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22.11.2012
Nieheim
Goldener Meisterbrief für Fritz Thiele
Eigene Tochter ehrt Drechslermeister aus Nieheim

Goldene Zeiten | FOTO: KÖHNE

Nieheim (kö). Am 20. November 1962 legte Fritz Thiele in Dortmund die Meisterprüfung im Drechslerhandwerk ab. Exakt 50 Jahre später überreichte ihm seine Tochter den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Das förmliche "Sie" wählte Innungsobermeisterin Gudrun Schaper, als sie ihrem Vater den Brief überreichte und Glückwünsche aussprach. "Es ist für mich ein offizieller Anlass und es ist der Respekt vor meinem Lehrmeister", begründete sie die ungewöhnliche Anrede. Außerdem wünsche sie sich, dass dieser Tag etwas ganz Besonders in ihrer beider Berufsleben bleibe.

Es war das Schicksalsjahr 1933, als Thieles Vater Johannes 21-jährig im lippischen Wörderfeld das Familienunternehmen gründete. Nach dem Krieg siedelte er in die damalige Möbelstadt Steinheim um. Dem Kauf der Sägemühle im Jahr 1966, folgte der Umzug nach Nieheim. Während Johannes Thiele anfangs noch Geräte des täglichen Bedarfs, wie Schüsseln und Löffel fertigte, arbeitete Sohn Fritz zunehmend für die Möbelindustrie und vertrieb zudem von ihm gefertigte Leuchten.


1976 übernahm Fritz Thiele die Firmenleitung und bildete seit 1980 sechs junge Drechsler aus. "Sie konnten allesamt mit sehr guten Ergebnissen in den Leistungswettbewerben überzeugen", berichtete Schaper. Drei der Azubis wurden sogar 2. und 3. Bundessieger. Unter ihnen seine beiden Kinder Rolf und Gudrun, die, wie Vater und Großvater, die Meisterprüfung ablegten. Meisterehren erlangte auch Azubi Stefan Wirth, der bis Februar 2007 im Hause Thiele lernte und arbeitete. Als anerkannter Fachmann war Fritz Thiele Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss.

Zum Goldenen Meisterbrief überreichte Bundesinnungsmeister Gerhard Preick dem Jubilar eine Ehrenurkunde der "Innung für das Drechsler- und Holzspielzeugmacher-Handwerk und der Musikinstrumentenmacher." Es sei immer ein gutes Gefühl, wenn jemand den Goldenen Meisterbrief bekomme, sagte Preick. Es zeige, dass bodenständige Menschen dem Handwerk treu geblieben seien, und dass ihnen ihr Beruf ein Leben lang Freude und Erfüllung gebracht habe.

Fritz Thiele nahm alles mit einem strahlenden Lachen und einem Dank an seine Gattin und "rechte Hand" Erika zur Kenntnis. "Dass ich diesen Tag erleben darf, verdanke ich meinem Lebensmotto ’Erst mal durchschnaufen und dann zupacken’", sagte er. Ein weiteres Motto teilt er sich mit seiner Tochter: "Solange es aus Holz ist, drehen wir fast jedes Ding."



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