Hamm. Die Rechtsanwaltskammer Hamm hat einem Juristen mit Kanzlei in Lübbecke ein Tätigkeitsverbot mit sofortiger Wirkung erteilt. Grund dafür sind mehrere Vorfälle, bei denen Mandantengelder veruntreut wurden. Außerdem wird dem Anwalt so genanntes Beratungsverschulden vorgeworfen – aufgrund von Fristversäumnissen sei mindestens einem Mandanten ein erheblicher finanzieller Nachteil entstanden.
Schon seit dem 18. Juli diesen Jahres durfte der Anwalt, der seit 1996 eine Zulassung besaß, weder Rechtsberatungen vornehmen, noch Mandanten vor Gericht vertreten, da für ihn ein "vorläufiges Tätigkeitsverbot" galt. Seitdem unterstehen seine Amtsgeschäfte einer von der Kammer eingesetzten Vertreterin.
Die Kammer in Hamm setzte dem Anwalt eine Frist bis Freitag vergangener Woche, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Da er diese Gelegenheit nicht wahrnahm, gilt nun ein uneingeschränktes Tätigkeitsverbot. "Wir haben uns die Sache nicht leicht gemacht", sagte ein Sprecher der Kammer auf Anfrage. "Die Gründe für das Tätigkeitsverbot sind genauestens geprüft worden. Die Entscheidung ist weder schnell noch übereilt getroffen worden. Und der Betroffene hatte ausreichend Gelegenheit, sich zu äußern".
"Wie ein Hamster im Rad"
Die Rechtsanwaltskammer Hamm hat 13.500 Mitglieder und ist für Ostwestfalen, das Münsterland und Teile des Sauerlands und des Ruhrgebiets zuständig. Rund 20 Anwälte haben im Bereich der Kammer derzeit ein Tätigkeitsverbot.Im Gespräch mit der NW bestätigte der Anwalt das Tätigkeitsverbot. Nach seinen Angaben sind jedoch alle Verfahren bezüglich veruntreuter Mandantengelder abgeschlossen. Allerdings seien noch ein gutes Dutzend Verfahren wegen anderer Verfehlungen anhängig. Nach den Gründen befragt, gab der Familienvater finanzielle Turbulenzen nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2005 an. Bis dahin sei sein berufliches und privates Leben geordnet abgelaufen. Irgendwann habe er jedoch den Überblick verloren und sich wie "ein Hamster im Rad" gefühlt.
Gestern Vormittag ist der Betroffene auf eigenen Wunsch aus dem Ethik-Komitee des Lübbecker Krankenhauses ausgeschieden – das Amt hatte nach einer Vorstandsentscheidung schon einige Wochen geruht. Von einem weiteren Ehrenamt war der Rechtsanwalt bereits in der vergangenen Woche zurückgetreten.














