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06.11.2012
Lemgo
Lemgoerin wirbt in den USA für Barack Obama
Esther Franke macht Wahlkampf für den amtierenden Präsidenten
VON MARLEN GROTE

Im Dauereinsatz für den "mächtigsten Mann der Welt" | Foto: Privat

Lemgo/Portsmouth (New Hampshire). Die Präsidentschaftswahlen in den USA sind eine besonders spannende Zeit für Esther Franke. Die 22-jährige Lemgoerin engagiert sich als Volunteer in New Hampshire für einen Wahlsieg Barack Obamas.

Am Dienstag ist der ­große Tag der Entscheidung. Dabei fiebert Esther Franke, 2009 Abitur am Marianne-Weber-Gymnasium, eindeutig mit dem "Titelverteidiger". Wobei - sicher ist sich die Studentin der Kulturwissenschaften ob des Ergebnisses keinesfalls. Uns erzählt sie von ihren Erfahrungen und Motivationen.


Wie sind Sie in Obamas Wahlkampfteam gekommen?

Esther Franke:
Die Kampagne sucht viele Unterstützer und ist offen für alle. Allerdings kenne ich den "Field Organizer", also einen der Leiter unseres Büros, von den G8/G20 Youth Summits, an denen ich im Juni in Washington teilgenommen habe. Das ist der Grund, warum ich ausgerechnet in Portsmouth/ New Hampshire gelandet bin.

Wie lange sind Sie in den USA?

Franke:
Seit dem 28. September - also nur für die Kampagne. Donnerstag fliege ich wieder zurück.

Wie muss man sich Wahlkampf in den USA vorstellen, was sind die größten Unterschiede zu Deutschland?

Franke:
Die Tatsache, dass der Präsident hier direkt gewählt wird, ist ein riesen­großer Unterschied. Darüber hinaus hat er sehr viel Macht, daher ist alles sehr personenbezogen. Insgesamt ist der Wahlkampf viel größer und einnehmender als in Deutschland - viel mehr Aufmerksamkeit, viel mehr Geld, viel mehr Werbespots und vor allem viel mehr Volunteers, die mithelfen.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Franke:
Für Obama sind persönliche Kontakte besonders wichtig. Was wir hier machen, ist hauptsächlich, weitere Volunteers zu organisieren. Wir rekrutieren Leute, die uns helfen und geben diesen dann Aufgaben - andere Menschen anrufen oder von Tür zu Tür gehen und mit ihnen sprechen. Das ist hier besonders wichtig, weil es nicht hauptsächlich die teuren Werbespots, sondern die persönlichen Gespräche sind, die Politik für uns ausmachen. Wir arbeiten jeden Tag und die letzten vier Tage vor der Wahl und der Election-Day selbst werden extrem. 

Welche Erfahrungen machen Sie im Wahlkampfteam?

Franke:
Es gibt sehr viele total engagierte und tolle Menschen hier, die wirklich ihre letzte freie Minute geben, um Telefonate zu führen oder uns sonst irgendwie zu helfen. Leider sind die Amerikaner aber so unberechenbar, dass viele ihre Meinungen kurzfristig ändern oder Politiker mit absolut krassen und inakzeptablen Meinungen unterstützen.

Haben Sie Obama selbst getroffen?

Franke:
Ich habe ihn bei einer Wahlkampfveranstaltung in Manchester live erlebt, aber nicht aus der Nähe.

Und warum Obama?

Franke:
Er hat mich nach den schrecklichen Bush-Jahren in 2008 total begeistert und nicht nur den Menschen in den USA neue Hoffnung gegeben. Sein Verständnis von Politik - alle Menschen einzubeziehen, Solidarität zu stärken, für gleiche Rechte für alle zu kämpfen und auch zumindest friedlichere Außenpolitik zu versuchen - sagen mir zu. Dazu ist er für einen amerikanischen Präsidenten erfreulich progressiv. Auch wenn in seinen ersten vier Jahren im Amt natürlich nicht alles gelungen ist, zum großen Teil wegen der Blockaden der Republikaner, ist er nach meinem Empfinden der bestmögliche Präsident zurzeit. Ich liebe Politik, studiere Politik und finde Obama inspirierend und bewundernswert. 

Wie haben Sie den Wirbelsturm "Sandy" überstanden?

Franke:
Der Sturm hat bei uns in New Hampshire zum Glück nicht so große Auswirkungen gehabt. Es gab ein paar Stromausfälle und durch Äste blockierte Straßen, aber nichts Schlimmes. Leider wurde eine Wahlkampfveranstaltung mit Michelle Obama in der Nähe wegen des Sturms abgesagt. Das fand ich sehr schade, aber es ist natürlich im Vergleich zu dem, was andere Menschen wegen "Sandy" erleiden müssen, nicht der Rede wert.

Wie lautet Ihr Tipp für den langen Wahlabend?

Franke:
Was ich weiß, ist, dass es unheimlich knapp werden wird. Mehr kann ich nicht sagen. Hier in New Hampshire werden nur einige Tausend Stimmen das Votum ent­scheiden. Insgesamt habe ich ein gutes Gefühl, aber das ist wirklich nur ein Gefühl. Man weiß in diesem Land wirklich nie...

Kommentare
@Heinz kratzt sich den Kopf...Weiterkratzen am Kopp du hattest schon Recht.

Korrektur -- da hat Ms. Franke etwas nicht ganz mitbekommen, obwohl ich (als US-Bürgerin deutscher/OWL-Herkunft) selber für Obama gestimmt habe und insofern von ihrer Rolle als campaign volunteer total begeistert bin. Korrektur also: hier in den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, wie Ms. Franke glaubt, sondern über Elektoren (Wahlmänner bzw. -frauen). Auf dem Stimmzettel wird zwar der Name des Kandidaten angekreuzt, aber das bestimmt lediglich, wieviele der Elektoren aus dem Staat einem Kandidaten zugesprochen werden. Deshalb gibt es die rare Möglichkeit, wie in 2000, daß der gewählte Präsident nicht die Pluralität der Volksstimmen bekam und trotzdem gewonenn hat. Eine Eigenart unseres Systems eben.

Was ist denn das? Ist die Frau von vorhin bis jetzt umgezogen? Zunächst stand das doch vorhin unter Bünde, jetzt unter Lemgo? Hm... Die Dame hat aber echt Power. Zieht mal eben einfach so um. Ähm, flüster, oder hat die NW da einen kleinen Fehler gemacht? Naja, wahrscheinlich 'gönnen die sich erstmal einen', wegen dem tollen neuen Onlineauftritt.

@ Heinz
Wir werden uns mal nach dem Fehlerteufel umschauen, der sich da scheinbar eingeschlichen hat.



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