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27.11.2012
Minden
Eisenbahnräuber räumen Mindener Keller aus
60 Lokomotiven und 120 Waggons gestohlen / Fast vier Jahrzehnte Hobby futsch
VON JÜRGEN LANGENKÄMPER

Eisenbahnraub: Nur wenige Lokomotiven und Triebwagen, die er erst kürzlich gekauft und noch nicht in den Keller gebracht hatte, sind Peter Timmermann geblieben. | Foto: Alex Lehn

Minden (mt). Rund 60 Lokomotiven und Triebwagen sowie doppelt so viele Waggons, dazu 30 bis 40 Weichen haben Einbrecher am Wochenende aus einem Keller in der Mindener Innenstadt mitgenommen. Fast vier Jahrzehnte seines liebsten Hobbys hat Modelleisenbahner Peter Timmermann auf einen Schlag verloren.

1975 begann Peter Timmermann mit dem Aufbau seiner Modelleisenbahn. "Es ging mir um das Basteln", sagt er. Ein Eisenbahner sei er nicht, aber das Hobby sei sehr vielfältig. Handwerkliches, Planung, Elektronik - alles dabei. Wegen der begrenzten Räumlichkeiten seiner Mietwohnung entschied er sich für die kleinere Spur N im Maßstab 1:160.


Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wuchs sein Fuhrpark, der auf der L-förmigen Miniaturlandschaft mit bis zu 3,10 Metern Länge und bis zu 2.45 Metern Breite herum kurvte, beständig an, bis die Wohnung komplett renoviert wurde. Vorübergehend mussten die Bestandteile der Timmermannschen Bahn in den Keller ausgelagert werden. "Niemand hat davon etwas gewusst."

Dennoch schlugen am Wochenende unbekannte Eisenbahnräuber zu und räumten den Keller des Mehrfamilienhauses in der Königstraße aus - und sie müssen im Eilzugtempo vorgegangen sein. Gegen 17 Uhr sei der Keller einer Zeugin noch unversehrt gewesen, berichtete die Polizei am Montag. "Gegen 18 Uhr habe ich Abfall zum Mülleimer gebracht und wollte noch Styropor im Keller verstauen", erzählt Peter Timmermann. Als er in den Gemeinschaftskeller kam, fiel ihm sofort auf, dass die Tür zu seinem Keller offen stand und Licht an war. "Der oder die Täter hatten die Verriegelung gewaltsam geöffnet", ermittelten Polizeibeamte.

Dass es sich um mehrere Täter gehandelt haben muss, steht für Peter Timmermann fest. Anders kann er sich nicht erklären, wie jemand so schnell mehrere Kartons beiseite schaffen konnte. Andererseits ließen sie selbst gebaute Trafos stehen. "Die könnte man wohl nur schwer verkaufen", meint der Bastler.

Der entstandene Schaden ist gewaltig: Auf rund 17.000 Euro beläuft sich die Kaufsumme im Laufe der Jahrzehnte. "90 Prozent habe ich noch zu D-Mark-Zeiten erworben", sagt Timmermann. Nach der Euro-Einführung seien die Preise für rollendes Material der Spur N geradezu explodiert. Dampfloks etwa kosten heute vielfach mehrere Hundert Euro. "Deshalb habe ich nur noch Schnäppchen gekauft."

Ob er seine Lokomotiven und Triebwagen jemals wiedersehen oder wiederbeschaffen können wird? "Ich schaue schon bei Ebay nach", sagt Timmermann - und meint damit die Langfinger, die ihre heiße Ware versilbern wollen. "Verkaufen können die das nicht", ist das Diebstahlopfer überzeugt. Loks und Waggons weisen individuelle Merkmale auf, anhand derer sie identifiziert werden könnten.

Dass die Einbrecher auch noch Werkzeug wie Bohrmaschine und Handkreissäge mitnahmen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Vom Sachwert fiel diese Beute kaum und vom ideellen Wert gar nicht ins Gewicht.

Hinweise zur Tat und zum Verbleib der Beute nimmt die Polizei, Telefon (0 57 1) 88 66 0, entgegen.

Mehr zum Thema in nw-news.de


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