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20.11.2012
Paderborn
Paderborner Theaterchefin wechselt fast gesamtes Ensemble aus
Katharina Kreuzhage schickt 22 Mittarbeitern die "Nichtverlängerungsmitteilung"

Katharina Kreuzhage | FOTO: R. ROHLF

Paderborn (st). In der ostwürttembergischen 67.000-Einwohner-Stadt Aalen verzückt zurzeit der unterhaltsam-satirische Liederabend "Am offenen Herzen" das Publikum des Stadttheaters. Es ist die jüngste Inszenierung unter der Theaterleitung von Katharina Kreuzhage. 2013 wechselt die 48-Jährige als neue Intendantin nach Paderborn.

Auch die Vorboten dieses Wechsels muten aus Sicht mancher Paderborner Theaterfreunde wie eine Operation "Am offenen Herzen" an - am Herzen der Paderborner Bühne. Gegenüber der NW hatte die Nachfolgerin der amtierenden Intendantin Merula Steinhardt-Unseld im Oktober angekündigt, die von ihr geplanten personellen Veränderungen in Paderborn beträfen "insgesamt etwa 10 Stellen". Doch Kreuzhage, die nicht nur Theaterregie studiert hat, sondern auch Wirtschaftswissenschaften, greift offenbar zum eisernen Besen: 22 mit befristeten Verträgen beschäftigte Mitarbeiter müssen das neue Haus am Neuen Platz verlassen.

Kreuzhage hat ihnen nach arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Anhörungsgesprächen, die Ende September/Anfang Oktober stattfanden, die sogenannte "Nichtverlängerungsmitteilung" ins Haus flattern lassen. Betroffen sind unter anderem neun der zehn festangestellten Schauspieler des Theaters und damit fast das komplette Ensemble. Das Publikum der Spielzeit 2013/14 wird sich auf viele neue Gesichter einstellen müssen. Der Paderborner Bühne erhalten bleibt allein Willi Hagemeier (57). Das Urgestein der Kammerspiele, seit 1988 hier unter Vertrag, hat aufgrund seiner langen Paderborner Bühnenjahre den Status "unkündbar".

Dass mit einem Intendantenwechsel personelle Veränderungen beim Theaterpersonal einher gehen, ist an deutschen Bühnen durchaus üblich. Das Ausmaß der in Paderborn bevor stehenden "Umbesetzung" hat allerdings auch Insider des Theaterbetriebs gründlich überrascht. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei "nicht so gut", wurde gestern am Neuen Platz eher vorsichtig formuliert.

Der musikalische Leiter Gerd Gemke und der Leitende Dramaturg Jörg Uhl arbeiten seit mehr als 15 Jahren am Paderborner Theater. Das hat sie vermutlich - wie Willi Hagemeier - vor der "Nichtverlängerungsmitteilung" geschützt. Auch Personal der technischen Ressorts und der Verwaltung muss gehen, darunter die Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeit. Betroffen sind auch handwerkliche Berufe. So muss ein Maler des Theaters gehen, dem die heutige Intendantin einen befristeten "Normalvertrag" des Deutschen Bühnenvereins förmlich aufgedrängt haben soll.

Bürgermeister Heinz Paus als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Theater Paderborn-Westfälische Kammerspiele GmbH mochte gestern zu den personellen Folgen des Intendantinnen-Wechsels, der mehr als ein Drittel der 62,5 Stellen des Theaters trifft, nicht Stellung nehmen. Katharina Kreuzhage sah von einer zunächst ins Auge gefassten Presseerklärung ab.

Am Theater Paderborn wird bereits für ein turbulentes Silvesterstück geprobt. Es heißt "Der nackte Wahnsinn".

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Kann man die Entscheidung nicht rückgängig machen? Warum muss sich den PB jemanden aus der Provinz holen und noch dazu aus Schwaben! Und anschließnd werden wieder alle eingestellt und ein neuer Intendant gesucht?

@der theatralische Monolog

Im Mittelalter hängengeblieben oder zuviel getrunken? Und was soll das Gesinde sein?

@kunstfuzzy
Ihr Nick passt! armselig

Hat eigentlich mal jemand Frau Kreuzhage gefragt, warum sie sich von so vielen Mitarbeitern trennen will? Ist sie mit der Qualität der Arbeit nicht zufrieden oder geht’s ihr nur darum, dem Theater ihren Stempel aufzudrücken? Und wo kommen nun die neuen Mitarbeiter her, die die Entlassenen ersetzen werden? Bringt sie vielleicht ihre Lieblingskollegen aus Aalen mit nach Paderborn? Haben die Aufsichtsratsmitglieder gewusst, welcher Kahlschlag hier veranstaltet wird?
Viele Fragen, aber keine Antworten.

"Du Brut des Bösen! Was hast du uns angetan? Erdreistest dich hier einzufallen und für großen Unmut zu sorgen! Gar schämen solltet ihr euch! Keinen Handschlag hat ihr gearbeitet, schickt aber das Gesinde vor die Türe! Welch Belzebub euch wohl geritten hat? Brutus soll richten über Ehre und Glanz dieses Hauses, euch aus der Stand vertreiben mit Schimpf und Schande, auf das wieder Ruhe einkehrt an diesem Ort der kunstvollen Besinnung. So wie du bist eingefallen, so mach dich mit Sack und Klüngel wieder auf ins Land. Doch beflecke uns nicht weiter mit solchen Irrsinnstaten! Ziehe des Weges gar schnell. Die Rösser sind angespannt, die Kutsche wird dich weit fort bringen!"



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