"Pro Lüchtringen" fürchtet Attraktivitätsverlust und warnt vor einer Mammut-Schule
Lüchtringen. Die Debatte um den Schulstandort Nord setzt sich fort: Am Donnerstagabend gründete sich im Weserdorf die Bürgerinitiative "Pro Lüchtringen". Deren langfristiges Ziel ist es, die Attraktivität des Dorfes aufrecht zu erhalten. Konkreten Anstoß nehmen die Initiatoren und Unterstützer an der möglichen Schließung der Grundschule.
"Wir wollen die Grundschule langfristig erhalten", erklärt Mitinitiator Markus Weißbrich und argumentiert, dass in Lüchtringen noch ein funktionierender Ring vorhanden sei. Dieser Ring bestehe aus den Vereinen, den Kindergärten, der Grundschule, den Kirchen, den Geschäften – darunter ein Supermarkt –, der ärztlichen Versorgung, der öffentlichen Verkehrsanbindung und den DSL-Anschlüssen. Die Schließung der Grundschule würde zwangsweise diesen Ring zerstören und einen Attraktivitätsverlust herbeiführen. Weißbrich unterstreicht diese Ansicht mit seiner persönlichen Erfahrung: Bei der Entscheidung, sich in Lüchtringen anzusiedeln, habe die vorhandene Grundschule eine Rolle gespielt.
Bereits am 15. Mai drängte eine Bürgerversammlung auf eine Vertagung der Entscheidung zum Grundschulstandort Nord. Nach Auffassung der Stadt Höxter muss von den drei Schulen mindestens eine schließen. Auch in Albaxen und Stahle regte sich Widerstand gegen eine kurzfristige Entscheidung und jene Fragebögen, welche die Stadt an betroffene Eltern versandte. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden den Ratsmitgliedern bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung präsentiert. Am kommenden Dienstag um 18 Uhr tagen die Ortsausschusse aller dreier Dörfer gemeinsam in der Aula des KWGs und stellen die Ergebnisse der Befragung vor. "Pro Lüchtringen" will dort bereits Präsenz zeigen.
Ferner bilden 25 der rund 80 anwesenden Bürger fünf Arbeitsgruppen, deren Ziel es ist, die im Gutachten zur Schulentwicklung veranschlagten Kosten und prognostizierten Schülerzahlen zu überprüfen. Ferner sollen Alternativen zu den dargestellten Schließungen erarbeitet und Möglichkeiten des Standortes Lüchtringen ausgelotet werden. "Inwieweit ist ein Konzept möglich, sodass alle Schulen erhalten bleiben könnten?", erläutert Weißbrich. Eine weitere Arbeitsgruppe leiste Öffentlichkeitsarbeit. Die Initiatoren Markus und Luisa Weißbrich, Karl und Regina Beverungen, Peter Vennemann, Waltraud Uhlenbrock und Daniela Düker betonen, dass "Pro Lüchtringen" parteiübergreifend ist und jedermanns und -fraus Mitarbeit wünscht.
Kritisiert wurde desweiteren, dass das Schulentwicklungskonzept auf Kosteneinsparungen und einen Transfer der Schüler aus den Dörfern nach Höxter ziele. "Wenn unsere Schüler nach Höxter kommen, muss angebaut werden. Warum soll man irgendwo anbauen, wenn es bei uns Kapazitäten gibt", fragt Karl Beverungen. In Lüchtringen sei eine zweizügige Schule ohne großen Kostenaufwand möglich, die Wege kürzer und die Atmosphäre persönlicher. "Die Leute sind es satt, dass immer alles nach Höxter kommt und auf den Dörfern passiert nichts", protestiert Beverungen. "Wir fordern Gerechtigkeit", fügt er hinzu. Ferner appellieren die Lüchtringer an Eltern in der Kreisstadt, die sich nicht von der aktuellen Diskussion betroffen sehen: Schließungen am Standort Nord würden eine noch größere, zentrale Mammut-Grundschule nach sich ziehen.