3.200 Anhänger verwandeln Franz-Stock-Platz in eine Fanmeile / Westerntor für eine Stunde lahmgelegt
Paderborn. Die Pommes waren heiß, das Bier kalt und auch die Eingangskontrollen klappten wie am Schnürchen. Nur beim Spiel der deutschen Mannschaft war zunächst viel Sand im Getriebe. 3.200 Fußball-Fans fieberten am Samstagabend auf dem Franz-Stock-Platz beim Public Viewing mit ihren Lieblingen mit.
Trotz aller Euphorie gab es zwischendurch immer mal ein paar Lücken in der Menge. Und das war auch so gewollt. "Die Leute sollen auf jeden Fall noch durchgehen können", erklärt ein Sicherheitsdienst-Mitarbeiter. Die Live-Übertragungen würden bei jedem Wetter durchgezogen, fügt er hinzu.
Die Portugiesen entpuppen sich als harter Brocken und sind auf Augenhöhe. Es wird ruhiger auf dem Franz-Stock-Platz. Erst nach einem Foul am deutschen Torwart Manuel Neuer wird es wieder lauter. Die Fans machen ihrem Unmut Luft und pfeifen. Auf einem Fan-Trikot steht "Jogis zwölfter Mann". Doch das hilft den deutschen Kickern in der fernen Ukraine zumindest bis zur Pause nicht. In Paderborn sind nur zaghaft Anfeuerungsrufe zu hören.
Kurz vor der Pause fährt den Fans der Schreck in die Glieder. Ein Ball von Portugals Pepe landet zunächst am Lattenkreuz, dann auf der deutschen Torlinie. Glück gehabt Deutschland.
Die Fans bleiben gelassen, haben trotzdem ihren Spaß. Den Fan-Utensilien sind keine Grenzen gesetzt. Viele Mädels haben deutsche Farben auf der Wange, auf dem Kopf tanzen Fahnen oder kleine Bälle. Und die beiden Schwestern Julia und Gabriela Aslan hatten zusammen mit Cousine Felice Aslan ihre Haare in den Nationalfarben gefärbt. Eine Rot, eine Gold und eine Schwarz.
Während die Bad Lippspringerin Mareike Schröder die Gunst der Stunde nutzte und ihren Junggesellinnen-Abschied feierte, hatten sich Josef Peters und Ulrike Henneböhle entsprechend in Schwarz-
Rot-Gold herausgeputzt und schwenkten unverdrossen ihre Fahnen. "Mit vielen Leuten zu schauen, macht einfach mehr Spaß. Das machen wir immer so", sagt das Pärchen aus Steinhausen: "Man muss nur früh genug vor Ort sein, sonst kommt man nicht mehr rein." Das Bangen und Zittern um den Auftaktsieg der Deutschen geht auch in der zweiten Halbzeit weiter. Als Stürmer Mario Gomez 19 Minuten vor Schluss die Fangemeinde mit seinem Treffer erlöst, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Fremde Menschen liegen sich in den Armen. Nach ein paar weiteren Chancen der Portugiesen, die nichts mehr einbringen, macht sich Erleichterung breit. Endlich Schluss. Nicht so für manchen Fußballfan: Rund 1.000 von ihnen ziehen zum Westerntor und legen dort den Verkehr für rund eine Stunde lahm, bevor auch dort wieder alles seinen gewohnten Gang nimmt.