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18.11.2012
Bad Lippspringe
Sitzenbleiben ist an der Gesamtschule Geschichte
Konzept vorgestellt / Montag erste Informationsveranstaltung
VON ANNIKA FALK

Experte | ARCHIVFOTO: KOSCHNIK

Bad Lippspringe. Der Trend geht zur Gesamtschule – auch in der Badestadt. Die Mitglieder der Schulausschusses konnten sich jetzt von dem pädagogischen Konzept für die neue Schule überzeugen. Am Montag folgt die erste Elterninformation in Schlangen. Dann wird sich eine aussichtsreiche Kandidatin für die Schulleiter-Stelle vorstellen.

Als "weise, zukunftsträchtige Entscheidung" lobte Diderk Wirminghaus den Entschluss des Stadtrates, eine vier- bis fünfzügige Gesamtschule zu gründen. Der ehemalige Leiter der Bielefelder Gesamtschule Rosenhöhe hat mit einem 16-köpfigem Arbeitskreis, dem auch Vertreter der Schulen in Bad Lippspringe und Schlangen angehören, ein Konzept entwickelt.

Info

Kinder zur Anmeldung mitbringen

Das Konzept wird an zwei Informationsabenden vorgestellt, am 19.November, um 20 Uhr im Bürgerhaus in Schlangen und am 4. Dezember, um 20 Uhr in der Bad Lippspringer Schulmensa.

Die Anmeldungen finden vom 4. bis 6. Februar 2013, jeweils zwischen 9–12 sowie 16–19 Uhr statt. Wichtig sei, die Kinder mitzubringen, so Diderk Wirminghaus. Es gehe nicht nur um den Anmeldezettel, sondern um erste Gespräche mit der Schulleitung. Kommen die erforderlichen 100 Anmeldungen für die Vierzügigkeit zusammen, wird es an der Realschule keine Neuaufnahmen für 2013/14 geben. Sie läuft dann 2018 aus.

Der Paderborner Schuldezernent Wolfgang Walter hat indes spekuliert, dass die neue Schule der Paderborner Friedrich-von-Spee-Gesamtschule bis zu 30 Schüler kosten könnte. Weitere Informationen unter www.bad-lippspringe.com/gesamtschule

Darin machte er deutlich, was für die Gesamtschule spricht. Es könnten alle Abschlüsse allgemeinbildender Schulen erreicht werden – vom Haupt- über den mittleren Schulabschluss bis hin zum Abitur. "Durch zentrale Abituraufgaben ist es absolut gleichwertig zum Gymnasium", so Wirminghaus.

Alle Schüler auf ein Level bringen

Die Klassen werden zudem von zwei Klassenlehrern betreut. "Wenn ein Kind mit einem Erwachsenen nicht klar kommt, ist da noch ein anderer", so Wirminghaus. Anders als an anderen Schulen soll es ausgewiesene Klassenlehrer-Stunden geben, die nicht vom Fachunterricht des Kollegen abgehen.

Außerdem wird es bis zum Jahrgang 9 kein Sitzenbleiben geben. "Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell", weiß der Bildungsexperte. "Das Offenhalten von Karrieren ist für Schüler wichtig." Theoretisch könnten besonders Leistungsstarke auch eine Klasse überspringen.

"Die Unterschiedlichkeit der Schüler wird als Bereicherung und Chance wahrgenommen", nahm Wirminghaus der Angst einiger Eltern den Wind aus den Segeln. Sie befürchten, dass die starken Schüler eher auf der Strecke bleiben. Es gebe Forder- und Förderstunden, um "alle Schüler auf ein Level zu bringen".

Berufswahl-Siegel angestrebt

Als Vorteil sieht der pensionierte Deutsch- und Philosophielehrer auch, dass die Schüler in der Gesamtschule neun Jahre bis zum Abitur haben: "Viele Eltern sind nicht sehr glücklich über G8."

Die Schüler setzen künftig ab der sechsten Klasse Schwerpunkte in Wahlpflichtfächern. So kann Französisch als zweite Fremdsprache neben Englisch belegt werden, ab der achten Klasse auch Latein – um für bestimmte Fächer an der Universität vorzubereiten. Eine Vertiefung kann in den Naturwissenschaften oder im Fach Arbeitslehre erfolgen. Künstlerisch interessierte Schüler können ihr Talent im Fach "Darstellen und Gestalten" ausprobieren.

"Die Fächer müssen vorbereiten auf die Welt, in der andere Zusammenhänge herrschen als im Schulalltag", ist Wirminghaus wichtig. So strebt er für die neue Gesamtschule auch das Siegel der Peter-Gläsel-Stiftung als "Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule" an. Für die Freizeit-Angebote an der Ganztagsschule will man örtliche Vereine mit ins Boot holen.

Kollegen der Realschule aufnehmen

Neu ist zudem die Länge: Eine Unterrichtsstunde soll 60 Minuten betragen. "Das wirkt für die meisten Fächer beruhigend", so Diderk Wirminghaus. "Es lässt sich konzentrierter auf etwas eingehen." Doch es setze voraus, dass der Unterricht gut sei. Seine Schüler in Bielefeld haben das Problem vor der Umstellung auf die neue Taktung bildlich verdeutlicht: "Ein Kaugummi, der ausgelutscht ist, wird nicht besser, indem man ihn zieht."

Andreas Schmidt, der Realschul-Leiter, sieht jedoch ein Problem mit dem Gong, solange die Realschule im Schulzentrum parallel laufen würde: "Der lässt sich nur für alle Räume schalten." Wirminghaus bekräftigte erneut seinen Wunsch, ins Gründungsteam der Gesamtschule auch Kollegen der Realschule aufzunehmen.

 Denn zum Beispiel beim bilingualen Unterricht und der Geigenklasse will man sich an der Realschule ein Vorbild nehmen: "Es wäre dumm, wenn das Tolle, was die Realschule macht, nicht wieder aufgenommen wird", so Wirminghaus. Der neuen Schulleiterin, die zeitnah kommissarisch benannt werden soll, bleibt also die Aufgabe, nicht nur die neue Schule, sondern auch eine gute Zusammenarbeit mit der Realschule auf den Weg zu bringen.



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