Beim Tag der offenen Gärten und Parks im Lübbecker Land gab es für die Besucher viel zu entdecken
Lübbecker Land. Wie verschwenderisch die Natur mit Farbe und Gestalt von Blüten umgeht, konnten Besucher am Wochenende auch in drei Anlagen im Lübbecker Land bewundern. Beim Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe.
Im Barockgarten von Gut Groß Engershausen in Pr.Oldendorf bot sich dem Auge des Betrachters ein blaues Blütenmeer aus Glockenblumen, Jakobsleitern und Rittersporn, durchbrochen von rosaroten Bartnelken und kräftigem Klatschmohn. "Wir haben kein so umfangreiches Programm geplant. Der Garten soll Ort der Ruhe und Besinnung sein", zeigte sich Hausherrin Hiltrud von Spiegel zufrieden, obwohl wegen der unbeständigen Witterung der Besucherstrom mäßig war.
Der Fotokurs "Den Duft sichtbar machen" mit Fotodesigner Karlheinz Jardner war mit acht Teilnehmern gut besucht.
Bildhauerin Bettina Bollmann-Koch hatte in ihrem "Wohlfühlgarten" abstrakte Figuren ausgestellt. Kunstinteressierte hatten Gelegenheit, der Künstlerin beim Bearbeiten von Speckstein über die Schulter zu sehen.
In der Vergolderei von Carl Maria von Spiegel zeigte Bärbel Spilker den Gästen das alte, vielerorts in Vergessenheit geratene Handwerk.
Bernhard und Dagmar Kuhtz aus Bielefeld genossen ihren Besuch im Lübbecker Land. "Es ist eine schöne Anlage mit dem etwas zurückliegenden Schloss. Man kann vieles entdecken", so die begeisterten Besucher.
Das Blöken der Lämmer, die Schwester Edith aus der Hofgemeinschaft mit der Flasche aufzieht, vollendeten das Bild der ländlichen Idylle.
Auch im Kurpark in Bad Holzhausen und im Bauerngarten der Familie Peitzmann in Lübbecke-Obermehnen bot die Natur ein farbenfrohes Schauspiel.
Während die Gäste im Bad Holzhausener Kurpark an Fitnessgeräten ihre Kondition verbesserten (vor allem Chantal Erdbrügger aus Bielefeld, die mit ihren Großeltern zu Besuch war), lud der Bauerngarten Peitzmann zum Verweilen ein. Er verströmte bereits den Duft von üppigen Bauernrosen in unterschiedlichen Schattierungen von Rot und mutete mit seinen von Hecken umsäumten Wegen wie ein kleines Labyrinth an, in dem Besucher ungestört ihren Gedanken freien Lauf lassen oder vom nächsten Urlaub träumen konnten.
Im Laden der Familie Peitzmann gab es neben Schmuck, Textilien und Dekorationsartikeln eine Ausstellung historischer Vogelkäfige aus dem 19. Jahrhundert in sorgfältiger Handarbeit, die bei den Besuchern auf reges Interesse stieß.
Gegen den Hunger hatten die Gastgeber eine leckere Kuchenauswahl sowie kleine herzhafte Köstlichkeiten vorbereitet.
Bauerngärten im Zeitwandel
Mit Bauerngarten bezeichnete man bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Gartenfläche, die tatsächlich von Bauern angelegt war. Sie wies deutlich mehr Nutz- als Zierpflanzen auf, wobei ästhetische Gesichtspunkte im Hintergrund standen. Oft wies ein Bauerngarten auch Fläche für Hof-und Nutztiere auf. In der Malerei oft als idyllische Wildnis verklärt, war der Bauerngarten jedoch keine wissenschaftlich definierbare Gartenform.
Im heutigen Bauerngarten sind Nutz- und Zierpflanzen gleichermaßen zu finden. Die meistens rechteckigen oder quadratischen Anlagen zeichnen sich weiterhin durch eine Umrandung aus Hecken und ein Wegekreuz aus, wie sie auch in dem Privatgarten der Lübbecker Familie Peitzmann zu finden sind.
In den 80iger Jahren wurden Bauerngärten in Deutschland wieder populär und vermehrt auch in Schulgärten und Freilichtmuseen angelegt.