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28.11.2012
Paderborn
29-jähriger Student unterschlägt fast 20.000 Euro Fachschaftsgelder
Zu 16-monatiger Bewährungsstrafe verurteilt
VON JUTTA STEINMETZ

Paderborn. Eigentlich hatte sich Christian H. (Name geändert) ganz der Literatur und ihrer Erforschung verschrieben. Nichtsdestotrotz kam der Paderborner vom Wege ab, als er in der Funktion des Schatzmeisters der Fakultät für Kulturwissenschaften an der Universität seit 2008 immer wieder für eigene Belange in die studentische Kasse griff. Er richtete damit einen Gesamtschaden von fast 20.000 Euro an.

Am Dienstag wurde der 29-Jährige vor dem Schöffengericht wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer 16-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem ordnete das Gericht an, dass Christian H.sofort mit dem Ausgleich des Schadens zu beginnen hat.


An und für sich war das Thema Finanzen so gar nicht das Ding von Christian H. Doch als sich in der Fakultät für Kulturwissenschaften niemand für die Besetzung des Schatzmeisters finden wollte, ließ sich der Paderborner breitschlagen. Schließlich hatte er schon lange immer wieder ehrenamtliche Positionen innerhalb der Universität und der studentischen Selbstverwaltung bekleidet.

In allererster Linie sehr verführerisch

Anfangs hatte Christian H. nur mit Zustimmung anderer Studierendenvertreter Zugriff aufs Fachschaftsgeld. Doch das sei irgendwann nicht mehr machbar gewesen und da habe er auf Anregung und Weisung des Vorsitzenden ein neues Konto auf seinen Namen für die Fachschaft eingerichtet, erklärte der Angeklagte den Richtern.

Aber das, was so praktisch erschien, war in allererster Linie sehr verführerisch. Denn als der Literaturwissenschaftler 2008 erstmals in finanzielle Schieflage geriet, war die Versuchung zu groß. Vom Konto der Fachschaft hob Christian H. Geld ab, um seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Damals habe er es geschafft, das Geld zurückzuzahlen, sagte der junge Mann. Trotzdem war damit der erste Schritt auf die schiefe Bahn getan. Denn fortan bediente er sich immer wieder der Gelder seiner Studienkollegen, wenn es knapp im eigenen Portmonee wurde.

"Ich habe das kurzfristig als Linderung des finanziellen Drucks empfunden", sagte H. "Aber irgendwann wurde das zum Automatismus." Einen Hang zu Luxusreisen, schnellen Autos oder aufwändigem Lebensstil befriedigte er so allerdings nicht. Vielmehr beglich er aus der Fachschaftskasse den ganz normalen Einkauf, die Semestergebühren oder die Telefonrechnung und löste auch mal ein Studiendarlehn ab.

"Ich schäme mich unglaublich"

Und das völlig unbehelligt, denn in all den Jahren gab es nicht eine Kassenprüfung. Dass es mit Ende des Studiums zu einer Kontoübergabe kommen würde, bei der alles ans Tageslicht käme, das habe er verdrängt, sagte H. Bis zum Sommer dieses Jahres, als das kriminelle Treiben des frischgebackenen Magisters aufflog. Seitdem habe er mit den harten sozialen Konsequenzen zu leben, sagte Verteidigerin Stephanie Risse. "Mein Mandant ist an der Uni zur Persona non grata geworden. Er kann sich dort nicht mehr sehen lassen."

"Ich schäme mich unglaublich", sagte der 29-Jährige und sprach bewegt von den vielen Menschen, "die ich seit vielen Jahren sehr gemocht und deren Vertrauen ich hintergangen habe". Aber auch von seiner Alma Mater, wo er gern seine wissenschaftliche Karriere weiter verfolgt hätte. "Das ist jetzt nicht mehr möglich." Der Doktortitel, den der Literaturwissenschaftler ganz fest ins Visier genommen hatte, ist für ihn unerreichbar geworden. Er arbeitet nun als freier Texter und will demnächst in Berlin sein Glück versuchen.

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