Bad Wünnenberg. Die rollenden Wohnzimmer sind blank geputzt, die Polster für die Sitzgarnitur werden vom Dach heruntergeholt und der Grill in die Mitte des Platzes geschleppt. Im Wohnmobilhafen am Eingang des Aatals ist an diesem Samstagnachmittag auf der Fläche der alten Genossenschaft richtig was los.
"Heute ist Ancampen", sagt der Bad Wünnenberger Michael Stute und lacht. "Das machen wir bereits im vierten Jahr. Schon nach Weihnachten wird danach gefragt", sagt der Masseur. So bekommt er von einem früheren "Spieß" der Bundeswehr aus dem münsterländischen Ahlen stets entsprechende Weihnachtspost. Auch Freundschaften haben sich laut Stute bereits entwickelt.
Niederländer mit Zollstock
Der Wohnmobilhafen befindet sich "In den Erlen 2" in Bad Wünnenberg.
Er ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Wünnenberg, dem Verkehrs- und Kneippverein und der Bad Wünnenberg Touristik GmbH.
Er bietet Platz für zwölf Wohnmobile.
Es gibt einen Stromanschluss, Frischwasserversorgung und die Entsorgung.
Das Wasser kann von April bis Oktober genutzt werden.
Die Übernachtung kostet 4 Euro pro Wohnmobil und Nacht.
2011 wurden rund 2.000 Übernachtungsgäste registriert.
Im September bevölkerten Niederländer mit 30 Fahrzeugen den Platz. Sie hatten den Platzbedarf zuvor mit einem Zollstock genaustens ausgemessen.(ag)
Den Platz für rund zwölf Wohnmobile mit einer Entsorgungs- und Versorgungsstation gibt es bereits seit dem Jahr 2005. Michael Stute hat zehn Jahre lang dafür gekämpft. "Der Süden des Kreises Paderborn war für uns Wohnmobilisten so etwas wie ein Notstandsgebiet", schildert der Masseur.
Auf dem städtischen Grundstück geht es jedes Jahr rund. Die Zahl der Übernachtungsgäste steigt stetig. "Wir haben auch viele Wiederholungstäter", freut sich Stute. Der Wohnmobilhafen kurbele auch den Fremdenverkehr an. Die heimischen Geschäfte und die Gastronomen hätten auch etwas von den Besuchern, die aus ganz Deutschland nach Bad Wünnenberg kämen. Ein Bäcker bringe sogar samstags frische Brötchen vorbei.
Im Durchschnitt fahren die Wohnmobilisten rund 10.000 Kilometer im Jahr. Zum "Ancampen" sind auch viele Bad Wünnenberger mit ihren Fahrzeugen mit von der Partie. Sie alle haben eine kurze Anreise, da gibt es wenigstens keine Stauprobleme.
"Wo das Wetter schön ist, fahren wir hin. Mit dem Wohnmobil ist man sehr flexibel und kann mal eben einen Kurzurlaub einschieben", sagt Jo Kleinschnittger (48) aus Bad Wünnenberg. Den macht er jetzt direkt vor seiner Haustür. Übernachtet wird selbstverständlich im Wohnmobil.
Einen längeren Trip haben bereits Heinz und Helene Behrens aus Issum am Niederrhein hinter sich. Die beiden Rentner tingeln durch die Region, haben den Osterlauf in Lügde verfolgt und sich Höxter angeschaut. Den Platz im Aatal hat das rüstige Pärchen im Reiseatlas entdeckt. Mit dem Wohnmobil sind sie bereits seit 1994 unterwegs.
Beide schätzen die Freiheit. "Wir können fahren, wie wir wollen und sind unabhängig", sagt das Duo. Heinz und Helene Behrens genießen die Ruhe im Wohnmobilhafen und auch die Umgebung. "Auch wenn das Radfahren hier zum Teil schon anstrengend ist", sagt der 77-jährige Heinz Behrens und schmunzelt.
Angelika Marfeld hat mit Silas, Anna und Pia gleich drei Enkelkinder im Schlepptau. Seit sechs Tagen sind sie schon in Bad Wünnenberg. Das entlaste mal die Eltern, sagt die Großmutter. Die aktive Seniorin aus Wetter an der Ruhr ist im Wohnmobilhafen so etwas wie ein Stammgast. 15 Mal ist sie ihn bereits angesteuert.
"Das Umfeld mit den Spielplätzen, dem Schwimmbad und dem Streichelzoo ist für die Kinder optimal", sagt sie. Zudem können man sich ganz in der Nähe gut versorgen. Drei Mal ist der Gast von der Ruhr bereits geschwommen. Und auch eine Zwergenwanderung im Hassel haben alle mitgemacht.
Michael Stutes Enkel Noel Geeraerts ist auch mit Wohnmobilen groß geworden. Der 13-Jährige legt gerade die ersten Würstchen auf den Grill und hat bereits die ersten Stühle vom Wagendach geholt.
"Im Wohnmobil bin ich sicher. Ich habe es auch mal mit Zelten probiert, doch das in mir dann bei Blitz und Donner zusammengekracht", erinnert sich Noel lachend.