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07.01.2014
Münster/Kalletal
Vor 30 Jahren wurde Elefantenkuh Rada im Kreis Lippe aus einem Zirkus befreit
Ein "Törööö" aufs neue Zuhause
VON FELIX EISELE

Gut gelaunt im Allwetterzoo in Münster | Foto: Felix Eisele

Münster/Kalletal. Mit ihrem berühmten Artgenossen Benjamin Blümchen hat Elefantendame Rada nur wenige Gemeinsamkeiten. Die Vorliebe für schmackhafte Nahrung aber teilen beide Dickhäuter durchaus. Und im Allwetterzoo in Münster bekommt die stattliche Asiatin reichlich davon. Endlich, könnte man sagen. Als Rada nämlich vor 30 Jahren in den Tierpark umsiedelte, litt sie noch unter Mangelernährung. Zuvor war sie in Langenholzhausen aus den erbärmlichen Verhältnissen eines Wanderzirkus befreit worden.

Wenn Achim Bollmann-Oberlein an die Geschehnisse vor dem "Tag X" denkt, steigt noch heute die Wut in ihm auf. Zwei Jahre lang hatte der bei Hannover lebende Mann die Verhältnisse im Wanderzirkus genau beobachtet, Tiere unter schlechten Bedingungen leiden sehen und immer wieder versucht, aktiv zu werden.

Insbesondere die unsachgemäße Haltung und die mangelnde Ernährung waren es, die dem Tierfreund dabei besonders sauer aufstießen. "Meine Mutter und ich sind dem Zirkus zu den verschiedensten Orten gefolgt und haben versucht, das Leben der Tiere durch Futterspenden und Reparaturen zu verbessern", sagt Bollmann-Oberlein heute.

Der Erfolg aber hielt sich zunächst in Grenzen – auch weil der Zirkusdirektor jede Hilfe ablehnte. "Euer asoziales Brot brauchen wir nicht" war dabei noch das Harmloseste, was Bollmann-Oberlein und seine Mutter Lydia zu hören bekamen. "Einmal drohte er mir sogar Prügel an."

Als der Zirkus im Winter 1983 schließlich seine Zelte im lippischen Kalletal aufschlug, wandte sich die Familie an die Veterinärbehörde des Kreises. Elefantenkuh Rada, so erzählt Bollmann-Oberlein, sei damals in einem maroden und unbeheizten Stall untergebracht gewesen. "Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt stand sie in einer von Kot und Urin getränkten Stroheinstreu."

Damit aber nicht genug. Radas Füße waren wegen der unsäglichen Unterbringung stark vereitert, Urin und Feuchtigkeit hatten ihre Zehen leicht zerfressen. Zudem zeugten tiefe Einschnitte an den Beinen von einer unsachgemäßen Kettenhaltung. "Hier ging es nicht mehr um ausreichende Ernährung, hier war das Leben von Tieren akut bedroht", sagt Achim Bollmann-Oberlein.

In Kooperation mit den Amtstierärzten, der Polizei, dem Allwetterzoo Münster und einer Spedition gelang es den Tierschützern, einen gut organisierten Transport des Elefanten in sein neues Quartier über die Bühne zu bringen. Ein Kraftakt, den vor allem Mutter Lydia ermöglicht hatte – "durch ihren unermüdlichen Einsatz und die Bereitstellung finanzieller Mittel".

Beendet war Radas Rettung damit allerdings noch nicht. Im Gegenteil setzte der Zirkusdirektor alles daran, "seinen" Elefanten zurückzuholen. Nach Angaben des Zoos erschien er sogar mit einem Tieflader in Münster und forderte die Herausgabe. Erst 1986 wurde Rada – nach dem bis heute größten Tierschutzprozess des Landes Niedersachsen – zum dauerhaften Bewohner des Zoos. Hier fühlt sich die Elefantenkuh auch 30 Jahre nach ihrer spektakulären Befreiung pudelwohl.

"Mit der Asiatin ‚Tefi‘ hat sie eine gute Freundin gefunden", bestätigt Pressereferentin Ilona Zühlke. Und auch von Achim Bollmann-Oberlein erhält sie regelmäßig Besuch – zuletzt am Jahrestag der Rettung am 21. Dezember. Anders als fünf Jahre zuvor wurde dabei aber auf eine Party verzichtet. "Die Jüngste ist Rada mit ihren geschätzt 47 Jahren schließlich auch nicht mehr", begründet Zühlke.



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