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15.11.2012
Warburg/Willebadessen
Jugendstrafen für Schläge und Tritte
Warburger Schöffengericht setzt Urteil gegen zwei junge Männer zur Bewährung aus / Opfer hat Tat noch nicht verarbeitet

Warburg/Willebadessen (sf). Vier junge Männer mussten sich gestern vor dem Jugendschöffengericht in Warburg wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung verantworten. Zwei von ihnen wurden freigesprochen, weil ihnen keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte. Die beiden anderen, heute 18 und 19 Jahre alten Willebadessener erhielten Jugendstrafen in Höhe von acht und elf Monaten, die nach dreistündiger Verhandlung im Amtsgericht von der Vorsitzenden Richterin Insa Menke jeweils für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Schöffengericht folgte damit den Anträgen des Staatsanwaltes Volker Wiederhold. Zudem bekommen die beiden jungen Männer Bewährungshelfer, müssen je 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und Anti-Aggressions-Trainings absolvieren. Beide haben bereits mehrere Einträge im Bundeszentralregister, beide unter anderem auch wegen Körperverletzung.

Mit dem Urteil ahndete das Schöffengericht die Attacke der Jugendlichen in der Neujahrsnacht in Willebadessen auf einen 27-Jährigen aus Willebadessen, der dabei durch Schläge und Tritte gegen Kopf und Körper erheblich verletzt worden war. Neun Zeugen hörte das Gericht, bevor es sich zu einer 15-minütigen Entscheidungsfindung zurückzog. Bei den Aussagen belasteten diese vor allem den 19 Jahre alten Haupttäter Anatoli A. (alle Namen geändert), der zwar zugab, den ersten Schlag geführt zu haben – allerdings erst, nachdem er mit einem dummen Spruch von dem 27-Jährigen provoziert worden sei und ein Cola-Bier ins Gesicht bekommen habe.

Das verneinte das Opfer und verwies darauf, dass er kurz nach Mitternacht eine Gruppe Jugendlicher im Bereich des Ehrenmals/Volksbank angesprochen habe, weil sie mit Raketen und Feuerwerkskörpern auf Passanten geworfen hätten. Er sei daraufhin von dem damals 18-jährigen Anatoli A. "urplötzlich ins Gesicht geschlagen" worden. Als er seine zu Boden gefallene Brille aufheben wollte, habe ihn der zweite Täter Witali X. erst geschubst, dann zu Boden gestoßen und auch traktiert.

Nach seinem Anruf bei der Polizei folgte noch eine zweite Attacke wenige Minuten später, als sich der 27-Jährige hinter Bekannten versteckt hatte, aber von den beiden Tätern und weiteren, nicht identifizierten Jugendlichen wiederum angegangen worden sei. Schützend habe er die Arme über den Kopf gelegt und sich hingekauert. "Ich war geschockt und benommen", sagte der 27-Jährige. Noch heute habe er "ein ungutes Gefühl im Dunkeln": "So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei."

Das Opfer erlitt eine Schädelprellung und Prellungen am ganzen Körper. Der Verdacht einer Jochbogenfraktur bestätigte sich allerdings nicht. Der 27-Jährige war mehrere Tage krank geschrieben. Er identifizierte die beiden jungen Männer als Hauptbeteiligte im Gericht. Staatsanwalt Wiederhold sprach von einer "brutalen und heftigen Straftat", auf die man nur mit Jugendstrafen reagieren könne, und von einer "erheblichen Brutalität aus nichtigem Anlass". Bei Anatoli A. komme zudem noch eine Beleidigung dazu: Er soll eine Verkäuferin in einem Drogeriemarkt übelst beschimpft haben. Ihn erwartet außerdem ein weiteres Verfahren, weil er auch im Juni in einem anderen Fall erneut zugeschlagen haben soll. Richterin Menke sprach von einer regelrechten "Hetzjagd" auf das Opfer. Sie hoffe, dass die Verurteilung eine Warnung für die beiden sei.



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