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20.11.2012
Rahden-Pr. Ströhen
Stachelige Gäste auf dem Dachboden
Wie "Pelle" und "Paul" einen sicheren Unterschlupf für den Winter fanden
VON ANJA SCHUBERT

Ganz vorsichtig | FOTO: ANJA SCHUBERT

Rahden-Pr. Ströhen. Aufgeregtes Gewusel bei den Erstklässlern der Pr. Ströher Grundschule. Mit Spannung erwarteten sie ihre beiden Pensionsgäste, die den Winter über auf dem Dachboden der Bildungseinrichtung Quartier beziehen werden. Pünktlich um 10 Uhr stand Edith Haselau, Leiterin des Igelhotels in Lübbecke, vor der Tür, im Gepäck die beiden Igel "Pelle" und "Paul". Seit Mitte September wurden sie von der Expertin aufgepäppelt und haben nun genug Gewicht, um in den Winterschlaf zu gehen.

"Zum Auswildern ist es jetzt schon zu kalt, weil sie sich erst an die selbstständige Nahrungssuche gewöhnen müssen und bei den plötzlich recht kühlen Temperaturen keine Nahrung in Form von Käfern und Würmern mehr finden", erklärte die Expertin den Kindern, für die die von ihnen auf dem Dachboden des Schulgebäudes eingerichtete Pflegestelle ein aufregendes Erlebnis darstellt.

Propere Artgenossen, die jetzt noch unterwegs seien, hätten bereits ihre Höhlen für den Winter angelegt. "Daher noch herumlaufende Igel erst Wiegen und bei einem Gewicht von mehr als 550 Gramm wieder in die Natur entlassen", so der Rat von Edith Haselau, die das Igelhotel in Lübbecke seit mehr als zwölf Jahren betreibt. Lediglich eindeutig unterernährter und krank erscheinender Igel solle man sich annehmen und das Igelhotel oder einen Tierarzt kontaktieren.

"Darf man Igel baden? Wann schlafen sie ein? Was sind die größten Feinde der Igel? Darf man Igel dauerhaft als Haustier halten?"
Viele Fragen der Erstklässler, die im Unterricht bei Klassenlehrer Klaus Militz-Frank bereits in den letzten Tagen viel über Igel und ihre Lebenswelt gelernt hatten, prasselten auf Edith Haselau ein. Die Kinder konnten es natürlich nicht erwarten, die beiden schnuffeligen Pensionsgäste vorsichtig zu streicheln.

Der "Igeldienst" wurde für die nächsten Monate festgelegt, denn auch am Wochenende und in den Ferien muss nach dem Rechten gesehen werden. Bis die Tiere in den Winterschlaf fallen, heißt es täglich, den nicht gerade angenehm riechenden Igelkot auszumisten und die kleinen Gäste zu füttern.

Die Kinder hatten bereits eine adäquate Überwinterungskiste aus Holz auf dem recht schattigen Dachboden mit dem Notwendigsten ausgestattet: jede Menge Zeitungspapier für die Bodenfläche, von zu Hause herbeigeschafft, ein Papphäuschen mit Papierstreifen ausgefüllt, Futter- und Wassernapf sowie Igel- und Katzenfutter, dass von den Familien der Kinder gespendet wurde.

"Wichtig ist, dass man eine Sorte durchfüttert, sonst bekommen die Igel schnell Durchfall, und das endet oft tödlich", machte Haselau in Anbetracht des zusammengekommenen Futtermixes aufmerksam.
Schnell legten sich Kinder und Lehrer auf eine Sorte fest und machten ein gutes Tauschgeschäft: Die nicht in Frage kommende Nahrung wird Edith Haselau nun an von ihr aufgenommene herrenlose Katzen verfüttern, die Grundschüler bekommen von ihr eine größere Ration des igeltauglichen Futters. "Es wäre für uns hilfreich, wenn die Eltern uns, solange die Igel noch Futter brauchen, mit einer kleinen Bargeld- statt Futterspende unter die Arme greifen, damit wir die entsprechende Sorte selbst einkaufen", bat Bernd Porps, als Sonderpädagoge des Kompetenzförderungszentrums KSF an der Grundschule tätig, der den Kontakt zu Edith Haselau vermittelt hatte.

Auch weiterhin werden die Igel, neben der täglichen Pflege und Kontrolle des Geheges, bis zum Frühling, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen und in die freie Natur entlassen werden, immer wieder Bestandteil des Unterrichts sein.

"Igel dauerhaft in Gefangenschaft zu halten, ist gesetzlich streng untersagt, außer es handelt sich um behinderte Tiere, die in freier Natur keine Überlebenschance haben", erklärte Edith Haselau. Denn die nachtaktiven Tiere haben starken Freiheits- und Bewegungsdrang, sie können in einer einzigen Nacht bis zu acht Kilometer zurücklegen.



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