Schrift

24.11.2012
Oerlinghausen
Wo Trauer in Leben mündet
Über die Bedeutung des Ewigkeitssonntages
VON GUNTER HELD

Gedenken und Freude | FOTO: GUNTER HELD

Oerlinghausen. Sie werden die stillen Tage genannt – der Volkstrauertag und der Totensonntag. Doch zumindest der morgige Totensonntag bietet viel mehr als nur trauriges Gedenken an die Verstorbenen. "Wir sprechen lieber vom Ewigkeitssonntag", sagt Pfarrer Stefan Weise vom Pfarramt Nord in Helpup. "Für uns ist dieser Tag ein kleines Osterfest."

Zum Ende des Gottesdienstes am Ewigkeitssonntag lasse er auch immer das traditionelle lippische Osterlied "Er lebt! Er lebt, ist herrlich erwacht" singen. "Und zwar richtig laut." Denn Weise glaubt nicht nur an das ewige Leben, sondern auch daran, dass es den Verstorbenen dort "richtig gut geht und kräftig gefeiert wird".


Seit der Entwicklung des Kirchenjahres im Mittelalter wurde den drei letzten Sonntagen eine besondere Bedeutung beigemessen. So wird am drittletzten Sonntag schwerpunktmäßig das Thema "Tod" behandelt. Am "Volkstrauertag", dem vorletzten Sonntag des Kirchenjahres wird das (Jüngste) Gericht thematisiert und am letzten Sonntag das ewige Leben.

"An diesem Tag wollen wir zu Bewusstsein bringen, dass jeder Mensch vor Gott seinen Namen bewahrt und behält. Deshalb verlesen wir auch die Namen der im vergangenen Jahr Verstorbenen." Wer einen Menschen verloren hat, dem solle dieser Tag Trost geben. Aber eben auch die Gewissheit, dass der Tod der Beginn eines neuen Lebens ist.

Doch ist ein solcher Tag in der heutigen Spaßgesellschaft noch zeitgemäß? "Auf jeden Fall", sagt Weise. "Wir spüren aber auch den Traditionsabbruch bei vielen Menschen und sind deshalb seit zwei Jahren wieder dazu übergegangen, schriftlich einzuladen."

Trotzdem ist es für ihn wichtig, die beiden Lebenswelten, das irdische Leben und das Leben nach dem Tod, zu trennen. "Ich bin froh, dass wir in Deutschland ein Bestattungsgesetz haben", sagt Weise. Der Friedhof versinnbildliche die Welt des Todes. Und wenn man einen Menschen dorthin geleite, müsse man auch loslassen können. Das bedinge allerdings, dass man selbst Einkehr halte. "Doch viele Menschen möchten nicht über den Glauben nachdenken. Oft herrsche die Mentalität vor, sich seine eigene Patchwork-Religion zu stricken. Von allem ein bisschen und nur das, was auch gefällt. Nur nicht in die Tiefe gehen, denn dann wird es anstrengend. Erst wer sich intensiv mit dem Glauben befasst, für den bekommt Gott ein Gesicht."

Der Kirche komme die schwierige Rolle zu, die Menschen aufzurütteln und ihnen den Glauben bewusst zu machen. "Aber das haben wir selbst gewählt", sagt Weise und meint damit auch seinen Kollegen Friedhelm Nachtigal, der am morgigen Sonntag durch den Gottesdienst führen wird. Predigen wird er über "Einen neuen Blick in die Zukunft", fußend auf Jesaja 65, Verse 17 bis 25, die beginnen mit den Worten: "Denn wisse, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde."

Und auf das Osterlied angesprochen, dass Pfarrer Weise am Ende des Gottesdienstes mit der Gemeinde singt, sagt Nachtigal: "Eine gute Idee. Ich bin noch in der Vorbereitung. Das könnte ich gut mit hineinnehmen."



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