Paderborn. Auf der Intensivstation des St.-Vincenz-Krankenhauses wurde bei zwei Patienten eine Infektion mit einem gefährlichen Keim festgestellt, ein weiterer Patient wurde als Träger des Erregers identifiziert. Er zeigt derzeit jedoch keine Infektionssymptome. Es handelt sich bei dem Keim um einen multiresistenten Erreger, der bei Patienten schwere Infektionen auslösen kann.
Durch einen routinemäßigen Abstrich nach einer Operation wurde bei einem schwerkranken Patienten auf der Intensivstation des St. Vincenz-Krankenhauses bereits am 27. Juni ein sogenannter "Acinetobacter baumannii-Keim" nachgewiesen, wie das Krankenhaus Sonntagabend in einer Pressemitteilung erläuterte.
Der Patient wurde sofort isoliert und unter entsprechenden Schutzvorkehrungen behandelt. Am Dienstagnachmittag, 3. Juli, wurde der Erreger in der Blutkultur eines weiteren Patienten festgestellt, der an einem bekannten schwer behandelbaren Infekt leidet. Aufgrund des zweiten Vorfalls habe das Vincenz-Krankenhaus die beiden Fälle "unverzüglich und richtliniengemäß an das Paderborner Gesundheitsamt gemeldet", so das Krankenhaus.
Verschärfte Hygienemaßnahmen
Am Mittwochmorgen fand im Vincenz unter Beteiligung des Gesundheitsamtes eine Sitzung mit Ärztlichem Direktor, Leitendem Arzt der Intensivstation, Krankenhaushygieniker, Hygienefacharzt, hygienebeauftragten Mitarbeitern und dem Leiter der Intensivpflege statt, um notwendige Maßnahmen zu besprechen und zu ergreifen.
Dazu gehörte unter anderem, dass alle Patienten der Intensivstation noch am Mittwoch auf den Keim getestet sowie verschärfte Hygienemaßnahmen umgesetzt und erneute Hygieneschulungen durchgeführt wurden. Das Ergebnis der Tests wurde am Freitagmorgen in einer Sitzung der erweiterten Hygienekommission unter Teilnahme von Geschäftsführung und Gesundheitsamt vorgestellt.
Im Zuge der Tests konnte ein dritter Patient als Keimträger identifiziert werden, ohne dass bei ihm eine Infektion aufgrund des Erregers vorliegt.
Auf den Keim untersucht
Um den Keim zu entfernen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden verschiedene weitere Sofortmaßnahmen beschlossen, die noch am Freitag eingeleitet und teils auch bereits durchgeführt wurden. Unter anderem wurde ein vorübergehender Aufnahmestopp für die Intensivstation verhängt.
Sowohl der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes als auch die anderen Paderborner Krankenhäuser wurden darüber informiert, um sich auf eventuelle Mehraufnahmen vorbereiten zu können. Darüber hinaus stehen während des Intensiv-Aufnahmestopps drei Anästhesisten des Vincenz bereit, um eventuell vermehrt anfallende Transporte in andere Krankenhäuser begleiten zu können. So kann beispielsweise die Erstversorgung von Patienten mit Herzinfarkt weiterhin im Vincenz erfolgen.
Noch am Freitag wurden Abstriche von allen kritischen Stellen und Flächen auf der Intensivstation sowie in allen weiteren Räumlichkeiten, die von den betroffenen Patienten kontaktiert wurden, abgenommen. Diese werden nun auf den Keim untersucht. Danach erfolgte unter Überwachung der Hygienefachkräfte eine vollständige Grundreinigung und Desinfektion dieser Bereiche. Auch von den Patienten auf der Intensivstation wurden am Freitag weitere Abstriche genommen. Das Ergebnis der Tests wird am Montagvormittag erwartet.
Da ein geringer Anteil der Patienten diesen Keim regelhaft in sich trägt (sog. spontane Besiedlung), wird vermutet, dass der erste Patient der sogenannte "Indexpatient" ist. Auf welchem Wege sich die beiden anderen Patienten mit dem Keim angesteckt haben, wird derzeit überprüft. Beide Patienten haben eine schwere Grunderkrankung. Einer der Patienten befindet sich in einem kritischen Zustand, der jedoch nicht auf die Keiminfektion zurückzuführen ist. Der andere Patient ist derzeit stabil.
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