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28.12.2011
BAD OEYNHAUSEN
Verhandlungs-Marathon
Bad Oeynhausener ab 12. Januar wegen Raubüberfällen und Brandserie vor Gericht
VON PETER STEINERT

Eindeutig | ARCHIV-FOTO: PETER STEINERT

Bad Oeynhausen. 14 Verhandlungstage hat die 3. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld für den Prozess gegen die beiden Bad Oeynhausener Betty S. und Joel V. angesetzt. Der Auftakt wird am 12. Januar im Saal 30 gemacht, Urteilverkündung könnte am 22. März sein. Noch aber sitzen die wegen 33-fachen Raubes und 45-maliger Brandstiftung verdächtigten Serienstraftäter in U-Haft. Die zur Tatzeit 31-jährige Betty S. im Gefängnis Gelsenkirchen, der 18-Jährige Joel V. in der JVA Herford.

Es scheint, als wäre der Verhandlungs-Marathon mit heißer Nadel gestrickt. Denn zunächst müssen sich die beiden Tatverdächtigen ausschließlich für ihre Raubüberfällel verantworten. Erst während der laufenden Verhandlung werde die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Reinhard Kollmeyer entscheiden, ob und wann das Hauptverfahren wegen der Brandstiftungen eröffnet wird, sagte gestern auf NW-Nachfrage Guiskard Eisenberg.

Info

JVA Gelsenkirchen

Den rauen Wind einer Strafvollzugsanstalt dürfte mittlerweile auch die Bad Oeynhausenerin Betty S. gespürt haben, die nach einem Zwischenaufenthalt in der JVA Bielefeld nach Gelsenkirchen verlegt wurde. Das 1998 erbaute Gefängnis für derzeit 450 Männer und 150 Frauen war Anfang Oktober ins Licht der Öffentlichkeit geraten, nachdem  sich 45 Insassen brutal geprügelt hatten. Zwölf Gefangene wurden verletzt. Zu dem Gewaltausbruch war es in einer Freistunde gekommen. Einer der Beteiligten hatte sich dabei das Handgelenk gebrochen.

Der Landgerichtssprecher mochte sich am vergangenen Freitag noch nicht auf einen Eröffnungs-Termin festlegen. Erst am gestrigen Montag standen die Gerichts-Daten für die beiden Bad Oeynhausener fest. Wobei die Behörde der gesetzlichen Vorgabe folgte, wonach spätestens sechs Monate nach Beginn der U-Haft die Beschuldigten vor dem Richter stehen sollen. Betty S. und Joel V. wurden am 13. Juli 2011 festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten in der vom Gericht zugelassenen Fassung der Anklage zur Last, dass sie im Oktober 2009 gemeinsam eine erste Tat verübt hatten, bei dem sie einen Angetrunkenen überfallen, verletzt und um sein Portemonnaie erleichtert haben sollen.

Anfang 2011 habe Betty S. zunächst allein weiter gemacht und jeweils mit einer Spielzeugpistole bewaffnet sechs Geschäfte (einen Supermarkt, zwei Bäckereien und drei Drogeriemärkte) in Löhne, Bad Oeynhausen, Porta Westfalica und Minden überfallen. Die Beute soll 4.220 Euro betragen haben, heißt es in der Anklage.

Ab Mitte März seien Betty S. und Joel V. wieder als Team aufgetreten. Laut Staatsanwaltschaft habe das Duo insgesamt 20 Raubüberfälle auf Tankstellen, Getränkemärkte, Verbrauchermärkte, Lokale, Restaurants, Hotels und eine Bäckerei oder deren Kunden verübt. Als Tatorte werden Vlotho, Löhne, Kalletal, Porta Westfalica, Bad Oeynhausen, Minden, Hille, Herford, Bünde und Bad Eilsen aufgeführt sowie "knapp 17.000 Euro" als erbeutete Gesamtsumme genannt.

Die mit Spielzeugpistolen ausstaffierten Tatverdächtigen hätten sich die Beute geteilt. In zwei Fällen sollen laut Gerichtsunterlagen die Angeklagten auch Pfeffersprays mitgeführt und in einem Fall auch eingesetzt haben, wodurch insgesamt drei Personen verletzt worden sein sollen.

Für den Fall der Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die heute 32-Jährige und ihren Komplizen wirft die Staatsanwaltschaft Bielefeld den Angeklagten vor, in der Zeit von Juni 2010 bis Juni 2011 mit Schwerpunkt in Bad Oeynhausen insgesamt 45 Brände an Personen- oder Lastwagen, Anhängern, Wohnwagen, Baumaschinen und leer stehenden Gebäuden und Hütten gelegt zu haben.

Ursprünglich war die Polizei davon ausgegangen, dass 72 Brandstiftungen seit April 2010 auf das Konto des Duos gehen könnten. "Wir haben aber keine Anhaltspunkte dafür, dass für einen Teil der Fälle andere Täter verantwortlich zu machen sind", sagte Ralf Steinmeyer. Der Polizeisprecher vermutete im September: "Womöglich kann sich Betty S. an einige Fälle einfach nicht mehr erinnern."

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