Kalletal-Kalldorf. Nach dem Involvenzantrag der Meyra-Gruppe ist die Stimmung in der Belegschaft verständlicherweise mehr als gedrückt. Jedoch herrscht Zuversicht, dass die Firma eine Zukunft hat. Nach der Betriebsversammlung am Freitag standen die Meyra-Geschäftsführer Frank Meyer und Dr. Rolf Baumanns, Betriesratsvorsitzender Hans Mielke, IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Reinhard Seiler und vor allem der vorläufige Insolvenzverwalter Hans-Peter Burghardt bei einem Pressegespräch Rede und Antwort.
Burghardt machte gleich zu Beginn deutlich: "Hier und heute kann überhaupt noch nichts dazu gesagt werden, wie die Zukunft des Unternehmens tatsächlich aussehen wird." Er verwies auf die Insolvenzeröffnung, die offiziell am 1. Juni ist. "Bis dahin müssen wir unsere Hausaufgaben erledigt haben." Etwa sechs bis acht Wochen später folge dann die Gläubigerversammlung, in der die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens falle.
Als "sportliches Ziel" bezeichnete Burghardt die Aufgabe, bis Ende Mai ein Konzept vorlegen zu können, und auch Reinhard Seiler betonte: "Aus meiner Erfahrung ist das ein knapper Zeitraum." Er hat Hoffnung auf einen positiven Ausgang, und für ihn ist wichtig: "Der Betrieb darf nicht zum Erliegen kommen, und diese Gefahr besteht angesichts der momentanen Auftragslage glücklicherweise nicht." Das bestätigten Meyer und Baumanns, wobei Burghardt einlenkte: "Eine spannende Frage wird sein, wie die Nachfrage in den nächsten Wochen ist."
Als "große Leistung" Burghardts bezeichnet es Baumanns, dass die Arbeitnehmer ihr Insolvenzgeld schnell bekommen haben, wobei auch der Betriebsratsvorsitzende die Detmolder Agentur für Arbeit lobt: "Jeder hat sein Geld bekommen, das wurde innerhalb von drei Tagen umgesetzt. Damit hatten wir alle nicht gerechnet." Für Hans Mielke ist diese reibungslose Abwicklung umso wichtiger, weil es bei Meyra in den vergangenen Jahren Kurzarbeit gegeben habe und die Mitarbeiter ohnehin auf einen Teil ihrer Einkünfte hätten verzichten müssen.
Apropos Kurzarbeit: Dass es sie bei Meyra seit Jahren gegeben hat, ist nie an die Öffentlichkeit gedrungen. Auf Nachfrage sagte Rolf Bumanns dazu: "Wir alle waren der Meinung, dass die allgemeine Krise nicht so lange dauern würde." Und Reinhard Seiler ergänzte: "Intern waren die Probleme schon länger bekannt, deshalb hatten wir auch einen Tarifvertrag zur Standortsicherung abgeschlossen. Um keine Unruhe zu verbreiten, sind wir damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen."