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05.07.2012
KREIS HÖXTER
Depression kann jeden treffen
Zunehmende Erkrankung ist Schwerpunktthema / Enttabuisierung durch Aufklärung
VON SEBASTIAN BEUG

Fokussieren Depressionen | FOTO: SEBASTIAN BEUG

Kreis Höxter. Depression ist ein großer Begriff: Unterschiedliche Ausprägungen und verschiedene Typen Erkrankter leiden unter psychosomatischen Beschwerden und einer Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit. Mittlerweile gelten acht Prozent der Deutschen Bevölkerung als depressiv.

Die kommunale Gesundheits- und Plegekonferenz des Kreises wählt die Depression als diesjähriges Schwerpunktthema, für das sensibilisiert und Hilfe aufgezeigt werden soll. "Depression ist nicht gleich depressive Verstimmung", differenziert Dr. Volker Knapczik, Chefarzt für klinische Psychiatrie und Psychotherapie des Bad Driburger St.-Josef-Hospitals.

Natürlich leide, so Knapczik, jeder im Leben an Wut oder Trauer. Nach dem Tod eines geliebten Menschen, dürfe es auch noch Monate oder Jahre nach der Zäsur, Phasen starker Trauer geben, solange der Alltag gemeistert werde. Hält eine Phase dauerhafter Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen an, ist die Diagnose Depression möglich. Dazu stellen sich psychosomatische Beschwerden im Kopf, den Muskeln oder den Gelenken, Appetitlosigkeit oder Magen-Darm-Probleme ein, welche oft den Ausschlag geben, einen Arzt aufzusuchen. "Auch Angehörige spüren die Gereizt- und Zurückgezogenheit eines Depressiven", erklärt Dr . Norbert Kieslich.

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Menschen antreiben

Alfred Wiemers, Geschäftsführer der Gesundheitskonferenz, erwägt, in das Maßnahmenpaket zur Depressionsauklärung und -hilfe, Besuche an Gymnasien, Beispielsweise im Religons- oder Ethikunterricht einzubeziehen.

Ferner plant er erneut eine, im vergangenen Jahr von Erfolg gekrönte, Telefonaktion mit Experten.

"Depression, was ist das, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es", fallen Wiemers als Fragen ein.

Darüber hinaus verspricht er kleinere Veranstaltungen zu konkreten Themen in den Abendstunden, nicht nur zentral in Höxter.

Neben der Thematik und Enttabuisierung bleibt für die fünf eine elementare Frage: "Wie schaffen wir es, Menschen wieder anzutreiben?"(be)

"Rehabilitationen psychischer Erkrankungen haben zugenommen", weiß der Chefarzt der Psychosomatik und Psychotherapie der Rosenbergklinik in Bad Driburg. "Sie stehen an dritter Stelle der Rehabilitationen und sind der Grund für ein Drittel aller Frühverrentnungen", fügt Kieslich hinzu. Nach Hochrechnungen der Weltgesundheitsorganisation werden sich bis 2020 Depressionen zu der Krankheitsgruppe entwickeln, welche neben Herz-/Kreislaufkrankheiten das meiste Leiden und die höchsten Kosten verursachen.

"Auch in der Aufarbeitung ein schwieriges Thema"

Der Vorsitzende der Konferenz, Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi, ist überzeugt, Depressionen sind "nicht nur medizinisch, sondern auch in der Aufarbeitung ein schwieriges Thema."

"Leute kommen erst, wenn das Fass übergelaufen, oder kurz davor ist", sagt Albin Escher, der einer Selbsthilfegruppe "Depressionen" in der Bad Driburger Knappschaftsklinik angehört, die durch Gespräche Wege aufzeigt, nicht alleine mit der Erkrankung zu sein. "Zur Diagnose bekennen sich die wenigsten", fügt er hinzu.

Deshalb möchte die Gesundheitskonferenz die Depression aus der Tabuisierung holen. "Wir sensibilisieren die Umwelt - Angehörige, Kollegen, den Arbeitgeber - und stellen die Akzeptanz der Krankheit her", plant Kieslich.

Gleichwohl grenzt Knapczik die Depression vom Burnout ab. "Depression ist etwas Schweres und kann mitunter zum Suizid führen."

Burnout hingegen sei ein durch chronischen Berufsstress bedingter Prozess, dessen Betroffene sich emotional erschöpft, frustriert und ausgebrannt fühlen. Mitunter kann Burnout zu einer klar diagnostizierbaren Depression führen. Die Betroffenen - häufig aus der oberen Bevölkerungsschicht - könnten sich, so Kieslich, im Gegensatz zu Depressiven selbst helfen, beruflich kürzer treten oder in den Urlaub fahren.

"Depression kann jeden treffen", warnt Knapcik. Häufig tauchen sie in Unsicherheitsphasen des Lebens auf: die Kinder ziehen aus, der Übergang vom Beruf in die Rente oder von der Schule in den Beruf. Laut einer aktuelle Studie des Robert-Koch-Institutes sind, entgegen landläufiger Erwartungen, Menschen zwischen 18 und 29 Jahren am häufigsten von einer Depression betroffen.


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