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18.01.2012
BAD OEYNHAUSEN
Von Ruhestand keine Rede
Prof. Reiner Körfer feiert heute seinen 70. Geburtstag
VON JÖRG STUKE

Glückwunsch | FOTO: NW

Bad Oeynhausen. Wo erwischt man Prof. Reiner Körfer am besten vor seinem 70. Geburtstag? Ganz klar: bei der Arbeit. Genauer: Im Klinikum Niederrhein in Duisburg, wo Körfer seit Oktober 2010 als Berater tätig ist. Aber was heißt schon Berater für einen Herzchirurgen. "Ein bis zwei Operationen pro Tag mache ich schon noch", sagt Körfer, der heute sein siebtes Lebensjahrzehnt vollendet.

Vor drei Jahren nahm Körfer Abschied vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen, das er mit aufgebaut und mehr als 25 Jahre lang maßgeblich mit gestaltet hatte. Er ging nicht ganz freiwillig, und wer ihn kannte, ahnte schon damals: Es wird kein Abschied in den Ruhestand sein. Nach einem eher unglücklichen Intermezzo am Herzzentrum in Essen - die Klinik meldete 2010 Insolvenz an - ist Körfer nun seit 15 Monaten in Duisburg tätig. Dort hat er auch eine Wohnung. "Aber mein erster Wohnsitz ist nach wie vor Bad Oeynhausen", sagt Körfer und betont: "Ich bleibe Ostwestfalen natürlich verbunden." Schließlich gilt es hier auch, persönliche Freundschaften zu pflegen. Zum Beispiel mit den Unternehmern Gerhard Weber, Hermann Gärtner oder Paul Gauselmann.

Info

Zur Person

Reiner Körfer wurde am 18. Januar 1942 in Kleve geboren.

Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Bei der Gründung des Herzzentrums in Bad Oeynhausen 1984 wurde Reiner Körfer – damals noch kein Professor, sondern Oberarzt – ärztlicher Direktor. Er blieb es, bis er zum 1. Februar 2009 am HDZ in den Ruhestand ging.

Am 1. Mai 2009 wurde Körfer Leiter des Herzzentrums Essen, das 2010 Insolvenz anmeldete.

Seit dem 1. Oktober 2010 ist er Berater am Klinikum Niederrhein in Duisburg.

Reiner Körfer wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Unter anderem ist er Ehrenbürger der Stadt Bad Oeynhausen und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Soweit er Zeit dazu hat. Aktuell hält Körfer Vorträge, kümmert sich um die Klessmann-Stiftung (die die Entwicklung von Kunstherzen und Herz-Unterstützungs-Systemen fördert), er sitzt im Vorstand des Fördervereins der NRW-Stiftung und im Aufsichtsrat des Bundesligaclubs Borussia Mönchengladbach. "Ich bin gut ausgelastet", sagt Körfer.

Am allerliebsten aber verbringt er seine Zeit im OP. Allein in den Bad Oeynhausener Jahren hat er am Herzzentrum über 25.000 Herzen operiert. "Operieren, das ist ja Erholung für mich", sagt Körfer. Einen Grund, das Skalpell aus der Hand zu legen, sieht er nicht. "Auch wenn das unbescheiden klingt: Aber es gibt wohl keinen aktiven Herzchirurgen auf der Welt, der soviel Erfahrung hat wie ich", sagt Körfer. "Wenn ich das Gefühl habe, dass andere besser operieren - dann höre ich auf", sagt Körfer und lässt keinen Zweifel daran, dass er davon ausgeht, dass dieser Punkt noch in ferner Zukunft liegt.

Da liegt ihm die Verwirklichung eines Traums deutlich näher: Das von ihm mit entwickelte Kunstherz "ReinHeart" soll noch in diesem Jahr in einem Dauerversuch an Tieren getestet werden. "Ich hoffe, dass wir jetzt mit den Kälbern auf die Weide gehen können", sagt Körfer. Die technische Entwicklung aber auch die Tierversuche laufen an der Technischen Hochschule in Aachen. Dort wird auch das "ReinVad", ein Herzunterstützungssystem, entwickelt. Das sei nicht so komplex wie das Kunstherz, weshalb Körfer hier mit einer rascheren Anwendbarkeit beim Menschen rechnet. "Wenn dem ersten menschlichen Patienten dieses System implantiert wird, dann wird das sicher hier in Duisburg geschehen", so Körfer.

"Wenn ich meine Zeit nur mit Golfspielen verbringen müsste, wäre ich nicht glücklich", sagt der Herzchirurg. Allerdings - Golf spielt er schon noch. "Das ist sehr kommunikativ, da lernt man viele Menschen kennen." Aber auch der Fußball ist ihm nach wie vor eine Herzensangelegenheit. Sein Club: Borussia Mönchengladbach. "Die haben bis jetzt eine unerwartet gute Saison gespielt", freut sich Körfer über den aktuellen vierten Tabellenplatz seines Bundesligisten.

Anfang des Jahres war Körfer sogar zu Besuch im türkischen Trainingslager der Borussia. Und hat den Türkei-Besuch gleich mit Beruflichem verbunden. "Ich habe dort Gespräche geführt, weil unsere Klinik in Duisburg eine Kooperation mit Herzzentren in der Türkei anstrebt",sagt Körfer.

Da wundert es dann auch kaum noch, dass der Professor seinen Geburtstag heute nicht wirklich feiern will. "Keine Zeit." Aber das werde nachgeholt, versichert Körfer. Und überlegt: "Vielleicht in Ostwestfalen."



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