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11.09.2013
Paderborn
Ein Plausch mit Müntefering
BUNDESTAGSWAHL: Einstiger SPD-Chef wirbt auf dem Kaukenberg um Stimmen

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Paderborn. Franz Müntefering steht im Regen. Doch er macht weiter, gibt nicht auf. Mit einem Lächeln auf den Lippen - ein paar nette Worte hat er auch parat - bringt der einstige Bundesvorsitzende der SPD in der Paderborner Innenstadt rote Rosen unters Volk.

Müntefering, 73, Politiker durch und durch, ist gestern nach Paderborn gekommen, um den hiesigen Spitzenkandidaten der SPD, Burkhard Blienert, vor der Bundestagswahl zu unterstützen. Sein erster Auftritt erfolgt an einem Ort, der im Stadtbild von Paderborn nicht immer präsent ist: der Kaukenberg.


"Wir wollen hier ein Zeichen setzen", erklärt der heimische Kandidat Blienert. Denn in Stadtteilen wie dem Kaukenberg, wo Arbeitslosenquote und Migrantenanteil besonders hoch seien, falle die Wahlbeteiligung traditionell recht gering aus. Blienert: "Viele Leute glauben einfach nicht, dass die Politik Probleme lösen kann. Deswegen möchten wir Präsenz zeigen und uns nicht verstecken."

Und präsent ist Franz Müntefering allemal: Zwar interessieren sich die Jungen und Mädchen der Kindertageseinrichtung Mistelweg eher für das Popcorn am Infostand der SPD, mit den älteren Kaukenberg-Anwohnern kommt Müntefering nach dem obligatorischen Händeschütteln aber sofort ins Gespräch. Die Hauptthemen: Wohnungsbau und Stadtentwicklung sowie eine immer älter werdende Gesellschaft.

"Viele Städte schaffen für die zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen stationäre Einrichtungen - doch das ist nicht die beste Lösung", meint Müntefering, der sich jüngst nach mehr als drei Jahrzehnten aus dem Parlament verabschiedet hat. Vielmehr müssten Lösungen geschaffen werden, die dafür sorgten, "dass Menschen so lange wie möglich in ihren Wohnungen leben können". In Siedlungen wie dem Kaukenberg seien soziale Zentren nötig, so Müntefering weiter. "Es muss die Möglichkeit geben, dass sich die Menschen Ratschläge für Pflege und Betreuung holen können."

Die Worte des SPD-Urgesteins scheinen bei den Passanten gut anzukommen. Auch der 19-jährige Alexander Keil - er hat einen Großteil seiner Kindheit auf dem Kaukenberg verbracht - kommt mit Müntefering ins Gespräch. "Ich wollte wissen, wie in Paderborn neue Wohnräume entstehen können, denn hier gibt es so gut wie gar keinen Leerstand", sagt er. Müntefering setzt dabei auf den Gedanken soziale Stadt: "Die Kommunen brauchen eine größere Planungs- und Entscheidungsfreiheit."

Müntefering ist als Wahlkampfhelfer in seinem Element - und das, obwohl er noch vor wenigen Wochen seinen Parteikollegen schwere Versäumnisse im Wahlkampf vorgeworfen hatte. Doch das scheint inzwischen abgehakt. "Seit dem Kanzlerduell ist neuer Schwung da - Peer ist gut drauf, die Stimmung in Berlin ist besser geworden." Eine schwarz-gelbe Regierung werde es nach der Wahl definitiv nicht mehr geben. "Die Chancen für Peer Steinbrück sind da."

Und deswegen macht Franz Müntefering weiter. Unermüdlich verteilt er Rosen. Auch im Regen.



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