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27.11.2012
Paderborn
Schläge und Schüsse auf dem Parkplatz
Vier Angeklagte stehen seit gestern vor Gericht

Paderborn (JS). Eigentlich erleichtern Geständnisse die Arbeit eines Gerichts. Allerdings gilt auch hier der Grundsatz, dass die Wahrnehmung stets subjektiv ist. Und dann kann es doch zu Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung kommen. So konnte gestern die Jugendstrafkammer des Landgerichts Paderborn noch nicht das Dunkel beseitigen, das über einer Schlägerei liegt, bei der ein Student im August 2011 beträchtlich verletzt wurde. Dort müssen sich vier 19 und 31 Jahre alte Männer unter anderem wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Am 12. August vergangenen Jahres war es auf dem Parkplatz eines Supermarktes unstreitig zu einer Schlägerei zwischen mehreren Männern gekommen. Ein 24-jähriger Student erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und etliche Prellungen.


Ein Vorkommnis, dass die Angeklagten zumindest teilweise auf ihre Kappe nahmen. Der 19-jährige Kevin N. (alle Namen geändert) gestand, den Studenten mit einem Baseballschläger mindestens einmal geschlagen zu haben. Er habe sich letztlich im Vorfeld von dem 24-Jährigen bedroht gefühlt, sagte Kevin N., mochte aber nicht genauer ins Detail gehen. Auch Ralf K. zeigte sich zumindest teilweise geständig und gab zu, auf dem Parkplatz seine Schreckschusspistole abgefeuert zu haben. "Ich weiß, dass ich da Mist gemacht habe", befand der 31-Jährige, während Kuno C. sich innerhalb des Geschehens als Streitschlichter darstellte und der vierte im Bunde zugab, seine drei Freunde zum Tatort chauffiert zu haben.

Doch auch nach diesen Aussagen, die das Gericht einige Stunden lang beschäftigen, blieb der Fall unter so einigen Aspekten ungeklärt. Schließlich bekundete das 24-jährige Opfer zwar nachdrücklich, von drei Männern verprügelt worden zu sein, zeigte sich aber sonst in seiner Darstellung von Details eher zurückhaltend. Und so gilt es für das Gericht unter dem Vorsitz von Dr. Thomas Falkenkötter unter anderem noch zu klären, ob auch der 24-Jährige einen Baseballschläger bei sich hatte, als er auf den Parkplatz kam, wie alle vier Angeklagten unisono berichteten, ob der 31-Jährige gleich mehrfach mit seiner Schreckschuss-Pistole schoss und wer aus dem Quartett noch auf den Studenten einschlug, als dieser bereits am Boden lag.

Doch in einem waren sich Opfer und Angeklagte weitgehend einig: Drogen seien bei der Schlägerei nicht der Hintergrund gewesen. Das hatten die Ermittler anfangs vermutet. "Wenn es um Drogengeschäfte ginge", brachte es Kevin N. in seiner Einlassung auf den Punkt, "dann würde sich doch niemand so auffällig auf einem Supermarkt-Parkplatz kloppen."

Der Prozess wird heute sowie am 10. Dezember mit der Vernehmung zahlreicher Zeugen fortgesetzt.



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