Salzkotten-Scharmede (fg). Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff bei Radfahrern in Stadt und Kreis Paderborn: Die Pflicht, einen Radweg zu benutzen, ist aufgehoben. Nur wenn eine besondere Gefahrenlage besteht, muss dieser nun befahren werden. Deswegen prüfen derzeit die Kommunen im Kreis ihre Radwege - und müssen je nach Einzelfall mit sogenannten Schutzstreifen nachbessern.
Kreisweit hat bisher nur die Stadt Salzkotten auf das Urteil des BVG reagiert. Schutzstreifen sind zwischen den Ortschaften Niedern- und Oberntudorf, in Oberntudorf selbst und auf dem Ölweg in der Salzkottener Kernstadt vorhanden. In Thüle soll ebenfalls ein Schutzstreifen folgen. In Scharmede winden sich ebenfalls Schutzstreifen entlang der Bahnhofstraße: Zwei Streifen befinden sich in Ergänzung zum Radweg beiderseits des Kreisverkehrs.
Fahrradsymbole auf dem Asphalt weisen ihn als Bereich für Radfahrer aus. "Autofahrer passen besser auf Fahrradfahrer auf und ihre Geschwindigkeit verringert sich ebenfalls", kann Salzkottens Bürgermeister Michael Dreyer berichten.
Schutzstreifen sind anders als Radwege ein Teil der Straße: Sie dürfen von Autos überfahren werden, sofern kein Radfahrer darauf radelt. Autos dürfen dort halten, aber nicht parken.
Um kreisweit auf die Umstellung und auf mehr Fahrradsicherheit hinzuweisen, sind die 12 Scouts der "Aktion sicher auf dem Rad" im Einsatz. Sie sprechen Radfahrer an, wenn diese etwa auf der falschen Straßenseite unterwegs sind. "Über 40 Prozent aller Radunfälle geschehen durch solche Geisterfahrer", erzählt Scout Melanie Meier. Insgesamt zählte die Kreispolizei 2011 über 400 Radfahrunfälle.
Schutzstreifen ergeben an Orten Sinn, die innerorts liegen, die viel befahren sind und wo Ein- und Ausfahrten unübersichtlich sind - also ein gewisses Gefahrenpotenzial bieten.
Die Vorteile der Streifen sind aber vielen Radfahrern nicht bekannt: "Manche fragen sich, warum sie auf die Straße müssen und diskutieren sehr emotional", gibt Landrat Manfred Müller Gespräche mit erbosten Radlern wieder. Daher sei es wichtig, auf die Neureglung aufmerksam zu machen. "Die Schutzstreifen in Scharmede stehen symbolhaft für die künftige Zunahme von Radfahrern im Straßenverkehr", so Müller. Die Aktion solle ein Signal dafür sein, die Augen offen zu halten. Dies gelte für Auto- sowie für Radfahrer.