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12.06.2012
PADERBORN
Justizminister gibt den Jura-Pauker
Thomas Kutschaty erteilte am Gymnasium Schloß Neuhaus gut gelaunt Rechtskundeunterricht
VON JUTTA STEINMETZ

Gute Zeuginnen

Paderborn. Dass Rechtskunde alles andere als ein trockenes, ödes und verstaubtes Unterrichtsfach ist, das ist den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Schloß Neuhaus schon lange klar. Gestern wurden sie in ihrer Meinung erneut bestätigt – von Nordrhein-Westfalens Justizminister höchstpersönlich.

Thomas Kutschaty zeichnete einen am Gymnasium entstandenen Film über das Fach nicht nur mit einem Preis aus, sondern hielt auch noch eine Unterrichtsstunde ab. Und die fand bei den gut 400 jungen Rechtskundlern großen Anklang.

Sicher, zunächst will nach alter Schülermanier niemand ganz vorne sitzen in der Aula, wo der SPD-Minister, der 13 Jahre als Anwalt tätig war, einmal eine gute Stunde lang Lehrer sein will. Doch schnell ist das Eis gebrochen. Kein Wunder, denn Thomas Kutschaty hat schließlich mit dem Thema "Vielfältigkeit der menschlichen Wahrnehmung" eine interessante Materie im Gepäck. "Das war bislang bei uns im Rechtskundeunterricht noch nicht Gegenstand", erzählen Maike Paschke und Luisa Fuhrmann aus der Jahrgangsstufe 11 begeistert. Da stünden dann doch mehr Paragrafen und Gesetzestexte auf dem Plan. "Wir bearbeiten eher Fälle als Mini-Richter", schmunzeln die beiden.

Dass es die Frauen und Männer in den schwarzen Roben gar nicht so einfach haben bei der Suche nach der Wahrheit, weil die Wahrnehmung von Zeugen eine diffizile Angelegenheit ist, das macht ihnen der Justizminister nicht mit theoretischen Ausführungen klar. Er zeigt vielmehr gleich mehrere Kurz-Filme, bei denen die Schüler überprüfen dürfen, wie es um ihre Qualität als Zeugen bestellt ist. Genau hinschauen, heißt es da, denn Thomas Kutschaty fragt gezielt nach. Welche Farbe hatte das Hemd des Mannes, der eine junge Frau mit K.O.-Tropfen außer Gefecht setzte? Trug einer der Täter ein Brille? Welche Farbe hatte das Auto, das eine Parkhausschranke beschädigte?

Und vor Kutschatys Fragen ist niemand sicher. Nicht nur die Schüler, auch Direktor Bernhard Gödde und Klemens Thiemann, Präsident des Paderborner Landgerichts, müssen dem Unterricht des Ministers aufmerksam folgen. Doch der spart nicht mit Lob. "Prima! Applaus", belohnt er die richtigen Antworten. Fast mag der Vater von drei Kindern gar nicht von seinem Unterricht lassen. "Müssen wir jetzt kürzen oder haben wir noch ein paar Minuten", fragt Thomas Kutschaty irgendwann, um nach einem bestätigenden Nicken seiner Begleiter noch ein wenig fortzufahren.

Zum Schluss ist der Justizminister selber dran mit der Beantwortung von Fragen. Schließlich wollen die Schüler wissen, was er für die zurzeit wichtigste Aufgabe seines Ministeriums hält (die neue Gestaltung des Strafvollzuges) und was er sich selbst für seine berufliche Zukunft vorgenommen hat (nämlich noch eine Weile NRW-Justizminister zu bleiben). Klar, dass der Essener auch ein bisschen vom eigenen Werdegang erzählt, von seinem ersten Berufsziel Architekt, aus dem aber dann der Rechtsanwalt wurde. Vielleicht sei sein "Helfersyndrom" dafür verantwortlich gewesen, erklärt Thomas Kutschaty seinen Sinneswandel.

Dass es so interessant würde, das habe sie vor der Unterrichtsstunde des Ministers nicht gedacht, sagt Maike Paschke. Damit fasst die Schülerin, die vielleicht selbst nach dem im kommenden Jahr anstehenden Abitur Jura studieren will, nicht nur die Ansicht ihrer gleichfalls begeisterten Mitschüler treffend zusammen. Denn auch Minister Thomas Kutschaty zieht nach dem Unterricht ein positives Resümee. Das sei doch mal etwas ganz anderes gewesen als das Alltagsgeschäft im Ministerium, schmunzelt er zum Abschluss.



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