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29.10.2010
WARBURG
Mauern aus der Stauferzeit
Zwischen Warburg und Calenberg wird ein Burg-Juwel wieder entdeckt
VON HUBERT RÖSEL

Informativ | FOTO: HUBERT RÖSEL

Warburg. Im Diemelraum zeugen viele Siedlungen, Burgen, Städte und Klöster von einer dichten Besiedlung an mittelalterlichen Hauptwegen in einer von Bodenschätzen reich durchsetzten Landschaft. Dazu zählt auch die Holsterburg, zwischen Warburg und Calenberg in der Niederung am Roten Graben gelegen. Die lange Jahrhunderte verborgene Burg ist für die Archäologen ein kleine Sensation.

Die Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) – Archäologie in Westfalen erforschen derzeit schwerpunktmäßig den Diemelraum. Vom Referat Mittelalter- und Neuzeitarchäologie ist seit dem Frühjahr ein Grabungsteam unter Leitung von Dr. Andrea Bulla auf Spurensuche an der Holsterburg – und das, wie sich herausstellte, mit großem Erfolg.

Die sich in der Feldmark abzeichnende Erhebung diente den Kindern der Umgebung oft als Abenteuergelände. Der bewachsene Hügel wurde von den Fachleuten als sogenannteMotte klassifiziert. Durch Vermessungen und kleinere Suchschnitte sollte im Frühjahr ihr Ausmaß erfasst werden. Völlig unerwartet zeigten sich in den Profilen sehr sorgfältig bearbeitete Kalksteinquader. Im weiteren Verlauf der Grabungen entpuppte sich die Motte überraschend als eine Achteckanlage aus der Stauferzeit mit einer 1,70 Meter breiten zweischaligen Kalksteinmauer. In deren Verlauf sind verputzte Quader mit bis zu 1,38 Meter Länge verarbeitet. Insgesamt umschließt die Mauer ein Areal von 428 Quadratmetern, bei einem Durchmesser von 26 Metern.

Große Aufmerksamkeit erregte der Befund eines Kalksteinkanals, der innen bündig mit der Innenschale in der Ringmauer integriert verläuft. Er ist vermutlich Teil eines Heizsystems. Beeindruckt sind die Grabungstechniker Detlev Welp und Richard Börnke sowie Leiterin Dr. Andrea Bulla von dem Maueraufbau und den präzisen Arbeiten der Steinmetze und Arbeiter dieses seltenen Baukerns.

"Mit der Freilegung des Grundrisses der Mauer ist schon jetzt die Bedeutung der Ausgrabung für die Burgengeschichte deutlich geworden", sagt Bulla. "Ein Juwel in der Burgenforschung."

Anfang der Woche informierte sich Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln über die Ausgrabungen und über die weitere Vorgehensweise. Ursprünglichen Pläne, nach der Bestandsaufnahme die Gräben zur Bestandspflege wieder zu verfüllen zeigte sich der Rathaus-Chef abgeneigt. "Bei der Bedeutung dieses Baudenkmals ist eine Begehbarkeit für die Öffentlichkeit in Zukunft wünschenswert", betonte der Bürgermeister. Auch eine Einbeziehung in die Termine zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr hielt Stickeln für möglich. Außerst kooperativ und positiv gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Familie Rasche, denen das Grundstück gehört, bemerkte Dr. Andrea Bulla.

Im nächsten Jahr soll das Innere der Burganlage erforscht werden. Darauf warten die Beteiligten mit Spannung. "Man weiß nie, was darin steckt", freut sich die Grabungsleiterin erwartungsvoll auf weitere Überraschungen. "Stichworte wie Pfahlgründung, Turm, Brunnen oder die Funktion des Heizsystemes sind spannende Aufgaben", sagt Bulla.

Bevor jetzt die Baustelle winterfest gemacht wird, möchte der LWL die Arbeiten interessierten Bürgern erläutern. Dafür steht Dr. Andrea Bulla am Donnerstag, 4. November, um 14 Uhr an der Ausgrabungsstelle zwischen Warburg und Calenberg für Führungen bereit.


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