DAS VOLLBLUT-ARABERGESTÜT ISMER (2): Beobachtungen im Paddock und Stall
VON CHRISTIANE BUUCK
Rahden/Hann. Ströhen. An diesem Tage bin ich etwas später auf dem Gestüt Ismer. Von weitem sehe ich die Pferde auf der Weide längs der Straße, die bereits friedlich grasen. Ich melde mich wieder im Büro bei Yvonne Habermann, die dort sowohl im kaufmännischen Bereich arbeitet, als auch als Allroundtalent auf dem Gestüt einspringt und ab und an auch die Pferde putzt.
Wie alle anderen, arbeitet auch Yvonne Habermann gerne hier, denn, so bestätigt sie: "Es ist schön, in einem Familienunternehmen zu arbeiten – es hat eine andere Qualität, als beispielsweise in einer anderen Firma, man geht anders miteinander um."
Ich halte mich nicht lange im Büro auf und komme auf dem Weg in die Stallungen an dem großen viereckigen Paddock vorbei, bleibe eine Weile stehen, und schaue dabei zu, wie Mitarbeiter Benjamin Hairenik gerade einen der Hengste hinein führt, der sogleich mit stolzem Imponiergehabe ausgelassen herumspringt. Mit weit ausladenden Bewegungen trabt der schöne Grauschimmel durch den Paddock, fast als würde er schweben, bleibt manchmal mit erhobenem Kopf kurz stehen und lauscht auf jedes Geräusch.
Dann galoppiert er mit Tempo quer durch den Paddock, bremst abrupt kurz vor der begrenzenden Metallstange ab, wendet und galoppiert von Neuem. Sieht er in einiger Entfernung eine Stute, wiehert er laut und aufgeregt zu ihr hinüber.
Im Laufstall liegt frisch geschnittenes Gras entlang der langen Stallseite in der Futterraufe auf dem Boden. Die 15 bis 20 Pferde, die hier zusammen stehen, kauen zufrieden. Als ich entlang des Ganges gehe, wo die Pferdenasen durch die Metallstäbe hindurch in das frische Heu getaucht sind, entdecke ich zu meiner Freude Maashallah, die hübsche Grauschimmelstute.
Offensichtlich wurde sie nicht von den kuwaitischen Kunden in die engere Wahl gezogen. Dieses junge Pferd strahlt etwas Besonderes aus, das mich anzieht, und ich kann gar nicht genau beschreiben, was es ist. Die Stute hat ein weiches, grau-bräunliches Fell, dazu dunkel abgesetzt eine kurze Mähne und den Schweif, einen wohlgeformten, harmonischen Körperbau und diese großen, unendlich tiefen, schwarzen Augen, die mich offen, neugierig und zutraulich anblicken. Araberpferde gelten allgemein als sensibel für die Umwelt und achtsam und in dieser Hinsicht scheint Maashallah ihre Rasse perfekt zu repräsentieren. Durch den Publikumsverkehr sind alle Pferde hier von Geburt an an Menschen gewöhnt, werden dennoch nicht "vermenschlicht", wie es oft dann geschieht, wenn ihre Besitzer sie einzeln halten und die Tiere mehr Kontakt zu Menschen haben als zu Ihresgleichen.
Hier auf dem Gestüt leben die Pferde im Herdenverband und werden mit den Artgenossen groß. Sie lernen die Regeln in der Herde, haben sehr viel Bewegung – das tut ihnen sichtlich gut, sie wirken ausgeglichen und sanftmütig.
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