei schließe die Betriebsgenehmigung für die Teststrecke "viele Nutzungsmöglichkeiten" nicht aus, sagt Podlacha. "Was ist, wenn dort Rennen der DTM oder Motorrad gefahren werden?" Die von Schaffert zugrunde gelegten Zahlen hätten "keine realistischen Hintergründe", sondern seien "immer gerade auf eine Richtwerteinhaltung am jeweils maßgeblichen Immissionsort abgestellt."

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Dass die Betreiber selbst den Lärm auf ihrer Strecke überwachen sollen, hält Podlacha nicht für praktikabel. "Wie soll das geregelt werden?", fragt er. "Wenn nachmittags der Richtwert überschritten wird, geht dann jemand auf die Rennstrecke und sagt: Aufhören?" Würden die Werte nur einmal im Jahr oder im Einzelfall kontrolliert, dürfe eine hinreichende Überwachung der Anlage "bezweifelt" werden. Podlacha kritisiert weiterhin, dass in der Genehmigung des Kreises zwölf Immissionsorte aufgeführt seien. Einen davon habe Schaffert aber in seinem Gutachten nicht untersucht: das Nikolaus-Hospital in Nieheim.

Schaffert sieht das Gerichtsurteil gelassen: "Wir werden dazu eine Stellungnahme verfassen und diese dem Gericht zuleiten." Er sei zuversichtlich, dass diese Erklärung die Richter überzeuge. Die Bauarbeiten auf dem Bilster Berg gehen indes weiter. Der Kreis Höxter und die Betreibergesellschaft können gegen das Mindener Urteil innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster einlegen.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Das, das Gutachten von "Professor" Edelbert Schaffert (...) Ich hoffe das das Projekt jetzt juristisch stiilgelegt wird und der Natur wieder Vorang gewährt wird!

Möchten sich die Gegner dieser zeitgemäßen und förderungswürdigen Investition - nach Abzug des Militärs ! - in die Attraktivität Ihrer Randregion nicht doch noch einmal besinnen?
Sie möchten doch sicherlich auch Arbeitsplätze für Ihre Nachbarn und das Abwandern Ihrer Jugend verhindern. Zeigen Sie Verantwortung als BürgerInnen und Dankbarkeit für Ihren Wohlstand, der Sie überhaupt erst in die komfortable Lage versetzt hat, gegen die Chancen Ihrer MitbürgerInnen zu klagen! Vielen Dank sowie gutes Gelingen für die mutigen Investoren und deren Helfer wünscht mit besten Wünschen für Sie alle zur Adventszeit ein vernünftiger Motorsportfan aus Bochum
p.s. bitte nicht vergessen: Link unterdrückt

Ja jener Bericht vom heutigen Tag in der NW entspricht ja nicht den Tatsachen, denn ich selber habe einen Kommentar verfasst der nicht gerade "Pro" Rennstrecke ist. Ist da bei dem heutigen Artikel wieder Hofberichterstatter Köhne am Werk gewesen. Ich möchte diskutieren , das da keine Kommentare von Gegnern waren stimmt nun nicht.

Soweit mir bekannt ist, wurde der Nürburgring seinerzeit deshalb in der Eifel gebaut, weil dort ausser Lanfwirtschaft so gut wie nichts passierte. Wer sich heute dort aufhält, findet neben gut besuchter Gastronomie und reichlich Unterkünften auch Firmen, die sich ohne den Nürburgring dort sicherlich nicht nieder gelassen hätten. In Ostwestfalen könnte vergleichbares statt finden.
Vor kurzem habe ich den Bilster Berg aufgesucht. Ich komme aus dem Ruhrgebiet und bin natürlich Verkehrslärm gewohnt. Dort findet er schlicht und einfach nicht statt. Anwohner, die sich dort gestört fühlen könnten, wohnen meiner Meinung nach so weit entfernt, dass ich deren Einwände oder gar Klagen nicht nachvollziehen kann.
Nach der Wende wurden im Osten in Oschersleben und in der Lausitz sehr schnell zwei Rennstrecken gebaut. Dort war es möglich, weil man vermutlich eingesehen hat, dass es dadurch in wirtschaftlich schlecht bestellten Gegenden schnell einen Aufschwung geben kann. Wer die Strecken kennt weiß, dass es auch dort ähnlich wie am Nürburgring wirtschaftlich voran ging.
Bei mehreren Veranstaltungen an deutschen Rennstrecken, an denen ich teilgenommen habe, wurde zunächst die Lautstärke der teilnehmenden Fahrzeuge ermittelt. Die, die zu laut waren, mussten entweder umrüsten oder wurden ausgeschlossen. Das wird sicherlich auch am Bilster Berg möglich sein.
Statt den Mut eines Mannes, der die Gegend voran treiben will zu belohnen, wird durch Miesepeterei einiger weniger eine Chance vertan, die Ostwestfalen sicher gut tun würde.

Man sollte bei den klagenden Landwirten vielleicht einmal genauer hinschauen, wie die sich selbst an Gesetz und Ordung hallten.



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