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27.11.2012
Marienmünster
Die Mystik des Lutheraners Bach
Begeisterndes Festkonzert zur Orgelweihe mit Gerhard Weinberger
VON HEINZ TROMPETTER

Sprechen mit Registerzungen | FOTO: HEINZ TROMPETTER

Marienmünster. Zur umfassenden Hinterlassenschaft Johann Sebastian Bachs gehören im Besonderen die einzeln stehend überlieferten Choralbearbeitungen, Präludien, Toccaten und Fugen. Tonsätze, dessen Harmonien vor allem von Gottesfurcht und Spiritualität gekennzeichnet sind.

Albert Schweitzer, der große Gelehrte und Organist, sah in dieser Kompositionsstruktur Bachs gar einen verschlüsselten Mystizismus. "Für mich ist es ein Phänomen des Unbegreiflichen-Realen", so der berühmte Urwald-Arzt von Lambarene. Dem jetzt in München beheimateten Professor Gerhard Weinberger kam die ehrenvolle Aufgabe zu, im ersten Festkonzert zur Wiedereinweihung der von der Elsässer "Manufacture d’orgues Muhleisen" von Grund auf restaurierten Johann Patroclus Möller-Orgel am dreimanualigen Spieltisch zu konzertieren, einem Instrument – man muss es sich immer wieder ins Gedächtnis rufen – an dem Bach zu Lebzeiten selbst noch hätte spielen können.

Passionisten-Pater Gerd Blick konnte an diesem stürmischen Herbstabend eine überaus erfreulich große Besucherzahl in der Abteikirche St. Jakobus begrüßen. Pater Gerd, selbst Kirchenmusiker durch und durch, ist stets für eine erfreuliche Überraschung gut. So bekam jeder Konzertbesucher von ihm die soeben druckfrisch aus Köln eingetroffene Festschrift zur Orgelweihe ausgehändigt. Man solle dafür, so der gewiefte Pater, am Ende des Konzertes den Obolus entsprechend "aufstocken".

Nach 262 Jahren (Bach verstarb am 28. Juli 1750) fällt dem Betrachter auch heute noch die überwiegend strenge Musik des frommen Lutheraners Bach auf. Auf den Interpreten kommt es aber an. Gerhard Weinberger stellte an diesem Abend nahezu den gesamten Reichtum der 44 klingenden Register der Barockorgel dem staunenden Publikum vor und hauchte den Orgelwerken Bachs und denen seiner Schüler Johann Schneider, Johann Ludwig Krebs und Heinrich Nicolaus Gerber Farbe und Leben ein.

Weinberger weiß, wie man erhobenen Hauptes einzelne Register figural wie durch getrennte Türen in die Notation einfließen lässt. Wie selbstverständlich beginnt der Organist mit Bachs "Toccata, Adagio und Fuge in C-Dur" ein Werk, das die großartigsten Pedalpassagen der gesamten Orgelliteratur birgt. Mit umspielten Figurationen lässt er das Thema der Fuge genüsslich und farbig in die Klaviatur des Pedals einfließen. Orgelbauer des Barocks, wie auch Johann Patroclus Möller, ließen es sich nicht nehmen, stets ein Register der Größe Acht Fuß, welches der menschlichen Stimme am nächsten kam, mit einzuplanen und tauften es auf den Namen "Vox humane".

Weitere Klangbeispiele waren die Register "Gemshorn" und "Cimbal" im Hauptwerk, das "Nachthorn" im Pedal sowie das "Krummhorn" mit der Flötenriege im Brustwerk. Weinberger lässt diesen stimmig intonierten Registern eine besondere Tugend angedeihen, die in der heutigen Zeit häufig verloren geht: Frische und Klarheit im Aufbau wie im Ausdruck. Eine besondere Gabe des bescheidenen Interpreten Professor Gerhard Weinberger, der nach 75 Minuten mit viel Beifall belohnt und verabschiedet wurde.


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