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28.11.2012
Rahden
Genehmigungen für Ställe aussetzen
Schulterschluss der Bürgerinitiativen aus Tonnenheide und Tengern / Antrag beim Landrat gestellt
VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Besuch aus dem Lübbecker Land | FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Rahden-Tonnenheide. Der geplante Bau von großen Hähnchenmastställen sorgt für Unmut. In Tonnenheide wehren sich Bürger gegen zwei Ställe mit insgesamt 80.000 Plätzen, die rund 200 Meter nördlich der Grundschule entstehen sollen. Widerstand gegen einen geplanten Stallbau gibt es auch im Hüllhorster Ortsteil Tengern. Die Bürgerinitiativen aus beiden Ortschaften ziehen an einem Strang und haben nun beim Kreis beantragt, die Genehmigung für beide Vorhaben auszusetzen.

Der Tonnenheider Landwirt Dietmar Rehling möchte mit dem Bau der beiden Ställe die Existenz seines Betriebes sichern. Gegner des Vorhabens befürchten Gefahren für die Gesundheit und für die Kinder auf dem Tonnenheider Schulweg. Auch sorgen sie sich um den Schulstandort.

Gegen das Tonnenheider Vorhaben waren mehr als 30 Einwände erhoben worden. Über die wird am heutigen Mittwoch ab 10 Uhr im Gasthaus Rosenbohm in Tonnenheide während eines öffentlichen Erörterungstermines beraten.

In ihrem Widerstand gegen die geplanten beiden Ställe in Tonnenheide und einen weiteren Stall in Tengern üben die Bürgerinitiativen aus beiden Orten den Schulterschluss. Volker Witting (Tonnenheide) und Carsten Stegmann (Tengern) hatten am Montagabend Landrat Dr. Ralf Niermann insgesamt 700 Unterschriften gegen die Bauten überreicht. Allein die Tonnenheider BI hatte 500 Unterschriften gesammelt (die NW berichtete gestern).

In einem Schreiben an den Landrat beantragen beide Bürgerinitiativen nun, die Genehmigung für den Bau der Ställe auszusetzen. Ein Grund für den Antrag ist nach BI-Darstellung ein von der Landesregierung geplanter Erlass, der in den Genehmigungen für große Schweinemastanlagen Anlagen zur Reinigung der Abluft vorschreiben soll. Diese Anlagen sollten Anlieger vor Pilzen, Bakterien oder Viren aus solchen Mastanlagen schützen. Auch bei bestehenden Anlagen solle der Einbau einer Abluftreinigungsanlage nachträglich angeordnet werden können. Hierbei gelte eine Umsetzungsfrist von drei Jahren.

Kleinere Mastanlagen und Anlagen für Geflügelhaltung sollten dann Abluft-Reinigungsanlagen erhalten, wenn durch den Betrieb schädliche Umwelteinwirkungen hervorgerufen würden.

Das greifen die beiden Initiativen auf. Schädliche Umwelteinwirkungen seien durch die geplante Anlage in Tonnenheide nicht auszuschließen.

Daher bitten die Bürger aus beiden Orten den Landrat, die Genehmigung für die Ställe auszusetzen, bis der Erlass der NRW-Landesregierung in Kraft tritt.

Da die Anlagen in einem Landschaftsschutzgebiet geplant seien, stehe das aus Sicht der BI aus Tonnenheide und Tengern im krassen Gegensatz dazu. Landschaftsschutzgebiete dienten der Erholung der Menschen, doch würden sie durch Stallbauten verunstaltet und passten nicht zum Zweck der Erholung.

Die Gegner des Vorhabens verweisen auch darauf, dass durch die Ausbringung von Gülle sowie von Reinigungs- und Schmutzwasser auf den landwirtschaftlichen Flächen Keime verteilt würden. Inhaltsstoffe der Desinfektionsmittel schädigten zusätzlich den Boden und das Grundwasser.

Mehrere Studien belegten auch, dass multiresistente Keime bis zu mehreren Kilometern entfernt nachweisbar seien, teilten die Initiativen mit. Da die Schule und auch Anwohner "deutlich weniger als 500 Meter" von den geplanten Ställen seien, sei die Gefahr für Schüler und Anlieger groß, zu Trägern von multiresistenten Keimen zu werden. "Dadurch sind nicht nur diese Personen selbst gefährdet, sondern auch ihre gesamte Umgebung", heißt es im Antrag beider Initiativen.

Sorgen machen sich die Gegner auch für den Fall, dass durch fallende Preise aufgrund eines mittelfristig gesättigten Marktes die Produktion für Stall-Betreiber unrentabel werde. Wer denn bei einer Zahlungsunfähigkeit des Investors den Rückbau der Ställe bezahle, wollen die Tonnenheider und Tengerner daher wissen und fragen, ob dieser Aspekt bei Genehmigungen berücksichtigt werde.


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