Lübbecke. Die seit Jahren geplante Erweiterung der Besta Eisen- und Stahlhandelsgesellschaft in das Naturschutzgebiet Rauhe Horst wird Hauptthema in der morgigen Sitzung des Bauausschusses sein. Die Umwandlung zur Industriefläche ist vom Detmolder Regionalrat bereits abgesegnet worden. Wo die entsprechenden Ausgleichsflächen entstehen sollen, ist weiterhin offen.
6,5 Hektar Feuchtwiesen zwischen der westlichen Grenze des Firmengeländes und der Straße Zur Rauhen Horst will der Stahlhändler in Lagerflächen umwandeln. Schon 2007 sei die Auftragslage so gut gewesen, dass die Firma über eine Erweiterung nachdachte. Im Februar 2009 stellte die Stadt Lübbecke den Antrag zur Änderung des Regionalplans, sprich die Umwandlung von Naturschutzgebiet zur Industriefläche.
Im Vorfeld hatte Besta-Geschäftsführer Focke Lösche die in solchen Fällen üblichen Umzugsvarianten öffentlich gemacht: "Wir möchten uns hier erweitern. Wenn das nicht möglich sein sollte, wäre der Standort Lübbecke erledigt." Es gebe genügend andere Orte mit ausreichend Platz für Erweiterungen. Werde dem Wunsch nach Erweiterung nicht statt gegeben, sei die 185-köpfige Belegschaft in Gefahr. Bei einer Ausweitung kämen möglicherweise "20 bis 30 Arbeitsplätze dazu", so Lösche damals.
Wie dringend nötig die geplante Erweiterung tatsächlich ist, bleibt mit Blick auf die jahrelangen Planungen jedoch fraglich. Der eigentliche Bauantrag wird erst im kommenden Jahr eingereicht, der erste Spatenstich erfolgt also frühestens 2013. Das Unternehmen will den hauseigenen Gleisstrang auf die neue Fläche ausweiten. Realistisch wird die Besta das Gelände vor 2014 kaum nutzen können. Das macht sieben Jahre von den ersten Planungen bis zur nutzbaren Lagerfläche. "Wenn die Situation so prekär wäre, wie die Besta sie schildert, wäre da ein ganz anderer Druck dahinter", sagt ein Beobachter.
Der Druck, die von der Bezirksregierung geforderten Ausgleichsflächen zu finden, scheint ebenfalls nicht groß. Schon 2010 befand sich das Bauamt in Gesprächen, um entsprechende Flächen am Westrand des Naturschutzgebietes Rauhe Horst zu finden. "Jetzt beginnt für uns die kommunale Bauleitplanung", sagt Karin Schulte vom Lübbecker Bauamt. "Zusammen mit der Landschaftsbehörde werden nun mögliche Ausgleichsflächen ermittelt." In den beiden Beschlussvorlagen für den Bauausschuss finden die Ausgleichsflächen keine Erwähnung.
Dann ist da noch das Tierheim, das seit 1984 auf der umgewandelten Fläche steht und einen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt bis 2057 besitzt. Der Tierschutzverein soll nahe des Pickerwalds östlich des Heuwegs ein neues Zuhause bekommen. Die Kosten für den Neubau übernimmt die Besta, wobei Details noch nicht geklärt sind.
"Was ist mit den Erschließungskosten für das Grundstück am Pickerwald?", fragt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Heinrich Stenau. Das Gelände ist bislang eine landwirtschaftlich genutzte Fläche und liegt jeweils mehrere hundert Meter vom Heuweg im Westen und Dornwiesenweg im Süden entfernt. "Wir sprechen über eine sechsstellige Summe. Bezahlt das der Stahlhändler oder der Steuerzahler?", fragt Stenau. Der morgige Bauausschuss könnte die Antwort liefern.