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24.11.2012
Stemwede
"Sie verzaubert uns alle"
Vierjährige Sia war der Grund für das Projekt Afrika in der "Rappelkiste"
VON HANS KRACHT

Das macht richtig Spaß

Stemwede-Westrup. Sia ist ein offenes und fröhliches Mädchen. Sie hat sich schnell in der "Rappelkiste" eingelebt, hat Freunde gefunden und fühlt sich wohl. Sia war auch der Grund, warum in der Kindertagesstätte jetzt ein ganz besonderes Projekt stattfand. Es hatte das Motto Afrika. Die vierjährige Sia kommt nämlich aus Afrika. Und wie sie nach Deutschland kam, das klingt schon etwas abenteuerlich.

2009 weilte Stephan Flore als Gastlehrer an der Musikakademie in Freetown in der westafrikanischen Republik Sierra Leone. Eines Tages kam auf dem örtlichen Markt eine Frau auf Martina Weiffen-Flore zu und flehte sie an, ihr Kind mitzunehmen und zu retten. Die Schulleiterin der Montessori-Grundschule in Haldem und der Musiklehrer waren bewegt – und fassten schließlich den Entschluss, das Kind zu adoptieren und so die Not ein wenig zu lindern.

Was sie nicht erwartet hatten: dass es so lange dauern sollte, bis sie Sia mit nach Stemwede nehmen konnten. Drei Jahre dauerte das Adoptionsverfahren mit den deutschen und afrikanischen Behörden. Zuletzt im Sommer verbrachten die beiden Pädagogen nocheinmal zwei Monate in Sierra Leone, weil das Verfahren stoppte. Doch dann stimmten die Behörden zu, und Sia fand ihr neues Zuhause bei Martina Weiffen-Flore (48) und Stephan Flore (53). Und seit Anfang Oktober besucht sie die "Rappelkiste".

Kindergartenleiterin Stefanie Klepper, Martina Weiffen- Flore und Bianca Dietze-Schäfer, Sozialpädagogin an der Montessori-Grundschule und Mutter eines Kindes in der "Rappelkiste", entwickelten das "Projekt Afrika". "Wir wollten den Kindern veranschaulichen, wie Sia aufgewachsen ist und wie sie gelebt hat, damit sie eine Vorstellung vom Leben in Westafrika bekommen", erläuterte Stefanie Klepper. Schließlich sei Sia in Sierra Leone geboren und stamme damit aus einer ganz anderen Kultur.

Martina Weiffen-Flore erzählte den Kinder ein afrikanisches Märchen, zeigte Fotos aus dem Land und erläuterte einiges dazu. Die Kinder erkannten auf einigen Bildern ihre neue Freundin wieder.

Die Schulleiterin zeigte den Kindern auch Kleidung, die Sia in Afrika getragen hat, sowie Schmuck, Sandalen, Tücher und Musikinstrumente.

Als nächstes stand das Ausmalen von Mandalas mit Giraffen und Elefanten auf dem Programm sowie die spielerische Vermittlung von Informationen über die Lage Afrikas auf der Weltkarte.

Wichtig war es Martina Weiffen-Flore zu zeigen, dass die Bevölkerung in Sierra Leone nicht ausschließlich in Basthütten lebt, sondern es durchaus auch europäisch aussieht. Aber es gebe auch große Armut in dem Land.

Zum Abschluss wurde mit Bianca Dietze-Schäfer getrommelt, da Trommeln in Afrika auch in vielfältigen Ausführungen und Größen existieren und von der Bevölkerung gerne eingesetzt werden.

Und zum Mittagessen gab es auch ein afrikanisches Gericht – Sias Leibgericht: Reis mit Cassava-Blättern. "Da wir diese Blätter nicht hatten, nahmen wir Grünkohl", so Stefanie Klepper. "Schmeckt ähnlich", sagte Sia. In Sierra Leone besuchte sie eine Montessori-Privatschule, in der schon viel verlangt wurde; ihr Wissensstand entspreche daher dem eines Vorschulkindes.

"Wir beobachten täglich die Fortschritte in ihrer neuen Umgebung", berichtet Stefanie Klepper. "Anfangs sprach sie nur Englisch und jetzt mischt sie deutsche und englische Vokabeln. Sie hat zu Hause gesagt, dass sie ab sofort nur noch Deutsch reden möchte, denn schließlich sprechen ihre Freunde auch Deutsch."

"Berührungsängste gibt es nicht", sagt die Kindergartenleiterin. "Wir beobachten noch oft, dass die Kinder gegenseitig ihre Haut und Haare berühren. Sia verzaubert uns alle."



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