Intendantin Merula Steinhardt-Unseld präsentiert das Programm ihrer letzten Spielzeit
Paderborn. Bei der "Schlauen Susanne" im Neuhäuser Schloss ist der letzte Vorhang gefallen, das Theater Paderborn verabschiedet sich in die verdienten Sommerferien. Die vielen Fans der Bühne können aber schon im neuen Programm blättern und sich ihre Favoriten für die nächste Spielzeit heraussuchen. Intendantin Dr. Merula Steinhardt-Unseld hat ihren letzten Spielplan vorgelegt, der unverkennbar ihre Handschrift trägt: Große alte Klassiker und viele neue, zeitgemäße Stücke. Eine im besten Sinne des Wortes bewährte Mischung, die dem Theater Paderborn in den vergangenen Jahren einen stetig wachsenden Zuspruch beschert hat.
Traditionsgemäß wird ein Klassiker die neue Saison am 7. September eröffnen. Das Wort KLASSIKER darf man in diesem Fall getrost ganz groß schreiben: "Romeo und Julia" – nicht nur eines der bekanntesten Werke William Shakespeares, sondern auch das berühmteste Liebesdrama der Weltliteratur. Trotzdem eine kurze Inhaltsangabe :
Die Familien Montague und Capulet in der italienischen Stadt Verona sind bis aufs Blut verfeindet. Romeo Montague schleicht sich verbotenerweise bei einem Fest der Capulets ein und verliebt sich dort in deren Tochter Julia. Die beiden lassen sich heimlich trauen. Doch Romeos Versuch, der feindlichen Familie freundschaftlich die Hand zu reichen, scheitert. Der erbarmungslose Hass des Familienzwistes treibt die beiden Liebenden letztlich in den Tod.
Am Theater Paderborn wird Romeo und Julia von Maya Fanke inszeniert. Für Bühne und Kostüme zeichnet Julia Burde verantwortlich. Es spielen: Wolfgang Erkwoh, David Fuchs, Willi Hagemeier, Thomas Heller, Simon Keel, Daniel Kozian, Hella-Birgit Mascus, Franziska Schlaghecke, Johann Schiefer und Birgit von Rönn.
Das Kontrastprogramm zum großen Klassiker startet einen Tag später am 8. September im Theatertreff. Auch eine Liebesgeschichte, aber angesiedelt im 21. Jahrhundert: "Gut gegen Nordwind" – mit diesem Roman gelang Daniel Glattauer 2006 ein Bestseller-Erfolg. Inzwischen hat die unterhaltsame Beziehungsgeschichte auch die Bühnen erobert. Statt der altmodischen "Inhaltsangabe" liefern wir dazu zeitgemäß die "Story":
Durch einen Tippfehler landet eine E-Mail von Emmi Rothner irrtümlich bei Leo Leike. Leo antwortet, und es beginnt eine amüsante Plauderei zwischen den beiden. Mit jeder weiteren Mail kommen sich Emmi und Leo näher und mit der Zeit stellt sich den beiden die Frage: Könnte das, was sich aus ihrer anfänglichen Freundschaft entwickelt hat, auch Verliebtheit oder sogar Liebe sein? Die Frage wühlt beide sehr auf: Würden die virtuellen Liebesgefühle einer persönlichen Begegnung standhalten?
In der Regie von Nina Pichler spielen Rafael Meltzer und Simone Ascher. Um Bühne und Kostüme kümmert sich Julia Bührle-Nowikowa.
Dass Klassik und Moderne keine Gegensätze sein müssen, beweisen schließlich die zahlreichen zeitlosen Theaterstücke, die trotz ihres betagten Alters immer wieder aktuell werden. Wie "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann, die 1911 Premiere in Berlin hatten und die in Paderborn am 1. Februar 2013 auf die Bühne kommen. Es geht um Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Um die tragische Geschichte der Putzfrau Henriette John, die nach dem Tod ihres Sohnes um jeden Preis ein zweites Kind will, rankt Hauptmann in den "Ratten" ein satirisches Bild des Berliner Milieus, in dem die Ängste des Kleinbürgertums mit den verklärten Ansprüchen der Bourgeoisie zusammenprallen.
Die Premieren der weiteren Stücke im Haupthaus:
Harper Regan, von Simon Stephens, am 12. Oktober.
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Familienstück ab 15. November.
Der nackte Wahnsinn, von Michael Frayn, im Dezember.
The Painter, über den englischen Maler William Turner, von Rebecca Lenkiewicz, am 15. März 2013.
Die Dreigroschenoper, von Bertolt Brecht und Kurt Weill, Musiktheater, am 26. April 2013.
Das Leben ein Traum, von Calderón de la Barca, Freiluftstück im Innenhof von Schloss Neuhaus, im Juni 2013.
Weitere Stücke der Studioreihe:
Norway.Today, von Igor Bauersima, im Theatertreff, ab 11. September.
Die Ängstlichen und die Brutalen, von Nis Momme-Stockmann, auf der Studiobühne, im Dezember.