01.08.2012
OERLINGHAUSEN
Mobile Musik in der Müllerburg Termine für die Grundkurse
Freiwillige für musikalischen Besuchsdienst gesucht / Kenntnisse werden vermittelt
VON KARIN PRIGNITZ
Musik Mobil | FOTO: KARIN PRIGNITZ
Oerlinghausen. "Da sind Sie platt, was?" Eben erst hat Elisabeth Kopp die sogenannte Zauberharfe kennen gelernt, schon kann sie eine Melodie darauf spielen. Erinnerungen an früher sind sofort präsent. "Meine Schwester hatte eine Mandoline, da habe ich mir was abgeguckt", erzählt die 83-Jährige.
Elisabeth Kopp lebt im Seniorenzentrum Müllerburg der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am Kalderberg. Dort wird demnächst der musikalische Besuchsdienst für Menschen mit und ohne Demenz vorfahren. Der rot-weiße Flitzer ist mit Klang-, Melodie- und Rhythmusinstrumenten bestückt. "Musik Mobil" ist ein neues Projekt der AWO, das sich an Einrichtungen der Altenhilfe der AWO Ostwestfalen-Lippe richtet und von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert wird.
Termine für die Grundkurse
Der nächste dreitägige Grundkursus "Musik Mobil" findet am Donnerstag, 30. August, und am Freitag, 31. August, statt. Reflektiert und vertieft wird das Erlernte am Donnerstag, 27. September. Der Kursus findet jeweils in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im AWO-Seniorenzentrum Frieda-Nadig-Haus am Senner Hellweg 280 in Bielefeld-Sennestadt statt. Weitere Kurse sind an den Wochenenden 29./30. September sowie 28. Oktober (Vertiefung und Reflektion) und am 15./16. November sowie am 13. Dezember geplant. Weitere Informationen über das Projekt und die Fortbildung gibt es unter Tel. (05 21) 9 2 1 64 5 sowie im Internet: www.awo-musikmobil.de (kap)
Insgesamt sechs Seniorenzentren und Tagespflegen in der Region sind beteiligt, darunter die Müllerburg. Das Angebot aber steht und fällt mit ehrenamtlichem Personal. "Wir könnten sofort loslegen, wenn wir ein bis zwei Freiwillige finden", bestätigt Leiterin Helga Geishecker. Langfristig sei es dann auch denkbar, erläutert Projektkoordinator Werner Isermann, "einen Grundstock an Instrumenten in der Einrichtung zu platzieren", so dass sie nicht erst mit dem Mobil von Bielefeld aus geholt werden müssten.
"Daran soll es nicht scheitern", betont Isermann. "Interessierte müssen weder einen Führerschein haben und auch nicht zwingend ein Instrument spielen." Wichtig sei, dass die Auseinandersetzung mit der Musik Freude bereite, entspanne und die Bewohner sich wohl damit fühlten.
Gerade bei dementen Menschen, aber nicht nur bei ihnen, sei Musik ein vielfältig einsetzbares Mittel. Musikpädagoge Henning Meier, der Müllerburgbewohnern bereits als freiberuflicher Mitarbeiter vertraut ist, erzählt vom unmittelbaren Zugang zu Gefühlen, vom Erleben von Geselligkeit und der Freude am Musizieren. Musik fördere nicht zuletzt das Bewegungs- und Erinnerungsvermögen.
"Altbekannte Lieder und vertraute Klänge von Instrumenten lassen Bilder aus der Vergangenheit lebendig werden." So wie bei Elisabeth Kopp, die sich beim Spiel auf der Zauberharfe - die Melodieführung ist auf einem unter den 21 Saiten liegenden Blatt abzulesen - an ihre Kindheit erinnert hat. Musik als Schlüssel, als wesentlicher Bestandteil der meisten Lebensgeschichten, als Erinnerungsträger, Gemeinschaftsförderer und als Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität.
All das kann und soll "Musik Mobil" sein. "Die verbindende Wirkung ist wichtig", betont Henning Meier. Gelingen kann sie durch bürgerschaftliches Engagement. Vorstellbar sei, dass Freiwillige etwa einmal wöchentlich für eine gewisse Zeit vor Ort sind. Für ihre Tätigkeit werden sie bei Fortbildungen zu Grundlagen der Musiktheorie, Instrumentenkunde und Geragogik, also der Bildung im Alter, geschult.
"Die erste Schulung mit 13 Teilnehmern hat es Ende Mai bereits gegeben", sagt Werner Isermann. Vermittelt worden sind dabei auch Kenntnisse für die Auswahl geeigneter Lieder, die älteren Menschen aus ihrer Biografie vertraut sind. Vertraut gemacht werden Interessenten außerdem mit der didaktisch-methodischen Umsetzung von Mitmach- und Bewegungselementen.
Henning Meier und Werner Isermann übernehmen die kontinuierliche fachliche Begleitung. "Singen, bewegen, mitmachen und hören", das sind die vier wichtigen Säulen", beschreibt Isermann. Jetzt müssen sich nur noch Freiwillige melden. Nicht nur Elisabeth Kopp würde sich freuen.
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