Oerlinghausen. Seit Ende April ist Ernst-Wilhelm Castrup zu Fuß und per Rad unterwegs zum Nordkap (die NW berichtete). Mittlerweile liegen mehr als 3.000 Kilometer hinter ihm. Zehn Kilogramm hat der 69-Jährige auf dem kräftezehrenden Weg verloren, zwei schwere Stürze überstanden, lange Umwege mit zum Teil enormen Höhenunterschieden in Kauf genommen. Und er hat ein neues Rad geschenkt bekommen.
Alles läuft seither wieder rund. Regelmäßig telefoniert Castrup mit seiner Frau Ulrike in Oerlinghausen. Derzeit aus Lappland. Von dort hat er sie wissen lassen: "Das einzige Problem sind die Mückenschwärme." Ernst-Wilhelm Castrup hat auf seiner Tour, mit der er sich einen Kindheitstraum erfüllt, manches erlebt und vieles gesehen. Auf einem Campingplatz 130 Kilometer vor dem Nordkap begegnete er Menschen aus aller Herren Länder. Die meisten waren motorisiert unterwegs. "Deshalb konnte sich niemand vorstellen, wie beschwerlich der Weg meines Mannes ist", erzählt Ulrike Castrup.
In vielen Gesprächen ließ sich der Weltenbummler davon überzeugen, dass die letzte Strecke bis zum selbst vorgegebenen Ziel besonders strapaziös ist. Castrup nahm ausnahmsweise den Bus. Kurz nach Mitternacht war der Punkt am vergangenen Mittwoch erreicht und der Oerlinghauser einigermaßen verdutzt. Denn sogar in der Nacht war das Nordkap übervölkert. Eine halbe Stunde stand Castrup Schlange, bis er einen Kaffee ergattern konnte. Busse aus ganz Europa. Tourismus pur. "Eigentlich gar nicht sein Ding", bestätigt seine Frau.
Deshalb ging es schnell weiter. 800 Kilometer hat der ausgebildete Physiotherapeut auf dem Rückweg bereits zurückgelegt. Begeistert hat er vor allem vom Naturschutzgebiet längs des Flusses Kemijoki berichtet. Noch viel größer war die Überraschung, als Castrup am 20. Juni Besuch von seinem Sohn Andreas und einem Fernsehteam bekam. Freudentränen seien geflossen, davon berichtete der Sohn. Seinen Vater erlebte er als erschöpft, aber unheimlich glücklich.
Castrup hatte sich bei Stürzen Ende Mai und Anfang Juni eine Platzwunde am Kopf sowie schwere Prellungen an beiden Beinen und einen Muskelfaserriss am Allerwertesten zugezogen. Sein Rad und die mitgeführte Rikscha hatten ebenfalls gelitten. Umso größer war die Freude über ein neues Rad mit Gepäcktaschen, gesponsert von "Lucky Bike" aus Brackwede. Die Radprofis hatten bereits das erste Gefährt ausgestattet. Ulrike Castrup schickte ihrem Mann zudem ein leicht aufzubauendes Zelt mit.
Auf der Hinfahrt hat Ernst-Wilhelm Castrup vor allem die Natur in all ihren Facetten kennen gelernt und die Motive in zahlreichen Fotografien festgehalten. Auf seinem Rückweg will er sich nun den kulturellen Besonderheiten widmen. Die WDR-Lokalzeit hat bereits zweimal über die Reise des Bergstädters berichtet. Zuletzt am vergangenen Samstag. Ein weiterer Bericht von der Rad-Übergabe in Lappland ist für dieses Wochenende geplant.