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11.04.2012
MARIENMÜNSTER
Verkostung edelster Klänge
Artist in Residence Hartmut Schneider brilliert mit einem neuen Blick auf Debussy
VON BURKHARD BATTRAN

"Für Debussy ist der Blüthner-Flügel wie gemacht" | FOTO: BURKHARD BATTRAN

Marienmünster. Ein Klavierkonzert findet eigentlich immer an einem Instrument statt. Alles andere wäre logistisch auch viel zu kompliziert. Der Konstanzer Pianist und Professor an der Detmolder Musikhochschule, Hartmut Schneider (52), hat erstmals mit dieser Tradition pianistischer Aufführungspraxis gebrochen.

Für sein Eröffnungskonzert als diesjähriger Artist in Residence der Kulturstiftung hat Schneider am Ostermontag zwei Flügel mit äußerst unterschiedlichen Charakteristiken verwendet. Der Instrumentenwechsel war auch keine Showeinlage, sondern eher eine Art Klangverkostung. Sowie man durch den Vergleich mit anderen Weinen dem besonderen Geschmack eines erlesenen Jahrgangs auf die Spur kommt, so konnten die rund 100 Zuhörer im Konzertsaal der Kulturstiftung dem besonderen Geist dreier Komponisten aus einer Dekade nachspüren.

Für sein Eröffnungskonzert hatte Schneider die musikalischen Impressionisten Claude Debussy, Maurice Ravel und Alexander Skrjabin ausgewählt, allesamt Komponisten und Zeitgenossen an der Schwelle des 20. Jahrhunderts. Den gesamten ersten Teil des Konzerts hatte Schneider ausschließlich Debussy gewidmet und mit einem Instrument gestaltet, das zwar gewissermaßen zum Inventar des Konzertsaals gehört, aber nur selten zum Einsatz kommt. "Für Debussy ist der Blüthner-Flügel wie gemacht", erklärte Schneider den Einsatz dieses Instruments. Und er sollte recht behalten.
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Schubert und Liszt

Das nächste von insgesamt drei Konzerten in diesem Jahr gibt Professor Hartmut Schneider am Sonntag, 1. Juli, 11.30 Uhr, im Konzertsaal der Kulturstiftung Marienmünster.

Es widmet sich der Klaviermusik von Franz Schubert und Franz Liszt.

Auch hier kommt es wieder zu einer spannenden Gegenüberstellung. Bei dieser Matinee wird neben Altmeister Schneider das "Klavier-Wunderkind" Ken Mordau (18) mit dabei sein. Ken Mordau wird seit mehreren Jahren am Hochbegabtenzentrum der Musikhochschule Detmold von Prof. Schneider unterrichtet. (bat)

Ungewöhnlich, aber impressionistisch

Wer Debussy hört, denkt zuerst an "Claire de Lune", dem dritten fünfeinhalbminütigen Satz aus der "Suite Bergamasque". Die vielen professionellen Aufnahmen, die es davon gibt, sind allesamt mit hochwertigen modernen Konzertflügeln eingespielt worden. Diese Aufnahmen haben auch das Klangbild in der Rezeption von Debussy geprägt. Aber wie authentisch ist dieses Klangbild eigentlich? Schneider hat mit seinem Konzert ein ganz anderes Klangportrait von Debussy geschaffen, einfach indem er ein anderes Instrument gewählt hatte.

Der große Leipziger Klavierbaumeister Julius Blüther (1824 bis 1910) hat 1862 diesen Flügel, der heute der Kulturstiftung zur Verfügung steht, noch persönlich angefertigt. Ein hochwertiges Instrument, das aber doch heutigen Hörgewohnheiten kaum noch entspricht. Der Ton kommt leicht verzögert und scheint dann sogleich zu explodieren und wieder in sich zusammenzufallen, bis auf einen metallischen Nachhall, der wie eine Wolke im Raum verbleibt. Der Blüthner-Flügel klingt ungewöhnlich, aber dafür auf eine einzigartige Weise impressionistisch.

Hinterher kommt es einem ganz plausibel vor, aber man muss erstmal drauf kommen. Hartmut Schneider hat den schlafenden Riesen in dem Blüthner-Flügel entdeckt. Mit diesem Instrument hat "Claire de Lune" ein ganz anderes Gesicht bekommen. Da war nichts mehr zu spüren von süßlicher Pariser Salonmusik. Dieser Klang war zerbrechlich, kühl, zweifelnd und doch durchdrungen von einer Helligkeit, wie sie sich nur im Impressionismus findet.

Den zweiten Teil des Konzerts mit Ravel und Skrjabin gestaltete Schneider auf dem nur etwas mehr als 30 Jahre jüngeren Steinway von 1895. Wenige Jahrzehnte der Klavierbaukunst, die doch musikalische Welten trennen. Der 1895er-Steinway der trotz seines historischen Alters bereits alle Charakterzüge eines modernen Konzertflügels aufweist, wäre ebenfalls ein authentisches Instrument. Alle drei Komponisten hätten ihn theoretisch noch zu Lebzeiten persönlich spielen können. Und es war nur folgerichtig für Skrjabin und Ravel diesen "modernen" Flügel zu verwenden, denn anders als der lupenreine Impressionist Debussy verweisen Skrjabin und Ravel schon in andere Stilrichtungen: Ravel als Wegbereiter der Moderne und Skrjabin in den musikalischen Jugendstil.

Mit diesem Eröffnungskonzert hat Schneider als neuer Artist in Residence auch in klangtheoretischer Hinsicht ein Stück Klaviergeschichte geschrieben.


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