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27.11.2012
Espelkamp
Klasse Trio auf Gestringer "Kleinkunstbrettlbühne"
Addi Schaefer, Miko Mikulicz und "White Man" Molle erfreuten mit literarisch-musikalischem Programm
VON RALF KAPRIES

Auf der "Kleinkunstbrettelbühne" | FOTO: RALF KAPRIES

Espelkamp-Gestringen. "Addis" Traditionsveranstaltung, zusammen mit "White Man" Molle Literatur zu rezitieren, sorgte am Freitagabend für ein volles Haus. Die Besucher der alten Schule kamen dank eines breit angelegten und ausgiebigen Programms aus Literatur und Musik voll auf ihre Kosten.

"Lauter schöne alte Sachen, Alexis", freute sich Molle, im bürgerlichen Leben Bernd Hohmann-Stahl genannt, der in der Region als "Krautrocker" und genialer Blues-Musiker – firm auf Gitarre, Bluesharps und Querflöte – bekannt ist wie ein "bunter Hund". Ebenso gut bekannt ist der Rezitator und Griechenland-Fan Addi "Alexis" Schaefer, weniger gut als Ernst Albrecht Schaefer bekannt, wie er auf Wunsch seines Vaters getauft wurde.

Wenn nun Addi und Molle sich zusammentun, dann weiß man: Das wird ein geselliger, gemütlicher, ein wenig sentimentaler, aber auch fröhlicher Abend. Molle bringt ein wenig Savanne und die Geheimnisse Indiens mit, Addi steuert die Reise mit literarischen Beiträgen durch die ganze Welt und das Universum des Denkens und Erlebens. So auch am Freitagabend. Diesmal war noch ein Dritter im Bunde: Miko Mikulicz, ein ganz hervorragender Geigenspieler mit klassischer Ausbildung, bekannt aus dem Duo "Panama Red".

Wann Addi Schaefer zur Hochform auflief

Seine elektronisch verhallte Geige klang wie von Ferne über die Savanne oder von der anderen Seite des Tales herüber. Er begleitete und umspielte virtuos den im Vordergrund präsenten Molle. So entstand ein eigenständiger Musikgenuss, der keineswegs nur Rahmenwerk für Addis Rezitationskunst war.

Zu Beginn erklang bei leerer Bühne Addis Stimme. So kennt man das, wenn der Hausherr seine Gäste begrüßte. Addi selbst schien nicht da zu sein, aber dann sah man ihn, wie er sich durch die vollen Reihen kämpfte, etwas verwirrt noch über und stolz zugleich auf ein "kleines technisches Wunder", ein Mikroport mit Bügel-Mikrofon – neue Technik für die alte Schule. Er kündigte einen "sehr traditionellen Abend" an und begann mit Liebesgedichten – beginnend beim Hohelied des Salomon, Rainer Maria Rilkes Liebeslied und Arno Holz’ Tagebuchblättern. Weiteren Gedichten von Theodor Storm, Erich Fried, Ulla Hahn und Hugo Ball folgte eine amüsante Erzählung von Carlo Manzoni. Danach kamen Herbstgedicht von Rilke, die Miko am Klavier im Hintergrund begleitete. Trakl, Hebbel Fontane und Hermann Lenz verklärten den Herbst. Als dann die Pause kam, war eigentlich schon ein Programm komplett.

Doch es ging noch weiter mit Tucholsky, Schwitters, Sonja Marlin und natürlich mit Ringelnatz, Addis Lieblingsdichter. Spätestens jetzt lief Schaefer zur Hochform auf. Schon bei Slawomir Mrozeks "Der kluge Löwe" hatte er begonnen, die Rollen zu "spielen" – den brummenden Löwen, den einfältigen Wärter – nun kam Karl Valentins verschrobener "Liebesbrief" hinzu und die "Galgenlieder" Christian Morgensterns. Da heulte der Werwolf und da krächzte der Rabe und der westfälische Bauer plauderte in Josef Plauts "Militärerinnerungen eines Westfalen". Amüsante Gedichte von Rüdiger Kersting, einem Lübbecker Autor, folgten, ebenso Kästner und Busch.

Zum Schluss wurde es richtig lustig. Addi erzählte "Döneckes", über die alle herzlich lachten. Auch Molle und Miko ließen es noch einmal richtig krachen und rockten von "Tutti Frutti" bis "Roll over Beethoven" – die richtigen Wachmacher für einen späten Nachhauseweg.



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