Bad Oeynhausen. Die Kinder haben viel zu wenig Platz, die Betreuer sind frustriert. Die wachsende Nachfrage nach dem offenen Ganztagsangebot in den Grundschulen stellt die Träger vor große Probleme. Auf mehr Geld brauchen Arbeiterwohlfahrt und Initiative für Arbeit und Schule (IFAS) allerdings vorerst nicht zu hoffen. Und das nicht nur, weil der Schulausschuss die Entscheidung über eine Erhöhung der Elternbeiträge vertagt hat.
Während die AWO für das Betreuungsangebot im Norden (Grundschule Dehme, Eidinghausen, Volmerdingsen, Wulferdingsen) zuständig ist, obliegt das offene Ganztagsangebot im Süden (Altstadt, Rehme-Oberbecksen, Wichern und Lohe) der IFAS. 337 Kinder nutzen allein im Süden das Angebot - bei der Einführung im Sommer 2007 waren es nur 194. "Mehr Platz hat es dafür aber nicht gegeben", klagt IFAS-Geschäftsführerin Christiane Krinke. Deshalb müsse jetzt die Küche auf der Lohe als Essraum genutzt werden, in der Wichernschule sei sogar ein Betreuungsraum zum Essraum umgewidmet worden. Ihr Kollege von der AWO, Dirk Hanke, hat mit Blick auf die Betreuung weiterer 324 Kinder ähnlich leidvolle Erfahrungen gemacht, bemängelt insbesondere fehlende Ruheräume ("Kinder müssen sich nach einem anstrengenden Schultag auch mal entspannen). Er bedauert, dass es "nur für Kindertagesstätten klare Vorgaben gibt", und stellt - in Übereinstimmung mit den Grundschulleitern - klar: "Mit dieser großen Nachfrage hat niemand gerechnet, aber jetzt muss nachgebessert werden."
Weiteres Problem: Die Ferienbetreuung. Abgesehen von Weihnachten/Neujahr und drei Wochen in den Sommerferien müssen IFAS und AWO an allen unterrichtsfreien Tagen von 6.30 bis 16 Uhr eine Betreuung anbieten. Mitarbeitern bliebe zu wenig Zeit für Regeneration, es fehlten Kraft und Zeit, sich um neue Aufgaben wie Verhaltensauffälligkeiten, Hochbegabung oder Inklusion zu kümmern. "60 melden sich an, aber nur 20 Kinder kommen", berichtet Krinke über eine weitere Erschwernis. Mitarbeiter müssten auf Abruf bereit stehen oder werden wieder nach Hause geschickt. Krinke: "Das ist nicht mehr zumutbar." Ihr Vorschlag: "Ferienbetreuung darf es nicht mehr zum Nulltarif und nur noch an einem Standort geben."
Derzeit erhalten AWO und IFAS im Jahr für jedes betreute Kind 1.450 Euro vom Land und Stadt, dazu von Eltern monatlich bis zu 70 Euro. Wenn es nach der Verwaltung geht, soll der erhöht werden. Neben einer pauschalen Anhebung um bis zu 20 Euro gibt es auch eine Variante, in der soziale Komponenten berücksichtigt werden. Familien mit einem Jahreseinkommen bis 25.000 Euro zahlen 55 Euro (bisher 47); für Kinder aus Familien mit einem Brutto-Jahreseinkommen von über 75.000 Euro wird der Höchstbetrag von 150 Euro verlangt. Die erwarteten 80.000 Euro Mehreinnahmen werden durch zusätzliche Verwaltungskosten in Höhe von 11.000 Euro gemindert.
Die drei Varianten haben, wie Schulamtsleiter Wolfgang Budde einräumte, eines gemeinsam: "Für die Erhöhung gibt es im offenen Ganztag keine Gegenleistung." Die Mehreinnahmen sollen nicht AWO und IFAS zugute kommen, sondern der Sanierung des städtischen Haushalts dienen. Ohne erneute Beratung wollten die Ausschussmitglieder dem nicht zustimmen.