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12.11.2012
Höxter
CDU-Schlammschlacht: Fachin sieht sich gestärkt
Brakeler Kandidat verschickt Rehabilitations-Schreiben an 3.500 Mitglieder
VON BURKHARD BATTRAN

"Falsche Behauptungen" | FOTO: BATTRAN

Höxter. Der Brakeler Kandidat um die CDU-Bundestagsnachfolge, Christian Fachin (37), wird sich morgen bei der Wahlkreismitgliederversammlung (19 Uhr, in der Stadthalle in Nieheim) der Wahl stellen. "Alle Vorwürfe haben sich als haltlos erwiesen, jetzt werde ich erst recht antreten", sagte Fachin auf Nachfrage der Neuen Westfälischen.

Wie berichtet, war gegen Fachin wegen des Verdacht des Stimmenkaufs bei der Polizei Anzeige erstattet worden. Der Betrugsvorwurf war von der Staatsanwaltschaft geprüft worden. Ein Verdacht konnte nicht festgestellt werden, weshalb die Staatsanwaltschaft die Einleitung eines Verfahrens untersagt hatte.

Christian Fachin hat in den letzten sechs Wochen fast 100 Neumitglieder für die CDU gewonnen. Für drei davon bezahlt er die Mitgliedsbeiträge. "Das sind sogenannte Patenschaften. Das ist übliche Praxis, eine Patin ist unsere Babysitterin und auch die anderen beiden werden an der Abstimmung nicht teilnehmen. Natürlich hoffe ich, dass die Menschen, die ich neu für die CDU gewonnen habe, meine Kandidatur unterstützen werden. Aber das ja auch legitim, dafür macht man ja schließlich den Wahlkampf", sagte Fachin.

Man muss nur lange genug mit Dreck werfen, irgendwas bleibt schon kleben, heißt es. Diesmal könnte der Schuss nach hinten losgegangen sein. "Ich sehe mich eher gestärkt als geschwächt, denn ich habe in den letzten Tagen ganz viel Zuspruch erhalten", sagt Fachin. Er kritisiert jedoch indirekt die Geschäftsführung und den Vorstand der Kreis-CDU, die die Vorwürfe gegen ihn eine Woche lang hätten laufen lassen, ohne einzugreifen. "Ich bin gar nicht zu der Sache gehört worden, erst als ich selbst von anderen auf die Anzeige angesprochen worden bin, habe ich in die Initiative egriffen und mich mit dem Vorstand in Verbindung gesetzt", betont Fachin. Pikant ist, dass der kommissarische Vorsitzende des Kreisverbandes, Christian Haase (46), selbst als Kandidat im Rennen ist und von einer Betrugsanzeige gegen Fachin maßgeblich hätte profitieren können.

Rehabilitations-Schreiben an alle CDU-Mitglieder

Fachin gilt Umfragen zufolge neben Haase als aussichtsreichster Kandidat für die Bundestagsnachfolge. Mit Absender der "Christlich Demokratischen Union Kreisverband Höxter" hat Fachin am Wochenende ein Rehabilitations-Schreiben an alle 3.500 CDU-Mitglieder verschicken dürfen. Das sind auch 3.500 Stimmberechtigte, bei denen Fachin noch einmal ganz aktuell und exklusiv Werbung in eigener Sachen machen durfte. In dem Schreiben durfte Fachin auch darstellen, dass "offensichtlich falsche Behauptungen nicht entschieden zurückgewiesen wurden" und "sogar vorsätzlich laufen gelassen" wurden.

Unterdessen zeigen sich die Sozialdemokraten im Kreis Höxter entsetzt von den Vorgängen in der CDU und sehen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Demokratie gefährdet. Am Wochenende forderte der Kreisvorsitzende Roger van Heynsbergen die CDU auf, das Wahlverfahren stoppen, die Sachverhalte aufzuklären und danach die Kandidaten neu aufzustellen. Auch bei den Sozialdemokraten hatte es bei der Nominierung der Kandidatin im Spätsommer Kritik aus den eigenen Reihen gegeben. Damals allerdings, weil die Parteibasis nicht am Verfahren beteiligt wurde, sondern nur die Vorsitzenden der Ortsverbände über die anstehenden Nominierungsberatungen informiert wurden.

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Kommentare
Wie es aussieht, wird der Kandidat gut in den Bundestag passen. Da sind immer alle Vorwürfe selbstverständlich unhaltbar und werden vehement zurückgewiesen. Überhaupt ist alles alternativlos. Befürchtungsweise wird auch Fachin nicht für eine Politik für die Bürger stehen sondern für ein "weiter so".

Bezeichnend, dass die Kreis CDU einen Unternehmer als Kandidaten für den Bundestag aufstellen wird. Wo das Parlament Unternehmerinteressen m.E. schon mehr als genug in den Vordergrund stellt. Aber zum Glück gibt es Gegenkandidaten.

Und was die Querelen in der Kreis-CDU angeht, unter "Parteifreunden" ist sowas doch schon fast normal.

Es ist nicht die Politikverdrossenheit, die die Wähler von den Urnen fernhält, sondern die Politiker-Verdrossenheit.
Unser Kreisverbandszirkus liefert die passenden Argumente.

Und trotzdem wird der Kandidat der Partei mit dem "C" das Direktmandat gewinnen. Mit dem christlichen "C". Bei der US Wahl sagte ein Fan der Republikaner:"Die könnten auch einen Affen aufstellen, ich würde ihn wählen". Augen zu und durch.


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